Digitalisierung

Sormas bringt Hilfe im Gesundheitsamt Wittenberg

Software, die seit Anfang der Woche in Betrieb ist, erleichtert Arbeit des Gesundheitsamtes erheblich. Warum es so lange dauerte.

Wittenberg - Moderne digitale Technik hilft nun endlich im Wittenberger Gesundheitsamt bei der Bewältigung der Corona-Krise. Seit Anfang der Woche wird dort mit einem Programm namens Sormas gearbeitet. „Ein Quantensprung“, erklärt der Chef des Fachdienstes Gesundheit, Michael Hable. Es erleichtere die Arbeit erheblich. Dass es so lange dauerte, bis Sormas genutzt werden kann, sei bedauerlich und habe verschiedene Ursachen. „Eigentlich hätten wir das Programm schon vor einem Jahr gut gebrauchen können.“

Keine Verzögerung mehr

Sormas ist eine vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung und dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung entwickelte Software zum Management von Infektionskrankheiten. Es unterstützt laut Hable die Experten bei der Identifizierung und Überwachung von infizierten Personen. Das Programm integriert die Meldungen aus den Laboren und dient zugleich der Übermittlung der Daten etwa an das Land oder an das Robert-Koch-Institut. „Es ist die Zentrale, in der alles zusammenläuft“, beschreibt der Mediziner die Funktion der Software.

Bislang mussten die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes mit Papierakten und Excel-Tabellen arbeiten, die Informationen aus den Laboren kamen zwar auf elektronischem Wege, wurden aber noch ausgedruckt. Die Informationen an das Robert-Koch-Institut sind extra eingegeben worden, was zu den bekannten Verzögerungen und zu einigem Verdruss geführt hat (die MZ berichtete).

Das alles gehört nun der Vergangenheit an. Die Datenweitergabe läuft per Knopfdruck, Verzögerungen sind minimal, was sich an den errechneten Inzidenzwerten von Landkreis und RKI bereits gut ablesen lässt. Sie haben sich weitgehend angeglichen.

Hable spricht von einem sehr komfortablen System. In das ist sogar ein Symptomtagebuch integriert: „Das können die Menschen in Quarantäne nutzen.“ Bisher musste oft noch auf telefonischem Wege nach dem Befinden gefragt werden. Allerdings ist das Tagebuch noch nicht scharf geschaltet: „Das kommt als nächstes an die Reihe“, so der Amtsarzt.

Die Verzögerungen bei der Einführung der außerordentlich hilfreichen Software, die übrigens, wie Hable bemerkt, in einigen westafrikanischen Ländern längst genutzt wird, hatte unter anderem mit Vernetzungs-Problemen zu tun. Sie sei anfangs nicht kompatibel mit der Software des Robert-Koch-Institutes gewesen. „Wir hätten das Programm früher bekommen können, hätten aber dann immer noch doppelt eingeben müssen. Das wollten wir nicht.“ Auch das Land habe abgeraten. Hinzu kamen zeitweise sehr hohe Infektionszahlen: „In einer solchen Situation wollten wir keine Software einführen.“

Daten importiert

Jetzt sei Zeit gewesen, sich mit dem kostenlos vom Bund zur Verfügung gestellten System zu beschäftigen. „Am Montag haben wir es zum Laufen gebracht.“ Sämtliche Daten seien inzwischen importiert. Die Software gestattet nun im Übrigen auch, was das Gesundheitsamt angesichts der Pandemie dringlich empfiehlt: im Homeoffice zu arbeiten. Auf das Programm können die Berechtigten von Ferne zugreifen. Die Pandemie schafft etwas, was lange verschlafen wurde: die Digitalisierung der Gesundheitsämter: „Das ist ein Schub für uns“, sagt der Arzt Michael Hable.

Laut Helmholtz-Zentrum hatten Ende Februar übrigens lediglich 250 von 375 Gesundheitsämtern Sormas installiert. Laut Umfrage des ARD-Magazins Kontraste war das System Ende Februar lediglich bei 90 Gesundheitsämtern in Betrieb. (mz/Marcel Duclaud)