Judo

Turnier als Erinnerung an eine Tragödie in Wittenberg

Das internationale Andreas-Boenisch-Gedenkturnier erlebt am Samstag in der Piesteritzer Pappelbrücke die 20. Auflage. Der Namensgeber ist tödlich verunglückt.

Von Michael Hübner
So sah es in der Pappelbrücke während des Judo-Trainings im Rahmen eines Modellprojektes aus.
So sah es in der Pappelbrücke während des Judo-Trainings im Rahmen eines Modellprojektes aus. (Foto: Thomas Klitzsch)

Piesteritz - Die nächste runde Zahl steht ins Haus. „Wir haben immer ein Jubiläum“, verrät Olaf Rodewald. Der Sportliche Leiter der Judokas vom SV Grün-Weiß Wittenberg-Piesteritz rührt wieder einmal die Werbetrommel. Am Sonnabend ab 11.30 Uhr geht in der Piesteritzer Turnhalle „Pappelbrücke“ das internationale Andreas-Boenisch-Gedenkturnier der Judokas über die Bühne. Es ist bereits die 20. Auflage. Das Spektakel ist nie ausgefallen.

Corona stoppt das Event nicht

Selbst Corona kann das Event nicht stoppen. Im vergangenen Jahr sind die Wettkämpfe eingebunden in die Feierlichkeiten zum ganz großen Jubiläum. 70 Jahre - seit 1950 - wird in Piesteritz schon gekämpft. Damit sind die Grün-Weißen sogar Vorreiter nicht nur im Osten Deutschlands. 1953 - also erst drei Jahre später als in Wittenberg - wird der Deutsche Judo-Bund gegründet. Die erste Weltmeisterschaft findet 1956 statt. Erst seit den Spielen 1972 in München ist Judo fester Bestandteil des olympischen Programms.

Die Grün-Weißen sind ihrer Zeit voraus und haben es auch im vergangenen Jahr geschafft, einen internationalen Wettstreit zu organisieren. Allerdings haben sie auch das Glück des Tüchtigen auf ihrer Seite. Daniel Dyhrberg aus Dänemark hat sich nach Deutschland und bis nach Wittenberg mit einem negativen Coronatest durchgekämpft und so den Status „international“ des Turniers hoch gehalten.

Wobei, auch die Gastgeber selbst stehen für den Status „international“: Allein Cheforganisator Rodewald stand mehrfach auf einem Weltmeisterschaftspodest. Und Lokalmatador Wolfgang Löffler erkämpfte sich bei den Weltmeisterschaften in Abu Dhabi Gold.

Am Samstag kommen über 50 Sportler aus der Schweiz, Österreich, Italien und natürlich Deutschland in die „Pappelbrücke“. Dazu stellen die Gastgeber etwa ein Dutzend aktive Kämpfer. Darunter ein Quartett, für das es die Generalprobe vor den Deutschen Titelkämpfen in 14 Tagen ist.

In Piesteritz selbst geht es um insgesamt 15 Pokale, die Unternehmer Mirco Danzer gesponsert hat. Und eigentlich ist das Turnier ja deutlich älter als nur zwei Jahrzehnte. „Angefangen hat es schon zu DDR-Zeiten. Da hieß es aber noch Traditionsturnier“, erzählt Rodewald. Hinter der Umbenennung steht ein Tragödie. Andreas Boenisch, der Piesteritzer Judoka erkämpfte mehrere Bezirksmeister-Titel und war Teilnehmer bei DDR-Meisterschaften, starb bei einem Verkehrsunfall.

„Ein sehr guter Freund“, wird Rodewald in der Chronik der Abteilung zitiert. „Wir haben mit der Mutter, dem Bruder und der Lebensgefährtin gesprochen, ob sie mit der Ehrung durch ein Turnier einverstanden sind“, erzählt Rodewald im Gespräch mit der MZ. Bei der Erstauflage sind 80 Sportler dabei. „Man muss sich immer etwas Neues einfallen lassen“, verrät Rodewald sein Erfolgsgeheimnis. Immerhin halten die Judokas dem Format eben schon zwei Jahrzehnte die Treue.

Die aktuelle Herausforderung heißt aber vor allem Corona. In diesem Jahr ist der sportliche Höhepunkt vom Herbst in den Spätsommer vorverlegt worden. „Sicher ist sicher“, sagt Rodewald, für den die Gesundheit allerhöchste Priorität hat. In Zusammenarbeit mit Oliver Bunde von der Böttger-Apotheke stehen kostenlose Tests zur Verfügung. So kann die 3-G-Regel - Zutritt erhalten geimpfte, genesene und getestete Sportler und Gäste - umgesetzt werden. Diese Zusammenarbeit hat sich übrigens schon beim Modellprojekt bewährt. Damit konnten die Judokas als die Ersten nach der Corona-Zwangspause wieder zurück in die Halle. Training ist übrigens montags und freitags von 17 bis 19 Uhr für die Kinder und 19 bis 21 Uhr für die Erwachsenen.

Stadtführung und Bierseminar

Doch jetzt steht erst mal das Jubiläum im Mittelpunkt. Und da ist nach dem Sport noch lange nicht Schluss. Am Abend ist eine Stadtführungen geplant, und zum Feiern steht ein zünftiges Bierseminar auf dem Programm. (mz)