Verkehr

E-Scooter gelten in Wittenberg als Erfolg

Die Testphase für die elektrisch betriebenen Roller in Wittenberg ist beendet. Die Verwaltung spricht von weitgehend reibungslosem Betrieb. Der Investor sieht Potenzial.

Von Marcel Duclaud
Einer der E-Scooter in Wittenberg:   Der Investor ist zufrieden und möchte die Zahl der Roller erhöhen.
Einer der E-Scooter in Wittenberg: Der Investor ist zufrieden und möchte die Zahl der Roller erhöhen. (Foto: Thomas Klitzsch)

Wittenberg - Man sieht sie in der Tat öfter: auf Bürgersteigen stehen, einzeln, in kleineren Gruppen oder in Fahrt vorbei flitzen, oft eher von jüngeren Leuten gesteuert. Die Rede ist von den so genannten E-Scootern, Roller mit Elektroantrieb, um die es mal einen ziemlichen Hype gab.

Inzwischen gehören sie zum Stadtbild, jedenfalls in den Großstädten, aber auch in kleineren Kommunen breitet sich diese eher umweltfreundliche Art der Mobilität aus.

Positiv für beide Seiten

In Wittenberg lief bis Ende Mai eine Testphase, um herauszufinden, ob sich E-Scooter lohnen in mittelgroßen Städten, ob es zu größeren Problemen kommt, wie die Bürger reagieren. Offenkundig ist der Test positiv ausgefallen - für den Anbieter Bird Rides ebenso wie für die Kommune.

„Von beiden Seiten wurde festgestellt: Das ist ein Erfolg“, sagte beim jüngsten Wittenberger Bauausschuss Thomas Damm von der Stadtverwaltung. Die Scooter seien gut angenommen worden - trotz des ungünstigen Zeitraums für einen Probebetrieb, Winter, und der Corona-Pandemie mit stark eingeschränkter Mobilität.

Die Vandalismus-Schäden hielten sich ebenfalls in Grenzen und damit die anfallenden Reparaturen: „Wir mussten keinen der Roller aus dem Schwanenteich fischen.“ Die Scooter seien als „normaler Bestandteil“ des Verkehrsgeschehens in Wittenberg wahrgenommen worden, seien Teil des Alltags, schätzt die Verwaltung ein.

In der Stadt, so Damm, habe es vereinzelt Hinweise auf ungünstig abgestellte Elektro-Roller gegeben - in Grünanlagen beispielsweise oder quer auf Gehwegen. Ansonsten sei die Sache aber „reibungslos“ gelaufen.

Was bedeutet, dass die E-Scooter Wittenberg womöglich nicht nur erhalten bleiben, sondern dass ihre Zahl sogar wächst - auf bis zu hundert Stück. Der Investor, hieß es beim auch für Verkehrsfragen zuständigen Bauausschuss, sehe Potenzial und möchte einen Kooperationsvertrag mit der Kommune abschließen. Zu diskutieren wären verschiedene Fragen: Beispielsweise, ob das beschränkte „Betriebsgebiet“ eventuell ausgeweitet werden sollte.

Und was mit Fußgängerzone und Wallanlagen ist, die bislang tabu sind für die Nutzer der Roller - was freilich nicht immer eingehalten wird. Dass sie dort nicht rollen dürfen, hat laut Verwaltung damit zu tun, dass „eine automatische Geschwindigkeitsdrosselung bei Einfahrt in eine Fußgängerzone derzeit aus rechtlichen Gründen nicht möglich ist“.

Daran werde aber gearbeitet. Damm: „Wir könnten später darüber nachdenken.“ Die Nutzung der Altstadt mit den Scootern sei natürlich attraktiv.

Die Stadträte sind allerdings ganz zufrieden damit, dass die elektrisch betriebenen Roller, die im so genannten stationslosen Leihbetrieb angeboten werden, nicht in die Innenstadt dürfen. „Wir öffnen uns und lassen die Fußgängerzone draußen“, schlug etwa Stefan Kretschmar (Freie Wähler) vor.

Die Altstadt sei das „Schönste, was wir haben“. Die Roller seien übrigens oft „sehr ordentlich“ abgestellt worden. „Das hat gut funktioniert“, findet auch Volker Scheurell (AfD). Sollten die E-Scooter für die Altstadt zugelassen werden, müsse allerdings dafür Sorge getragen werden, dass sie nicht auf den Bürgersteigen rollen dürfen. Im Übrigen seien Radfahrer „renitenter und gefährlicher“ als die Nutzer der Elektro-Roller.

Gebühr verlangen?

Dass er Bauchschmerzen habe, die Scooter in der Fußgängerzone zuzulassen, erklärte Heiner Friedrich List (AdB): „Das ist zu gefährlich. In Großstädten ballern die Dinger mit ganz schönem Tempo vorbei.“ Er beantragte zudem, die Kooperationsvereinbarung zu überarbeiten und einen Passus aufzunehmen, der besagt, dass der Betreiber eine Gebühr an die Stadt entrichten müsse: „Andere Gewerbe müssen auch zahlen, wenn sie kommunale Flächen nutzen. Warum sollte die Stadt nicht profitieren?“

Allerdings stieß der Vorschlag nicht auf große Gegenliebe. Reinhild Hugenroth (Grüne): „Beim Stadtteil-Auto machen wir das doch auch nicht.“ Scheurell: „Das wäre Abzocke und würde Kreise ziehen.“ Lists Idee ist mehrheitlich abgelehnt worden, der Stadtrat muss nun darüber entscheiden, ob die E-Scooter weiter in Wittenberg rollen sollen und ob der vorgelegte Kooperationsvertrag gebilligt werden kann. (mz)