Gesundheit in Radis

Das Hobby als Beruf

Die Allgemeinmedizinerin Angela Zimmermann praktiziert seit 30 Jahren in Radis. Warum die Kanzlerin ihr das Jubiläum durcheinander gewirbelt hat.

Radis

„Mein Beruf ist mein Hobby. Ich hatte mir schon als Neunjährige gewünscht, Ärztin zu werden“, sagt Angela Zimmermann. Ihren Wunsch hat sie realisiert. Inzwischen ist die Ärztin aus Radis nicht mehr wegzudenken, kümmert sich Woche um Woche in ihrer Praxis in der Pflaumenallee um all die großen und kleinen gesundheitlichen Probleme ihrer Patienten. In Zeiten einer Pandemie wie dieser tauchen diese öfter als sonst auf.

Die Kanzlerin habe ihr das Jubiläum durcheinander gewirbelt, erzählt Angela Zimmermann. Für die Allgemeinmedizinerin ist der 1. April ein besonderer Tag. Zum einen, weil sie dieses Jahr das 30-jährige Bestehen ihrer ärztlichen Tätigkeit in Radis feiern kann. Zum anderen, weil sie mit Cordula Geyer fachliche Unterstützung bekommt. Die beiden Diplom-Medizinerinnen kennen sich seit längerem durch Treffen beim Qualitätszirkel, einer regelmäßigen Weiterbildung für Hausärzte.

Neubau entstand 1994

Es gibt einige Parallelen zwischen beiden. Angela Zimmermann, Jahrgang 1958, hat nach ihrem Studium in Halle in Dessau gearbeitet. Nach Radis kam bis 1991 zweimal wöchentlich ein Arzt, der in der Gemeindeschwestern-Station Sprechstunden abhielt. Diese Aufgabe hatte die Allgemeinmedizinerin Anfang 1991 übernommen und am 1. April 1991 ihre Praxis in der umgebauten Schwestern-Station übernommen. „In den ersten Jahren habe ich auch in Schleesen und Uthausen eine Zweigstelle geführt“, erklärt sie.

Der Neubau mit eigenen Räumen entstand 1994. Und neben ihrer Praxis hat Angela Zimmermann eine dreijährige Ausbildung in Naturheilkunde absolviert, „selbst finanziert“. Das werde recht gut angenommen, „aber noch mehr die Akupunktur“, sagt sie. Ehemann Uwe ist Heilpraktiker und zwei Tage pro Woche mit vor Ort. Als langjährige Mitarbeiterin ist Ines Backhaus im Praxisteam, und das seit 30 Jahren. Die Schleesenerin hatte Krankenpflege gelernt und war auf Erzieherin umgestiegen. Die Wende habe ihr die Chance geboten, in ihren alten Beruf zurückzukehren. „Das war gut für mich“, findet sie heute.

Cordula Geyer hatte 1991 wie ihre Kollegin Zimmermann eine eigene Praxis aufgebaut, allerdings in Möhlau. Auch sie hat in den Räumen der Gemeindeschwestern-Station begonnen. „Es ist schade, für meine Praxis habe ich keinen Nachfolger gefunden“, bedauert die Allgemeinmedizinerin, dass sie am 31. März die Räume endgültig schließen musste. Doch von jetzt auf gleich komplett aufhören, das fand sie „zu krass. Nur zu Hause sitzen, ist nicht meins.“ Und so arbeitet die 70-Jährige in Radis nun im Angestelltenverhältnis und übernimmt an zwei Tagen die Hälfte der Sprechstunde.

Nachfeier geplant

Statt der größeren Feier am Jubiläumstag, die dem von der Kanzlerin ausgerufenen (und einen Tag darauf wieder gestrichenen) „Ruhetag“ zum Opfer fiel, kamen nicht ganz so viele Gratulanten in der Praxis Zimmermann vorbei. Einer war Sohn Peter. Er studiert Medizin, hat in den nächsten Tagen sein zweites Staatsexamen vor sich. „Ich will danach noch eine fünfjährige Facharztausbildung für Innere Medizin machen“, sagt der 33-Jährige. Danach werde er möglicherweise die Praxis der Mutter übernehmen. Die Arbeit in einer Hausarztpraxis, wo man alle Altersgruppen betreue und familiäre Zusammenhänge kenne, sei sein Traum.

Das Praxisjubiläum soll auf jeden Fall mit den Patienten nachgefeiert werden. Dafür gibt es Ende April mehrere Vorträge. Die Idee ihrer Kollegin Cordula Geyer, dass man die letzten Arbeitsjahre im Angestelltenverhältnis kürzer treten könne, findet Angela Zimmermann gar nicht schlecht. „Das würde mir auch gefallen, jemanden zu finden, bei dem ich beruflich austrudeln kann“, meint sie lächelnd. (mz/Karina Blüthgen)