„Es ging damals die ganze Nacht durch“

Wofür das Weißenfelser DRK-Team eine Auszeichnung erhalten hat

Das Kreisauskunftsbüro des Weißenfelser Roten Kreuzes sorgt in Ausnahmesituationen für den Durchblick. Wie sie das unter höchstem Druck schaffen.

• 14.4.2021, 07:54 • Aktualisiert: 08:06

Weißenfels - An jenen Tag unmittelbar vor Weihnachten kann sich Kerstin Jirsak noch genau erinnern. Bei starkem Nebel und feuchter Fahrbahn ereignet sich am Nachmittag des 23. Dezember 2010 an der Abfahrt Weißenfels der Autobahn 9 eine Massenkarambolage mit mehr als 50 Fahrzeugen. Ein Mensch stirbt.

Gute Zusammenarbeit aller Kräfte des Katastrophenschutzes in Ausnahmesituationen

Mitten im Chaos dieser Stunden leistet damals Kerstin Jirsak mit ihrem Team in orangener Einsatzkleidung eine unentbehrliche Arbeit: im Kreisauskunftsbüro des Kreisverbandes Weißenfels des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Sie registrieren die Verletzten, die von der Autobahn ins Krankenhaus gebracht werden, organisieren die Abholung von Angehörigen und Zugfahrten nach Hause, schaffen Verpflegung heran für jene, die am Unfallort ausharren müssen.

„Das war einer unserer härtesten Einsätze. Es ging damals die ganze Nacht durch“, erinnert sich Kerstin Jirsak und weiß in solchen Ausnahmesituationen die gute Zusammenarbeit aller Kräfte des Katastrophenschutzes im Burgenlandkreis zu schätzen. Seit mehr als 25 Jahren gibt es das Kreisauskunftsbüro des Weißenfelser DRK.

DRK-Auskunftsbüro behalten Übersicht in Situationen größter Anspannung

Fast von Anfang an steht Kerstin Jirsak, heute als Assistentin der Geschäftsführung beim DRK-Kreisverband beschäftigt, an der Spitze. Der größte Teil der aktuell 14 Mitglieder arbeitet ehrenamtlich in einem Team, das bei großen Unfällen, Giftalarm, Evakuierungen oder ähnlichen Ereignissen zum Einsatz kommt.

Dann behalten sie in Situationen größter Anspannung die Übersicht, registrieren Helfer und Verletzte und können so Auskunft über deren Verbleib geben. Vor wenigen Tagen wurde das Team in Weißenfels mit einer Plakette des DRK-Landesverbandes Sachsen-Anhalt für besondere Leistungen ausgezeichnet.

Manchmal sind die Einsatzkräfte des DRK auch für scheinbare Nebensächlichkeiten zuständig

Im Laufe der Jahre ist eine ganze Reihe der unterschiedlichsten Einsätze zusammengekommen. Gut kann sich Kerstin Jirsak noch an die Tage des Hochwassers im Juni 2013 erinnern. Da waren sie in der Turnhalle einer Schule in Zeitz im Einsatz, haben unter anderem all jene registriert, die dort übernachten mussten.

Manchmal sind die Einsatzkräfte dann auch für die scheinbaren Nebensächlichkeiten des Lebens zuständig. Wenn etwa ein junges Mädchen mit ihrem Haustier evakuiert wird. „Da haben wir auch mal Katzenfutter organisiert“, erzählt die Chefin des Kreisauskunftsbüros.

Auskunftsteam übt regelmäßig für den Ernstfall

Manchmal wird das Team eher vorsorglich gerufen. Als zum Beispiel Anfang November 2015 Greenpeace-Aktivisten mit einem Ballon den Schornstein des Kraftwerkes in Deuben blockieren wollten und die Gefahr einer Verpuffung bestand. Und schließlich geht es auch bei freudigen Anlässen mit großen Menschenansammlungen nicht ohne die ehrenamtlichen Helfer vom DRK.

So im August 2010 beim Sachsen-Anhalt-Tag in Weißenfels. „Wir haben dort alle Einsatzkräfte registriert und den Kindersuchdienst organisiert. Drei Anfragen gab es damals“, berichtet Kerstin Jirsak. Um für alle Ernstfälle vorbereitet zu sein, übt das Auskunftsteam, das sich wegen Corona nun schon länger nicht mehr getroffen hat, regelmäßig. So zum Beispiel am Finnetunnel an der neuen ICE-Strecke. (mz/Andreas Richter)