Bauprojekte

Bauprojekte : Freie Bahn für Netto und Depot

Wittenberg - Die Handelskette „Netto Marken-Discount“ soll drei bereits bestehende Märkte in Wittenberg vergrößern dürfen. Dafür hat sich am Mittwoch der Stadtrat ausgesprochen.

Von Irina Steinmann 02.02.2018, 09:00

Die Handelskette „Netto Marken-Discount“ soll drei bereits bestehende Märkte in Wittenberg vergrößern dürfen. Dafür hat sich am Mittwoch der Stadtrat ausgesprochen.

Die Entscheidungen über die Aufstellung der drei dazu notwendigen „vorhabenbezogenen Bebauungspläne“ fielen jeweils mit überwältigender Mehrheit. Voraus ging allerdings eine ausführliche Debatte, die sich insbesondere dem Standort Straße der Befreiung/Ecke Schillerstraße widmete.

Licht und Lärm

Dort will der Markendiscounter wie berichtet seine alte Halle verlassen und nebenan, auf dem Grundstück eines leerstehenden anderen Marktes, der dann abgerissen wird, neu bauen. Das alte Netto-Domizil wiederum soll künftig „Nonfood“ - also keine Lebensmittel, aber möglicherweise eine Drogerie - beherbergen.

Stadträtin Angelika Canje (Fraktion „Die Linke“) verwies darauf, dass es bereits in der Vergangenheit Konflikte zwischen Handel und Wohnen gegeben habe, insbesondere wegen Licht und (Anliefer-)Lärm in der Nacht. Ihr Antrag, Anwohner und Vermieter explizit - also über die ohnehin vorgesehene Bürgerbeteiligung hinaus - in das Verfahren einzubeziehen, fand am Ende auch eine Mehrheit im Stadtrat.

Bürgermeister Jochen Kirchner versprach auch, dass sich die Stadt für den Erhalt der von Canje angeführten Baumreihe zwischen den beiden Hallen aussprechen werde und - auf eine Anfrage des Fraktionslosen Manfred Schildhauer, der angab, nicht Gewolltes oder gar „Leerstand“ in der Nonfood-Halle zu befürchten - dass man sich die Nutzungsart „vertraglich sichern“ lassen werde.

Es gab auch grundsätzliche Bedenken, die insbesondere am Standort Nummer zwei, dem Netto an der Dresdener/Ecke Triftstraße, abgehandelt wurden. „Was ist verträglich?“, fragte Linke-Fraktionschef Horst Dübner. Er verwies auf die Existenz mehrerer Märkte „in der Nähe“ und schloss, ganz Autofahrer, dabei Mühlanger mit ein.

Durch die Erweiterungen der drei Netto-Märkte entstünde in der Stadt ein Mehr an Handelsfläche von rund 2 000 Quadratmetern. „Leerstand schaffen ohne Waffen(?)“, kalauerte er. Ähnlich äußerte sich erneut Schildhauer.

Rundweg auf Wohlwollen stieß demgegenüber der rundum zu erneuernde „Netto“ im Ortsteil Reinsdorf, der nach übereinstimmenden Auffassungen ein Versorger ist weit über diesen Ort hinaus. Ortsbürgermeister Reinhard Rauschning (SPD) wollte denn auch einmal mehr „eine Lanze brechen“ für das Vorhaben.

Die Einkaufsstätte komme insbesondere den Älteren zugute - wenn die einmal nicht mehr Auto fahren können oder wollen.

Grundsatzbeschluss gefasst

Ebenfalls auf den Weg gebracht hat der Stadtrat erwartungsgemäß und fast einstimmig die Sanierung des so genannten K-Gebäudes (als Depot) für die Städtischen Sammlungen und, damit einhergehend, später dann auch eine „Neuordnung“ des Polizeigeländes mit dem Ziel eines direkten Zugangs zwischen Neuem Rathaus/Exerzierhalle und dem Stadthaus bzw. Arsenalplatz.

Kirchner hatte zuvor darum geworben, diesen „Grundsatzbeschluss“ für die Fördermittelgeber (und jene in spe) zu fassen. Das insgesamt gut 16 Millionen Euro schwere Projekt - davon 4,25 für das K-Gebäude - würde die „letzte große Brache“ im Zentrum beseitigen.

Allein Schildhauer wetterte gegen das Vorhaben, es habe „weder Charme noch Notwendigkeit“, fand er und zieh die Verwaltung mehrfach einer „kognitiven Störung“, was ihm einen Ordnungsruf einbrachte.

Stefan Kretschmar (Freie Wähler) brachte erneut ein Schaudepot ins Spiel. So etwas wäre auch ohne Personaleinsatz möglich, sagte er. Ob es ein solches vielleicht doch geben kann, wird sich mit der Planung zeigen. (mz)