Neuer Gebetsort für Muslime

Neuer Gebetsort für Muslime: AfD passt die Moschee nicht - die gar keine ist

Wittenberg - Der Integrationsverein Salam hilft Flüchtlingen, in Wittenberg zurecht zu kommen. Und er bietet ihnen eine Gebetsstätte. Das passt der AfD gar nicht.

Von Julius Jasper Topp 22.01.2019, 16:23

Der Pavillon in der Florian-Geyer-Straße in Wittenberg hat sich kaum verändert. Freitags versammeln sich in der ehemaligen Fahrschule aber neuerdings viele arabischstämmige Menschen. Das gab Anlass für Spekulationen. Ist hier - in relativer Stille - eine Moschee entstanden? Das ist, wie sich zeigt, nur die halbe Wahrheit.

Umringt von mehrgeschossigen Häusern im Wittenberger Osten, hat sich hier der Integrationsverein „Salam“ nach einigen Umzügen vor etwa zwei Monaten eine neue Heimat geschaffen. Zum Gebet wird regelmäßig geladen - trotzdem will der Verein sein Heim nicht als Moschee verstanden wissen.

„Unser wichtigstes Anliegen ist es, die Integration in die deutsche Gesellschaft leichter zu machen“, sagt Husar Miaree, stellvertretender Vorsitzender von Salam. Miaree stammt aus Syrien, lebt seit drei Jahren in Wittenberg und arbeitet als Integrationslotse für den Landkreis. Der Verein hilft unter anderem Kindern aus Kriegsgebieten wie Syrien, ihre eigene und auch die neue, fremde Sprache Deutsch zu lernen. „Viele Kinder haben wegen des Krieges keine richtige Schulbildung bekommen“, sagt Miaree. Das wolle der Verein mit Nachhilfestunden aufholen.

Gut vernetzter Verein

Regelmäßig halte man den Kontakt zu Parteivertretern und Institutionen wie der Bibliothek. Unterstützt wird Salam vom Integrationsnetzwerk des Landkreises und dem Bundesprogramm „Demokratie leben!“. Freitags kommen etwa hundert Muslime zusammen, um in den Räumen des Vereins zu beten.

Der Freitag gilt den Muslimen als besonders wichtig. Das Gebet entspricht in seiner Bedeutung dem Sonntagsgebet der Christen. Die Gebete, so Miaree, gehörten zu diesem Kulturkreis dazu, seien aber eben auch nur ein Bestandteil der Vereinsarbeit. Obwohl es auch Christen unter den Mitgliedern gebe, sei ein Großteil muslimisch. Und diesen wolle man eine Möglichkeit schaffen, ihren Glauben zu leben.

An eben diesen wöchentlichen Versammlungen stört sich nun der AfD-Landtagsabgeordnete Thomas Höse. In Anfragen an den Landtag klopft er den vermeintlichen Moscheebetrieb in der Florian-Geyer-Straße auf mögliche Formfehler ab.

Ob denn eine Genehmigung als Versammlungsraum vorliege, will Höse von der Landesregierung wissen. Die gebe es noch nicht, ein Antrag sei aber in diesen Tagen vom Mieter, dem Salam e.V., angekündigt, heißt es in der schriftlichen Antwort der Regierung. Höse macht derweil auf seiner Internetseite auf die vermeintliche Moschee aufmerksam: Auf Fotomontagen zeigt er, wie ein Minarett das Stadtbild überragt. Oder wie ein Halbmond auf dem Gebäude des Blumenpavillons prangt.

Dabei sind den Salam-Mitgliedern Expansionsgedanken eher fremd. Auf den Ruf des Muezzin zum Gebet verzichte man natürlich aufgrund der deutschen Gesetzeslage. Auch sonst versuche man beim Freitagsgebet Ruhe zu bewahren und die Nachbarn nicht zu stören. Als Gebetsort ist der unscheinbare Glaspavillon mit den zugezogenen Vorhängen von außen nicht erkennbar.

Der Imam thematisiere nicht etwa die Eroberung des Abendlandes, sondern habe gerade erst einen Vortrag zum Thema Schwarzarbeit gehalten. Tenor: Das verstößt sowohl gegen das geltende Gesetz als auch gegen den Koran. Auf Nachfrage der MZ wollte der AfD-Abgeordnete Höse keine Stellung zu seiner Anfrage im Landtag nehmen.

Schwierige Suche

Einfach sei es nicht gewesen, eine Bleibe für den Verein zu finden erzählt Husar Miaree. Viele Vermieter seien skeptisch gewesen. „Ich habe immer wieder erklären müssen, dass wir keine Moschee aufbauen wollen“, sagt er. Und: „Ich will nicht, dass Missverständnisse auftreten.“ Man biete auch Gebete an – aber das tue man vor allem, weil es keinen anderen Gebetsraum in Wittenberg gebe.

Die Suche nach einem Ort für das gemeinsame Freitagsgebet gestaltet sich schwierig für die Muslime in der Stadt. Zunächst hatten sich einige Gläubige freitags in den Hinterräumen von Geschäften getroffen, um gemeinsam zu beten. Ab 2016 konnten sie sich dann zum Gebet in der Phönix-Theaterwelt versammeln. Das war aber nur von kurzer Dauer. Wegen eines fehlenden zweiten Fluchtweges habe man die Nutzung untersagen müssen, heißt es von Kreissprecher Ronald Gauert.

Einen neuen Versammlungsraum fanden die Muslime danach in der Jahn-Turnhalle. Die gehört der Stadt, gemietet hat sie der Sportverein MTV Wittenberg, der Salam freitags Platz für die Gebete einräumte.

Der Verein habe jedoch den Wunsch gehabt, Raum für die diversen Kurse und für das Freitagsgebet gleichzeitig zu haben, erzählt Husar Miaree. Deswegen sei man nun vor zwei Monaten in den Pavillon gezogen.

(mz)