Im Dialog mit großen Meistern

Stiftung Christliche Kunst Wittenberg startet neues Veranstaltungsformat

Stiftung eröffnet Ausstellung von Christopher Lehmpfuhl und startet damit ein neues Veranstaltungsformat.

Von Corinna Nitz 08.10.2021, 08:48 • Aktualisiert: 08.10.2021, 08:52
Christhard-Georg Neubert
Christhard-Georg Neubert Neubert/privat

Wittenberg/MZ - „Christopher Lehmpfuhl im Dialog mit den großen Meistern der Kunst“ heißt eine Exposition im Rahmen des neuen Ausstellungsformates „Dialoge“, zu deren Eröffnung die Stiftung Christliche Kunst Wittenberg am heutigen Freitagabend in ihre Räume im Schloss einlädt. Der Titel der Schau ist Programm, denn der in Berlin lebende Lehmpfuhl „antwortet“ mit seinen Mitteln auf Werke weltbekannter Künstler der Geschichte.

Corinth als Impulsgeber

Als Impulsgeber, wie der Vorstandsvorsitzende der Stiftung, Christhard-Georg Neubert, es formuliert, diente Lehmpfuhl eine Arbeit aus dem Sammlungsbestand von Lovis Corinth: Das Blatt zeigt den gekreuzigten Christus. Doch habe Lehmpfuhl für sich entschieden, sich nicht auf Corinth allein zu beziehen. Entstanden sind 20 zum Teil farbstarke Monotypien, die ob ihres kleinen Formats den Betrachter einladen, nah heranzutreten und ebenfalls in einen Dialog zu treten mit Bildern wie „Christus nach Caravaggio“, „Jesus und die Kinder nach Nolde“, „Das letzte Abendmahl nach Leonardo da Vinci“ oder das „Hundertguldenblatt nach Rembrandt“.

Lehmpfuhl, Jahrgang 1972, ist Absolvent der Hochschule der Künste Berlin. Er war Meisterschüler bei Klaus Fußmann, der über Lehmpfuhl unter dem Titel „Verhaltene Ruhe“ schreibt: „Auf den ersten Blick wirkt der Maler auf uns ausgeglichen, ja in sich ruhend (...) Erst im Gespräch spüren wir seine Gespanntheit, die tiefsitzende Kraft, die ihn weitertreibt von Bild zu Bild (...) Gefeit gegen Schlaf und Schwäche malt Christopher Lehmpfuhl fast täglich mehrere Stunden (...) Seine Malerei bricht sich Bahn wie ein Naturereignis.“ Der ganze Text ist im Entree zur Ausstellung zu lesen auf einem blauen Banner, von denen es mehrere gibt. Der Raum mit den Lehmpfuhl-Arbeiten selbst strahlt eine große Ruhe aus, beim Einrichten der Schau haben sie, wie die Büroleiterin der Stiftung, Stefanie Treppesch, am Donnerstag bei einer Vorbesichtigung betont, auf Vitrinen verzichtet. Stattdessen laden Polsterbänke in der Mitte des Raumes dazu ein, Platz zu nehmen und die Werke auf sich wirken zu lassen. Schilder mit Titeln gibt es nicht, dafür sollen Besucher Rundganglisten erhalten, die Orientierung bieten.

Existenzielle Fragen

Wer weitergeht, gelangt in einen Chagall- und schließlich in einen Mühlenhaupt-Raum. Insgesamt 24 Lithographien von Marc Chagall und zwölf farbige Kaltnadelradierungen von Kurt Mühlenhaupt, ebenfalls aus dem Stiftungsbestand, sind dort zu sehen. Einen direkten Bezug zum Maler und Grafiker Lehmpfuhl gibt es nicht. Aber, so der Stiftungsvorsitzende Neubert, „das inhaltlich Verbindende sind die biblischen Themen“. Neubert war viele Jahre Kunstbeauftragter der evangelischen Landeskirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Die Frage, ob einer gläubig sein muss, um sich mit diesen Themen zu beschäftigen, verneint er. Erinnert wird dabei auch an jene Künstler, die nach dem Ersten Weltkrieg ihre Kriegserfahrungen beispielsweise in Kreuzigungsszenen verarbeitet haben. Und geht es nicht, wenn von einer bestimmten Bildtypologie der christlichen Kunst die Rede ist, stets auch um existenzielle Fragestellungen?

Zugehör wird erwartet

Fragen gestellt werden sollen auch zur Vernissage, mit der zugleich die Reihe „Wittenberger Kunstgespräche“ eröffnet wird. Gemeinsam mit Oberbürgermeister Torsten Zugehör (parteilos) und dem Künstler will Neubert in den Dialog mit dessen Arbeiten treten. Das wird mit seinen Mitteln auch der Berliner Saxofonist Detlef Bensmann tun. Das neue Veranstaltungsformat „Dialoge“, in dessen Rahmen auch die Lehmpfuhl-Schau zu sehen ist, wird als Erweiterung der bisherigen Ausstellungspraxis verstanden. Ziel sei es, „die Bedeutung der Sammlung im kulturellen Bewusstsein der Öffentlichkeit lebendig zu halten, ihre Attraktivität zu steigern und ihre Strahlkraft zu erweitern“, heißt es über die Konzeptidee.

Die Eröffnung der Lehmpfuhl-Ausstellung am 8. Oktober beginnt 18 Uhr. Es gelten die coronabedingten Hygienevorschriften und die 3G-Regel. Nach der Vernissage kann die Schau montags bis samstags von 10 bis 17 Uhr und sonntags von 12 bis 17 Uhr in den Räumen der Stiftung Christliche Kunst im Wittenberger Schloss besucht werden.

Stefanie Treppesch leitet das Büro der Stiftung Christliche Kunst im Wittenberger Schloss. Dort wird am heutigen Freitagabend, dem 8. Oktober, eine neue Ausstellung eröffnet.
Stefanie Treppesch leitet das Büro der Stiftung Christliche Kunst im Wittenberger Schloss. Dort wird am heutigen Freitagabend, dem 8. Oktober, eine neue Ausstellung eröffnet.
Foto: Thomas Klitzsch
Blick in den Raum mit den Werken von Christopher Lehmpfuhl
Blick in den Raum mit den Werken von Christopher Lehmpfuhl
Foto: Klitzsch
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Repro: Klitzsch