Zurück zur Natur

Weißenfelser sorgt sich um die biologische Vielfalt

Der Weißenfelser Kevin Wiegand sorgt sich um die biologische Vielfalt. Jetzt hat er sich auf Gärten spezialisiert, die einheimischen Wildpflanzen viel Raum geben.

Von Andreas Richter
Diese Wiese auf dem Grundstück der Gärtnerei Wiegand im Weißenfelser Lassalleweg hat Kevin  Wiegand naturnah gestaltet.
Diese Wiese auf dem Grundstück der Gärtnerei Wiegand im Weißenfelser Lassalleweg hat Kevin Wiegand naturnah gestaltet. (Foto: Andreas Richter)

Weissenfels/MZ - Es schwirrt und summt auf der kleinen naturnah gestalteten Wiese auf dem Grundstück der Gärtnerei Wiegand am Weißenfelser Lassalleweg. Wildblumen blühen in den verschiedensten Farben. Kevin Wiegand ist in seinem Element. „Wir wissen zu wenig von dem, was uns umgibt“, sagt der Gärtner.

Und weil das so ist, hat sich der 29-Jährige dem Thema Naturgärten verschrieben. „Ich habe schon immer gern naturnah gegärtnert“, erzählt der junge Mann, der seine Ausbildung in der Gärtnerei seiner Mutter gemacht hat. Seit 2018 ist er Mitglied im deutschlandweit aktiven Verein für naturnahe Garten- und Landschaftsgestaltung. Seit Herbst 2019 beschäftigt er sich in einer speziellen Weiterbildung mit mehreren Seminar-Wochenenden mit dem Thema Naturgärten. Jetzt liegt er damit in den letzten Zügen, Ende August muss seine Abschlussarbeit fertig sein.

„Es gibt immer weniger Schmetterlinge“

In Süddeutschland sei man in Sachen Naturgärten schon deutlich weiter, sagt Kevin Wiegand und bedauert, dass Wildpflanzen mittlerweile in der freien Landschaft schon fast zu einer Rarität geworden sind. Mit negativen Folgen für die Insekten. „Es gibt zum Beispiel immer weniger Schmetterlinge. Daran sieht man, dass hier etwas falsch läuft“, meint Wiegand. Gerade die Vielfalt der heimischen Pflanzen sei eine wichtige Nahrungsgrundlage für viele Insekten.

Um eben diese biologische Vielfalt zu erhalten, bietet Wiegand fachliche Begleitung beim Anlegen eines Naturgartens an. Wichtiger Bestandteil des Naturgartens sei dabei die nährstoffarme und insektenfreundliche Magerwiese, so Wiegand. Heute sei die Trockenwiese fast vom Aussterben bedroht. Dabei trage sie doch wesentlich dazu bei, seltene Pflanzenarten vor dem Aussterben zu bewahren. Deshalb gehört das Anlegen einer Magerwiese jetzt zum Leistungsangebot seiner Firma. Wenn Kevin Wiegand etwa in einem privaten Garten eine solche Mager- oder Trockenwiese anlegt, dann setzt er auf ein spezielles Wildpflanzensaatgut.

„Das ist keine Mischung aus dem Baumarkt“

„Das ist keine Mischung aus dem Baumarkt, es sind ausschließlich heimische Pflanzen“, versichert Wiegand. Auf einem speziell dafür hergerichteten Boden mit Schotter und einer unkrautfreien dünnen Kompostschicht wird die bunte Mischung aufgebracht. Typische Pflanzen einer Magerwiese seien zum Beispiel die Kartäusernelke, die Rundblättrige Glockenblume oder das Zittergras. Zwischen 50 und 60 Arten könne eine solche Wildpflanzenmischung enthalten, so der Gärtner. Zwischen März und Mitte September könne man dann eine große Anzahl an Blumen und Kräutern nacheinander blühen sehen.

Und der begeisterte Naturgärtner hat weitere Argumente für eine Magerwiese parat: Sie sei pflegearm, klimafest und könne auch längere Trockenperioden im Sommer locker verkraften. „Die Wiese entwickelt sich, sieht jedes Jahr anders aus und wird immer besser. Sie kann bis zu 100 Jahre alt werden“, verrät er. Optimaler Zeitpunkt zum Anlegen eines solchen artenreichen Stücks Natur sei der September.

Doch der Naturgärtner legt nicht nur Magerwiesen an. Er baut Trockenmauern, verbaut Totholz und legt Naturteiche an. Und er will mit seiner Begeisterung für Naturgärten anstecken. Will nicht nur Privatleute, sondern auch die öffentliche Hand für naturnah und artenreich gestaltete Flächen sensibilisieren. Möglichkeiten gebe es viele, sagt er. Und denkt an Schulhöfe, Spielplätze oder Flächen in Kindergärten.

Nähere Informationen im Netz unter www.naturgarten-wiegand.de