Naturschutz in Oranienbaum-Wörlitz

Ministerin im Bienenwald

In Oranienbaum-Wörlitz wird erste derartige Anlage in Sachsen-Anhalt eröffnet. Es handelt sich um ein Gemeinschaftsprojekt von Kommune, Land und Forst.

Oranienbaum-Wörlitz - „Das erste Opfer der Klimakrise“, sagte Claudia Dalbert, „ist der Wald.“ Damit es dem wieder ein wenig besser geht, war die Landesumweltministerin am Donnerstagnachmittag nach Oranienbaum gekommen. In ihrer Anwesenheit konnten gleich mehrere „Trittsteine für eine positive Biotopentwicklung“ (Dalbert) im Boden verankert werden.

Gemeinsam mit dem Oranienbaum-Wörlitzer Bürgermeister Maik Strömer (CDU) enthüllte die bündnisgrüne Landespolitikerin gleich zum Start die Tafel, die auf den am Westrand der Stadt angelegten Bienenwald hinweist. Der ist der erste seiner Art in Sachsen-Anhalt. Auf einer Idee des neuen Revierleiters David Pohl fußend, setzten die Kommune und das Landeszentrum Wald dieses den Honig- und Wildbienen dienende Pilot-Projekt gemeinsam um.

Laut Pflanzplan aus 18 verschiedenen Sträuchern und Laubgehölzen bestehend, die besonders viel Pollen und Nektar produzieren und zudem zu unterschiedlichen Zeiten blühen, nimmt die Bienenweide auf einer ehemaligen Kahlschlagsfläche am südlichen Ende der Weststraße knapp 0,7 Hektar ein. Das Areal gehört zu jenem knapp 25 Hektar umfassenden Teil des Stadtwaldes, auf dem forstwirtschaftliche Maßnahmen notwendig waren.

„Hier stehen jetzt ungefähr 3.500 Pflanzen, die dank der Bewässerung durch die Kameraden der Feuerwehr sehr gut angewachsen sind“, informierte Philipp Nahrstedt vom zuständigen Betreuungsforstamt Annaburg, während die Stadtratsvorsitzende von Oranienbaum-Wörlitz, Karin Tschernich-Weiske (CDU), den Bestand um eine Blumenesche, die schon vom Namen her eine reiche Blütenpracht verspricht, ergänzte.

Strömer hatte derweil zu Ilex aquifolium gegriffen. Die Europäische Stechpalme ist der Baum des Jahres 2021. Als eher seltener, einheimischer Waldbaum - gern für den Weihnachtsschmuck verwendet - ist sie sehr anpassungsfähig. Für ihr Bekenntnis, den Bienenwald aus eigenen Mitteln zu finanzieren, machte Forstchef Nahrstedt den Mitgliedern des Stadtrates von Oranienbaum-Wörlitz ein großes Kompliment. Die nachhaltige Kooperation mit den Experten vom Landeszentrum zu suchen, zeuge von Weitblick, lobte auch Sachsen-Anhalts Umweltministerin, der vom Stadtoberhaupt eine Urkunde für die erste Baumpatenschaft, die im Stadtwald angesiedelt ist, überreicht wurde.

Claudia Dalberts Baum trägt die Nummer 233 und ist eine Kiefer. Das Nadelgehölz ist im Rahmen des Habitat- und Totholzkonzeptes neben 249 anderen Bäumen ganz bewusst ausgewählt worden, um ungestört altern, absterben und zerfallen zu können.

„Die Standorte dieser Bäume, die für eine Nutzung nicht in Frage kommen, sind exakt kartiert und mit einem grünen Specht versehen worden“, berichtete der Forstamtsleiter.

„Ich sehe, hier ist man mit Siebenmeilenstiefeln auf dem Weg in die Zukunft“, lobte die Ressortchefin, die zum Abschluss ihrer Stippvisite zum Spaten griff. Auf einer 0,5 Hektar großen Fläche galt es, noch einige, drei Jahre junge Esskastanien, die von einem lokalen Anbieter, der Baumschule in Stackelitz, zur Verfügung gestellt wurden, in den Boden zu bringen. „In den vorbereiteten etwa 30 Zentimetern tiefen Fräßstreifen finden die insgesamt 2.000 Exemplare eine schöne Bodenmischung vor und sollten schnell anwachsen“, schätzte Philipp Nahrstedt ein.

Ähnlich wie Karin Tschernich-Weiske und Maik Strömer sei auch er gespannt, sagte Forstamtsleiter Nahrstedt, wie sich die ursprünglich in Südeuropa beheimatete Baumart Esskastanie im neuen Umfeld bewährt. Dereinst von den Römern über die Alpen gebracht, bestanden etwa die Rebpfähle in den Weinbergen an der Mosel aus ihrem haltbaren Holz.

Der Stadtwald Oranienbaum-Wörlitz ist eben auch ein kleines Experimentierfeld. (mz/Andreas Behling)