Umwelt

Tausende Bäume im Müll bei Coswig

Ein Forstwirtschaftsunternehmen und die privaten Waldbesitzer kritisieren die Landespolitik. Im Wald, sagen sie, sei viel mehr möglich, als gemacht werde.

Von Julius Jasper Topp
Geschäftsführerin Christiane Heinrichs, FDP-Bundestagsabgeordneter Marcus Faber und Verbandschef Franz Prinz zu Salm-Salm. (Foto: Thomas Klitzsch)

Coswig - Die Sämlinge stehen in Reih und Glied, Feld an Feld. Kiefern, Douglasien, Eichen und Rotbuchen werden auf dem 45 Hektar großen Gelände der Firmengruppe Stackelitz bei Coswig herangezogen und dann in ganz Mitteldeutschland eingepflanzt. Und gerade in Zeiten des Klimawandels und katastrophaler Waldschäden könnten Baumschulen wie diese mehr Unterstützung erfahren, finden die Hausherren.

Viel Kritik am Ministerium

Glücklich mit der aktuellen Landesregierung sind diejenigen nämlich nicht, die ihr Geld mit dem Wald verdienen. Insbesondere für die grüne Umweltministerin Claudia Dalbert haben die Geschwister Christiane und Martin Heinrichs wenig Lob übrig. Die beiden agieren als Geschäftsführer in der Firmengruppe Stackelitz. Auch der Vorsitzende des Waldbesitzerverbandes Sachsen-Anhalt, Franz Prinz zu Salm-Salm spart nicht mit Kritik an der Ministerin.

Ein Harvester im Wald bei Coswig.
(Foto: Thomas Klitzsch)

Das Unternehmen und der Verbandsvorsitzende haben deswegen in der vergangenen Woche bei FDP-Politikern vor Ort für ihre Sache geworben. Der Bundestagsabgeordnete Marcus Faber und die Landtagskandidatin Kathrin Tarricone aus Mansfeld-Südharz hatte man zur Baumschule bei Coswig geladen.

Bäume, die in der Coswiger Baumschule herangezogen wurden, werden etwa in Brandenburg als Ausgleich für die Giga-Fabrik des US-Elektroautoherstellers Tesla gepflanzt, ebenso für die Flughäfen BER, Leipzig-Halle und Erfurt. Zwölf Mitarbeiter sowie in etwa noch einmal so viele Saisonkräfte arbeiten in der Baumschule, über 200 im Unternehmen insgesamt, das mehrere Niederlassungen unterhält.

„Wir könnten viel mehr anpflanzen“, sagt Christiane Heinrichs. Doch weil hierzulande oft zurückhaltend agiert werde, zahlreiche Vorschriften den Waldumbau bremsten und die Waldbesitzer zu wenig Förderung und Dialog mit dem Ministerium erführen, gehe es langsamer voran, als möglich. Im Jahr 2018, ergänzt ihr Bruder Martin Heinrichs, habe man 480.000 Pflanzen vernichten müssen, weil sie nicht angepflanzt werden konnten. Grund seien auch hier mangelnde Förderungen und zu wenig Engagement der Regierung gewesen. Die jungen Bäume können nur mit einem Alter von etwa drei Jahren verpflanzt werden. Später sei das nicht mehr möglich.

Zum Vergleich: Bis zu drei Millionen Sämlinge züchtet die Baumschule Stackelitz pro Jahr. Die jungen Bäume sind nicht nur wegen der starken Schäden, die die Wälder in den letzten Jahren erfahren haben, eigentlich überregional begehrt. Nach eigenen Angaben ist die Baumschule nur noch eine von zwei in Sachsen-Anhalt. Das liege auch daran, dass in den 90er Jahren kaum noch Geld mit Aufforstung zu verdienen gewesen sei, sagt Heinrichs.

Das Unternehmen, das sein Vater aus DDR-Besitz privatisiert und aufgebaut hatte, verlegte sich in dieser Zeit auf andere Sparten, um überleben zu können. Etwa Landschaftsbau und Heizmittel, Wildfleisch und Grünflächenpflege. Als Heinrichs Junior 2012 die Baumschule übernahm, habe man gerade einmal 250.000 Sämlinge pro Jahr produziert. Jetzt wieder mehrere Millionen.

„Und da kann es nicht sein, dass Ministerin Dalbert in ihrer gesamten Regierungszeit noch nicht einmal bei diesem Unternehmen war“, findet Verbandschef Franz Prinz zu Salm-Salm. Das zeige, dass Sachsen-Anhalt beim Thema Wald seinen Job nicht mache.

Mehr Geld, mehr Mitsprache

50.000 Hektar Wald seien landesweit schlicht tot. Da reichten die bisherigen Aufbausummen nicht aus. Während Thüringens Ministerpräsident ein Geldpaket von einer halben Milliarde für die nächsten Jahre angekündigt habe, passiere hierzulande einfach zu wenig. Die Waldbesitzer, so seine Forderung, sollten für ihren Beitrag am CO2-Ausgleich beteiligt werden und mehr Förderung und Mitspracherecht erhalten. Die Forstwirte sind sich einig: Der Mensch müsse den Wald umbauen. Überlasse man ihn sich selbst, seien große Teile verloren. (mz)