Erntekronenbinden

Wie Katrin Ahlers aus Schmilkendorf eine alte Tradition bewahrt

Katrin Ahlers aus Schmilkendorf hat alle Hände voll zu tun. Warum sie sich auf das kommende Wochenende freut.

Von Andreas Hübner 16.09.2021, 08:29
Mit dieser Erntekrone möchte sich Kathrin Ahlers beim Erntefest des Landes Sachsen-Anhalt am Wettbewerb um den Publikumspreis beteiligen.
Mit dieser Erntekrone möchte sich Kathrin Ahlers beim Erntefest des Landes Sachsen-Anhalt am Wettbewerb um den Publikumspreis beteiligen. Foto:

Schmilkendorf/MZ - Wer in diesen Tagen mit Kathrin Ahlers reden möchte und versucht, sie zu erreichen – telefonisch oder auch persönlich – hat schlichtweg schlechte Karten. Und das obwohl sie gern und bereitwillig gleich mehrere Handynummern und Festnetzanschlüsse herausgibt.

Doch sie muss Kürbisse holen, an Besprechungen teilnehmen und ein Dorffest organisieren und so vieles andere mehr. Da bleibt keine Zeit zu telefonieren. „Bei mir ist immer alles zwischen Sofort und Gleich“, versucht sie schmunzelnd zu erklären.

Mit 30 Pferden

Ahlers kommt aus Schmilkendorf und sie ist stolz darauf. „Ich bin von Natur aus Bauer“, platzt sie geradezu heraus. „Ich bin eben auch auf dem Lande groß geworden.“ Seit vielen Jahren schon engagiert sich die 55-Jährige intensiv beim Landfrauenverband Sachsen-Anhalts und ist dort Vorstandsmitglied. Dabei ist die gelernte Diplom-Agraringenieurin sozusagen von Haus aus schon doppelt ausgelastet.

Denn während sie im Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten Anhalts voll beschäftigt ist und nahezu täglich nach Dessau fährt, führt sie gemeinsam mit ihrem Mann in den Feierabendstunden einen mittelständischen landwirtschaftlichen Familienbetrieb. Unter vielen anderem kümmert sich die Familie auch um ein kleines Gestüt. „Wir haben 30 Pferde im Stall“, erwähnt sie nur kurz. „Mein Tag hat 48 Stunden“, lacht die sympathische Frau.

Erntekronenbinden ist sehr alte Tradition

In den jüngsten Wochen hätten es definitiv nicht genügend lange Tage für Ahlers sein können. Denn der Jahreshöhepunkt ihres wohl größten Hobbys steht am kommenden Wochenende an. Beim Landeserntefest in Magdeburg – das traditionell am zweiten Septemberwochenende stattfindet – kommt es zum Erntekronenjubiläum. Kathrin Ahlers konnte mit ihren Erntekronen in den vergangenen zwei Jahren jeweils den Landesmeistertitel holen. Da verwundert es kaum, dass sie auch in diesem Jahr eine Krone für den 25. Wettbewerb einreichen wird. Auch ihre Enkelin Amelie beteiligt sich mit einem eigenen Kranz.

Das Erntekronenbinden ist eine sehr alte Tradition und äußerst zeitintensiv. Ein Weilchen muss sie überlegen, obwohl sie die Frage sogar erwartet hatte. Dann sagt sie zögernd: „Also an diesem Kranz habe ich ganz bestimmt eine Woche lang acht Stunden am Tag gearbeitet.“ Ganz genau könne man das aber gar nicht definieren.

Tradition bewahren

Die gesamte Herstellung eines solchen Kranzes oder Krone sei ein Prozess. Das Getreide muss geerntet und getrocknet werden. „Schneiden, bündeln, putzen“, zählt sie weitere Schritte auf. Auch die achtjährige Amelie beteilige sich tatsächlich an jedem einzelnen Arbeitsschritt. „Sie hat freilich nicht die Ausdauer wie Erwachsene“, versucht Ahlers zu erklären, „aber sie bringt sich ein.“ Dass Amelies Kranz diesmal ein Hirsekranz ist, hat sie selbst entschieden. Bei der Siegerehrung am Sonntag wird traditionell sogar Ministerpräsident Reiner Haseloff erwartet und den Frauen seinen Respekt erweisen.

Ahlers ist es sehr wichtig, Traditionen zu erhalten und den Kindern weiterzugeben. Deswegen freut sich auch auf das Schmilkendorfer Dorffest am Sonnabend. Krone und Kranz können dort zwar nicht bestaunt werden. „Wir werden aber wieder eine Familien-Gaudi-Staffel für Alt und Jung haben“, erinnert sie an das tolle Fest, was die 180-Seelen-Gemeinde vor zwei Jahren erleben konnte. Mit den etwa 30 Kindern des Dorfes werden Ahlers und die anderen Organisatoren diesmal - neben vielen weiteren Highlights - Pflaumenmuss kochen, Apfelsaft pressen und Kartoffelpuffer backen.