Weg über die Elbe

Kirchentag Wittenberg: Schwimmbrücke für Abschlussgottesdienst steht

Wittenberg - Die Bundeswehr hat für den Abschlussgottesdienst des Evangelischen Kirchentags in Wittenberg eine Pontonbrücke über die Elbe errichtet.

Von Ilka Hillger 28.05.2017, 07:06

„Jetzt könnten sie aber langsam kommen.“ Joachim Zwieslige wird etwas ungeduldig, denn „in einer Stunde muss das Ding stehen“. Es ist kurz vor 5 Uhr am Sonntagmorgen. Der Wittenberger steht mit seinem Rad am Elbufer auf der Stadtseite. THW und DLRG sind da und ein paar Schaulustige wie Zwiesiegk. Aber wo bleibt die Bundeswehr, die Pontonbrücke zusammensetzen soll? „Das ist eben die Bundeswehr“, meint Norbert kieke vielsagend.

Um das eigene pünktliche Erscheinen beim Brückenschlag über die Elbe musste sich der Einsatzabschnittsleiter der DLRG nicht sorgen. Mit den Frauen und Männern des Landesverbandes sind die Wasserretter einfach vor Ort geblieben und haben die Nacht an der Elbe verbracht.

Im Morgengrauen stapft dann eine große Gruppe mit schwerem Gepäck ans Elbufer. Der Bus hat den Posaunenchor aus Floß in der Oberpfalz am Altstadtbahnhof abgeladen. „Jetzt suchen wir den Bläserübergang“, sagt Richard Riedel. Aber da ist nichts. Nun noch ein Stündchen zu warten, bis die Brücke steht, löst nicht viel Begeisterung aus.

Ein Uhr in der Nacht ist die Gruppe in Berlin losgefahren, nachdem sie bereits seit Donnerstag unermüdlich auf dem Kirchentag in der Hauptstadt spielte. Auf der Bühne werden Schlafsäcke ausgerollt. Das kleinste Nickerchen ist willkommen, wird aber bald abrupt unterbrochen.

Kirchentag Wittenberg: Bundeswehr baut schwimmende Brücke über der Elbe

5.15 Uhr taucht das erste Boot der Bundeswehr auf. Den Pionieren aus Havelberg muss man gutes Timing zugestehen. Mit den ersten Sonnenstrahlen, die auf der Elbe glitzern, fahren sie vor  und schlagen mächtig Wellen. Das hätte auch Francis Ford Coppola als Kameraeinstellung gefallen.

Beobachter Joachim Zwiesiegk entfährt ein erleichtertes „Na endlich!“. Jetzt kann es losgehen und zwar zügig. Am Ufer lagern die drei vormontierten Faltschwimmbrückenelemente. Das wurde  beim Probeaufbau am Samstag erledigt. Zwiesiegk war da auch schon vom Morgen bis zum Mittag dabei.

„Ich war doch selbst beim Pionierregiment in Dessau“, erklärt er. Das war 1968. „Deswegen bin ich  auch so interessiert“, sagt der 70-Jährige. Damals war er in der Regimentswerkstatt, heute will er sich vor allem die Technik anschauen. Die ist ganz anders als einst, aber eines ist gleichgeblieben: „Der Gestank ist wie früher, den habe ich gleich wieder erkannt“. Die Abgase der Boote machen den Mann etwas nostalgisch.

Für solche Momente ist aber nicht die Zeit, denn fortan geht es flott voran. Es ist Minutensache, da liegen die ersten Brückenelemente am Festwiesen-Ufer. Die Pfälzer Bläser sind jetzt auch wieder hellwach und packen die Instrumente aus. Ein kleines Konzert wird improvisiert, und während Brückenteil Nummer 2 eingeschwommen wird, bläst man mit „Du meine Seele singe“ gegen den Motorenlärm und die Kommandos an.

5.40 Uhr ist das Werk vollbracht. Jetzt können auch Birgit und Christoph Busse gleich hinüber. Das Ehepaar aus Wittenberg ist 4 Uhr aufgestanden, um auf diesem Weg auf die Festwiese zu kommen. „Es ist überwältigend, so ein Ereignis in der eigenen Stadt zu haben“, finden sie.

In den nächsten Jahrzehnten werde man so etwas wohl nicht noch einmal erleben. Da sind die beiden stolz, als Wittenberger hier zu stehen und nun zu den Ersten zu gehören, die über die Pontonbrücke gehen.

Die Erlaubnis dafür gibt Landrat Jürgen Dannenberg. Er kommt von der Festwiese herüberspaziert. „Herzlich willkommen und guten Morgen!“, ruft er den Leuten zu, nachdem ihm Major Matthias Bucke per Handschlag die Brücke für die zivile Nutzung übergeben hat. Der junge Mann in Uniform ist sehr zufrieden. „So ein Einsatz ist immer mit Anspannung verbunden“, sagt der Chef der Pioniere. Der Brückenschlag über die Elbe sei eine seltene Sache. „Das ist für uns auch mal eine neue Baustelle.“

Bis 22 Uhr ist die Brücke am Sonntag in Betrieb. Auf beiden Seiten der Pontons hat die DLRG Boote mit Strömungssicherern und Taucher positioniert. Die sechs Boote der Pioniere bleiben die ganze Zeit angedockt und steuern bei Bedarf das schwimmende Bauwerk gegen den Strom aus. „Da wechseln wir natürlich die Besatzung“, sagt Bucke. Das muss sein, schon die Morgensonne hat die Soldaten ins Schwitzen gebracht.

Die Bläser aus der Pfalz haben derweil das Wiesen-Ufer erreicht. Da stoppt es schon wieder: Instrumentenkoffer und Rucksäcke werden von den Sicherheitskräften kontrolliert. Joachim Zwiesiegk hat sich da längst auf den Heimweg gemacht. Er hat daheim versprochen, frische Brötchen von seinem Morgenausflug ans Elbufer mitzubringen. Dann will er das Haus nicht noch mal verlassen. „Den Rest sehe ich mir im Fernseher an.“ (mz)