Schwere Corona-Verläufe bei Jüngeren

Weißenfelser Chefärztin: „Das Personal ist absolut am Limit, wir sind erschöpft“

Was Mediziner über ihren Alltag in der Pandemie berichten.

Von Andreas Richter
Aussenansicht der Asklepios-Klinik in Weißenfels Foto: Lisker

Weißenfels - In die Praxis des niedergelassenen Pneumologen Dr. Thomas Köhnlein kommen in diesen Wochen viele Patienten, die eine akute Covid-19-Erkrankung bereits überstanden haben. „Wir haben gerade viele Post-Covid-Patienten, die über Wochen mit Einschränkungen ihrer Leistungsfähigkeit, Schlafstörungen und Problemen im Alltag zu kämpfen haben, darunter zahlreiche junge Frauen im Alter zwischen 20 und 40 Jahren“, berichtete der Facharzt während einer Gesprächsrunde, zu der die Weißenfelser Asklepios-Kinik eingeladen hat. Köhnlein arbeitet in einer Praxis am Teucherner Markt, in der vorher Dr. Volker Schlegel praktiziert hat.

Verstärkt jüngere Menschen in der dritten Welle an Covid erkrankt - Verläufe sind schwerer

Während der Runde bestätigte Dr. Toralf Herling, Chefarzt der Klinik für Pneumologie, dass in der aktuell dritten Corona-Welle verstärkt jüngere Patienten mit einer Covid-19-Erkrankung behandelt werden müssen. „Die Verläufe sind schwerer, viele Patienten müssen an das Sauerstoffgerät“, berichtete Herling aus der täglichen Praxis der Mediziner an der Weißenfelser Klinik.

Nach der Erfahrung von Dr. Petra Wegermann, Ärztliche Direktorin und Chefärztin der Intensivmedizin, kommen Patienten zum Teil mit ihrer Erkrankung zu spät in die Klinik. Es sei erschreckend, in welch schlechtem Zustand Patienten mittlerweile zumeist unter 60 Jahren zum Teil von zu Hause ins Krankenhaus kommen.

Es gab einige Fälle, da waren die Patienten trotz maximaler Intensivmedizin nach 48 Stunden tot.

Dr. Petra Wegermann, Ärztliche Direktorin und Chefärztin der Intensivmedizin.

„Das Personal in der Intensivmedizin ist absolut am Limit.“

„Ich bin sehr stolz auf unser Team. Die letzten Monate waren sehr hart“, sagte Dr. Herling zur Arbeit des medizinischen Personals, das in den vergangenen fast eineinhalb Jahren auch wichtige Erfahrungen im Umgang mit der Pandemie habe sammeln können. Allein fünf bis sieben Stunden unter Schutzkleidung zu arbeiten, sei eine Herausforderung, so der Pneumologe.

Dr. Wegermann bestätigte: „Das Personal in der Intensivmedizin ist absolut am Limit.“ Nach Ansicht der Chefärztin hat die Bekämpfung der Pandemie gegenwärtig eine entscheidende Phase erreicht. Sie verglich die Monate seit November mit einem Marathon, der sich langsam der Zielgeraden nähere. „Wir sind alle erschöpft“, sagte sie und appellierte zugleich an die Bevölkerung, nicht das Durchhaltevermögen zu verlieren.

Als entscheidenden Schritt bei der Bekämpfung der Pandemie sehen die Mediziner die Impfkampagne. Die Impfung gibt nach der Erfahrung von Dr. Köhnlein eine mindestens 95-prozentige Sicherheit. Dass die Immunisierung wirkt, zeige allein die Tatsache, dass derzeit deutlich weniger ältere Menschen erkranken.

„Wir können ein bestimmtes Risiko bei den Impfungen nicht leugnen, doch der gesundheitliche Schaden, den wir mit der Spritze verhindern können, wiegt weit schwerer“, so die Ansicht des Facharztes, der zudem einen Vergleich bemühte: „Wir fahren täglich Auto, obwohl wir wissen, dass dabei auch Unfälle passieren.“ Dr. Herling bestätigte: „Die Impfung ist ein wichtiger Schritt hin zur Normalität.“ (mz)