Festival

Der Fläming klingt wieder - für Ilse Aichinger

Komponist Dietrich Eichmann setzt seine Reihe in Jeber-Bergfrieden fort.

Von Corinna Nitz 23.07.2021, 20:29
Das Festival ist Ilse Aichiner gewidmet.
Das Festival ist Ilse Aichiner gewidmet. (Foto: imago/SKATA)

Jeber-Bergfrieden - Der Musiker und Komponist Dietrich Eichmann setzt seine Reihe „Neue Musik im Fläming“ fort. Wichtiger Programmpunkt in diesem Jahr ist ein Literatur- und Musik-Festival: Es steht unter dem Motto „Worte, die auf Vokale warten“ und findet vom 13. bis 15. August statt. Gewidmet ist es der österreichischen Schriftstellerin Ilse Aichinger, deren Geburtstag sich am 1. November zum 100. Mal jähren würde und deren Existenz und das Schreiben geprägt waren von der Verfolgung und Ermordung der Angehörigen im Holocaust: „Ihre Poetik des Schweigens ist ihre Konsequenz aus der Ablehnung jeder Form von Konformismus“, heißt es weiter auf Seiten des Veranstalters.

Keine Ausreise

Das Aichinger-Programm beinhaltet unter anderem die Uraufführung der Konzertinstallation „Ende des Ungeschriebenen“. Letztere war mit internationaler Besetzung geplant, wobei Eichmann nun auf Nachfrage in Hinblick auf die Corona-Pandemie mitteilt, dass der japanische Klarinettist Takashi Yamane, der für die Aichingertage zugesagt hatte, Japan - wegen der Olympischen Spiele - nicht verlassen darf.

„Auch die Literaturwissenschaftlerin Sugi Shindo von der Universität Tokio wird nicht persönlich anwesend sein können, aber per Videoschaltung trotzdem mitwirken“, so Eichmann, der betont: „Dass Takashi nicht kommen darf, ist für uns persönlich sehr schade, denn das Trio ,Stinkfinger-Joe the Mass Murderer Meets Leather-Lilly in Hong Kong’s Morning Twilight’ hatte ich 1994 in Brüssel, wo wir seinerzeit viel zusammenarbeiteten, für ihn geschrieben.“ Immerhin sei mit Tomonori Takeda ein Ersatz gefunden worden - auch er ein Japaner, der aber zurzeit in Brüssel lebt und wirkt und den Klarinettenpart in beiden Konzerten während der Aichingertage übernehmen wird.

Es gab nach Auskunft von Eichmann noch weitere Änderungen: So mussten drei für dieses Jahr geplante Konzertblöcke abgesagt beziehungsweise auf nächstes Jahr verschoben werden, ein weiterer war für April geplant, konnte jedoch auf den September verlegt werden. Dieser Block firmiert unter dem Motto „Day & Taxi“ und bietet Konzerte neben Jeber-Bergfrieden auch am Mausoleum im Tierpark Dessau sowie im Simonetti-Haus in Coswig.

Zum Abschluss: Mozart

Um noch einmal auf Corona zu kommen: Die Pandemie wirkte sich noch in anderer Hinsicht auf das Festival aus: Wie Dietrich Eichmann erklärt, ist ihnen der Tontechniker abgesprungen, „weil er jetzt - da alles während des letzten Lockdowns Verschobene nun plötzlich innerhalb weniger Wochen nachgeholt werden soll - völlig ausgebucht ist“. Auch an der Finanzierung müsse „immer wieder herumgebastelt werden, weil Bürokratie zu derartigen Verzögerungen führt, dass wir im Grunde erst nach den Veranstaltungen wissen werden, ob die Kosten wirklich gedeckt sind“.

Andererseits, so Eichmann, haben sich auch neue Programme ergeben: Die Präsentation des zehnteiligen Hörspiel-Podcasts „Rahel“ gehört ebenso dazu wie - als Abschluss der Saison - Michael Wendeberg, der sich nach dem ersten Teil seiner Mozartsonaten am 30. Mai spontan entschlossen habe, den zweiten Teil bereits in diesem Jahr, am 26. September zu spielen. Teil drei folgt 2022. (mz)