Sitel stellt weiter ein

Wittenberg/MZ. - Der Ministerpräsident gestattete sich einen kleinen Ausflug in die Historie. An der Stelle, an der Sitel gegenwärtig das "Forum Friedrichstraße" entstehen lässt, begann 1874 die Industrialisierung von Wittenberg, erklärte Wolfgang Böhmer am Mittwochvormittag seinem Publikum in einer großen Fabrikhalle, die noch ihrer Sanierung harrt. Ein Jahr zuvor hatte sich der Rat entschlossen, die Stadt zu entfestigen. In der Halle, so Böhmer, finden sich noch Fliesen aus Kaisers Zeiten, wenige Meter weiter hochmoderne Kommunikationstechnologie. Wo früher eine Marmeladenfabrik ihren Sitz hatte, erfolgt jetzt Wertschöpfung im ...

Von Marcel Duclaud 09.05.2007, 16:23

Der Ministerpräsident gestattete sich einen kleinen Ausflug in die Historie. An der Stelle, an der Sitel gegenwärtig das "Forum Friedrichstraße" entstehen lässt, begann 1874 die Industrialisierung von Wittenberg, erklärte Wolfgang Böhmer am Mittwochvormittag seinem Publikum in einer großen Fabrikhalle, die noch ihrer Sanierung harrt. Ein Jahr zuvor hatte sich der Rat entschlossen, die Stadt zu entfestigen. In der Halle, so Böhmer, finden sich noch Fliesen aus Kaisers Zeiten, wenige Meter weiter hochmoderne Kommunikationstechnologie. Wo früher eine Marmeladenfabrik ihren Sitz hatte, erfolgt jetzt Wertschöpfung im Dienstleistungsbereich.

Am Mittwoch ist der Standort Wittenberg des weltweit agierenden, aus den USA stammenden Unternehmens eröffnet worden. Und das wartet nicht zuletzt in der Lutherstadt mit beeindruckenden Zahlen und eben solchem Wachstum auf. Der Betrieb läuft längst, ist vor rund zwölf Monaten aufgenommen worden, als die Ansiedlung in der Friedrichstraße lediglich ein Plan war. Dort beschäftigt die Sitel GmbH, die im "Kundenservice-Management" tätig ist - man kann auch Call-Center sagen - inzwischen 300 Mitarbeiter. In den kommenden drei Monaten sind nach Auskunft von Regional-Direktor Marcus Schulz weitere 200 Neueinstellungen geplant. Insgesamt sollen einmal 1 000 Männer und Frauen in Wittenberg für Sitel telefonieren. Technische Beratung für Verbraucher und "komplexe Serviceleistungen" sind ihr Metier. Je nach Auftrag werden, so Pressesprecherin Silke Kleinhans, Installationshilfen oder Reparaturhinweise gegeben, es gehe etwa um Reparaturaufträge bei defekten Geräten, um die Steuerung von Abholung und Anlieferung und anderes mehr. Dass es qualifizierte Mitarbeiter brauche, betont Jochen Nolte, der Marktdirektor von Sitel Deutschland: "Die Mitarbeiter am Telefon sind der direkte Draht zum Markt unserer Klienten und können viel dazu beitragen, deren Kunden langfristig zu binden."

Dass Sitel für eine Reihe von namhaften Unternehmen tätig ist, wird betont, ohne freilich die Namen auch preiszugeben. Von über 440 Klienten ist die Rede. 65 000 Mitarbeiter an mehr als 145 Standorten in 28 Ländern betreuen Kunden in 32 Sprachen. Jetzt zählt also auch die Lutherstadt zu den Sitel-Standorten, nach Dessau ist es der zweite in Sachsen-Anhalt. Als das Unternehmen in der Muldestadt an seine Grenzen stieß, hat es Ausschau gehalten nach einem anderen günstigen Ort.

Dass die Wahl auf seine Heimatstadt gefallen ist, freut nicht zuletzt den Ministerpräsidenten. Er hofft, dass hier zukunftsfähige Arbeitsplätze entstehen. Überhaupt liege Sachsen-Anhalt geographisch günstig, in der Mitte der Europäischen Union und sei also ein guter Standort für Logistik- und Dienstleistungsunternehmen, deren Ansiedlung das Land nach Kräften fördere. Und noch einen Vorteil macht Wolfgang Böhmer in seiner Heimat aus: "Wir sind in der Lage, Hochdeutsch zu sprechen."