Tanzen

Tanzloft will in Wittenberg die Szene aufmischen

Ein süddeutsches Unternehmen will mit lokaler Unterstützung das Wittenberger Tanzschulwesen aufmischen. Wie das funktionieren soll.

Von Irina Steinmann
So soll es sein: Tanzloft-Filialleiterin Justine Rodewald (rechts) und Tanzhaus-Chefin Nina Ober kooperieren zum gemeinsamen Nutzen.
So soll es sein: Tanzloft-Filialleiterin Justine Rodewald (rechts) und Tanzhaus-Chefin Nina Ober kooperieren zum gemeinsamen Nutzen. (Foto: Charakterklasse Fotografie)

Wittenberg - Die Wittenberger Tanzlandschaft gerät in Bewegung. Von Süddeutschland aus will ein Unternehmen, dessen Geschäftsführer dem Vernehmen nach in Freiburg auch Europas größte Tanzschule betreibt, nun in ganz Deutschland Fuß fassen. Als Startort hat sich die Tanzloft GmbH die Lutherstadt ausgesucht. Und sie setzt sich hier, wie Geschäftsführer Matthias Blattmann der MZ erfreut berichtete, quasi ins „gemachte Nest“.

Das „Nest“ befindet sich in der Friedrichstraße 126, in jenem historischen Industriekomplex, wo heute unter anderem das Callcenter Sitel tätig ist. Und eben das „Tanzhaus“, eröffnet vor wenigen Jahren von Nina Ober, über das die MZ schon mehrfach berichtet hat.

Über Bekannte habe man erfahren, dass Ober nach dem Corona-Tief Verbündete gut gebrauchen könnte, um die angemieteten Flächen bespielen zu können. „Wir teilen uns die Miete“, so Blattmann, wobei sich die beiden Unternehmen auch mit ihren jeweiligen Angeboten nicht in die Quere kämen: Tanzloft bietet ausschließlich Paartanz an.

Geteilte Miete

Nina Ober bestätigte gegenüber der MZ die gemeinsame Sache und sprach von einer Win-win-Situation: „Wir teilen uns das Objekt“; das „Tanzhaus“, das sich insbesondere dem Solo- und dem Kindertanz verschrieben hat, besteht also weiter.

Später einmal, so Ober, seien auch gemeinsame Veranstaltungen geplant. Dazu passt, dass die örtliche „Filialleiterin“ der Tanzloft GmbH bereits mit Nina Ober im „Tanzhaus“ zusammengearbeitet hat. Justine Rodewald heißt sie, ist 24 Jahre jung und Wittenbergerin. „Menschenkontakte“ seien ihr wichtig, sagt die mehrfache Turniermeisterin, die zuletzt als Restaurantleiterin arbeitete, jetzt aber, wie sie der MZ sagte, glücklich ist, sich wieder hauptberuflich dem Tanz widmen zu können.

Matthias Blattmann, Jahrgang 1972 und eloquent, verspricht mit seiner Tanzloft GmbH nichts Geringeres als eine Revolutionierung des Tanzschulwesens, sprich, höchstmögliche zeitliche und finanzielle Flexibilität für die Kunden. Die Mitgliedsverträge, die man allerdings abschließen muss, seien monatlich kündbar, vor allem aber würden jeweils die selben Kurse mehrfach zu verschiedenen Tageszeiten angeboten, so dass „Sie kommen, wenn Sie Zeit haben“.

Perspektivisch, ergänzt Rodewald, solle es so sein, dass man, wie etwa bei Fitness-Studio-Ketten, bundesweit in jeder Tanzloft-Filiale seinen Kurs fortsetzen kann, wenn man im Urlaub ist oder berufsbedingt vorübergehend woanders.

Vor allem aber sieht sich Blattmann als Erneuerer des Tanzschulwesens selbst: „Die typische Tanzschule ist heute nicht mehr so gefragt“, behauptet er und weckt bei seiner Gesprächspartnerin damit in der Tat ungute Erinnerungen an die Tanzkurse vor dem Abi-Ball in den späten 70ern, frühen 80ern. Wie steif das alles war! „Jeder Jahrgang hat seine Tänze“, sagt demgegenüber Blattmann, und seine eigene Musik. Man vermittele „Elemente“ statt starrer Schritte, zudem sei das Programm so angelegt, dass jede/r jederzeit folgen kann.

Und dann an die Bar

Oben „Tanzhaus“, unten „Tanzloft“, so sieht die künftige Aufteilung in der Friedrichstraße 126 aus. Der große Saal im Erdgeschoss, der beim MZ-Besuch im „Tanzhaus“ 2019 noch gar nicht existierte, soll also glücklich tanzende Paare sehen, als Feierabendvergnügen oder wann auch immer. Und die Bar? Ist im Obergeschoss, im „Tanzhaus“. Tanzloft darf sie aber mitnutzen. Anders ließe sich der Event-Charakter des Tanzens, der Blattmann offenkundig vorschwebt, auch kaum herstellen. „Das Drumherum spielt eine große Rolle“, sagt er, und Tanzen sei, gerade jetzt nach Corona, für viele ein „Ventil“.

Potente Investoren stehen den Angaben zufolge hinter dem „Start-up“ (Rodewald) Tanzloft GmbH, das nach Wittenberg bald weitere Filialen etwa in Krefeld und im Saarland zu eröffnen plant. Nicht dazu gehört ein gleichnamiges Unternehmen in Berlin, das dortige „Tanzloft“ ist eine staatlich anerkannte Ergänzungsschule. Juristische Schwierigkeiten erwarte er nicht, sagte Blattmann. Es handele sich um einen beschreibenden Begriff. Tanzen in alter Industrie eben. (mz)