Mit dem Hammer durch die Wand

Weißenfels: Warum die Feuerwehr das Technische Rathaus zerlegt

Weißenfels - Mit voller Kraft schlägt Feuerwehrmann Niko Schmidt den Vorschlaghammer gegen die Wand. „Immer auf die lockeren Steine zielen und nicht auf intakte Flächen“, ruft Steve Homberg, stellvertretender Ortswehrleiter in Weißenfels, über den Lärm hinweg. Schlag um Schlag brechen die Backsteine schließlich aus der ...

Von Jan Iven 28.07.2017, 08:12

Mit voller Kraft schlägt Feuerwehrmann Niko Schmidt den Vorschlaghammer gegen die Wand. „Immer auf die lockeren Steine zielen und nicht auf intakte Flächen“, ruft Steve Homberg, stellvertretender Ortswehrleiter in Weißenfels, über den Lärm hinweg. Schlag um Schlag brechen die Backsteine schließlich aus der Wand.

Bei ihrer jüngsten Übung im ehemaligen Technischen Rathaus an der Leopold-Kell-Straße rücken die Einsatzkräfte einer tragenden Wand des Gebäudes zu Leibe. Das Ziel: Ein 60 mal 60 Zentimeter großes Loch in die Mauer zu bohren und zu hämmern, um einen vermeintlich Verletzten bergen zu können. Denn auch im realen Einsatz kann es vorkommen, dass die Feuerwehrleute regelrecht durch Wände gehen müssen.

Feuerwehr durchbricht Wände im Technischen Rathaus in Weißenfels

„Vor einem halben Jahr mussten wir uns bei einem Großbrand am Mühlberg unseren Zugang durch zwei Mauern schlagen, um zum Brandherd zu gelangen“, erzählt Steve Homberg. Denn das Treppenhaus des leerstehenden Gebäudes an der Kubastraße war einsturzgefährdet und daher zu unsicher. „Das war eine ziemliche körperliche Belastung“, sagt der Weißenfelser Feuerwehrmann.

Und so sind die Einsatzkräfte froh, dass sie das Durchbrechen von Wänden in dem leerstehenden Gebäude neben ihrer neuen Feuerwache üben können. Dabei sollte das ehemalige Technische Rathaus eigentlich schon längst abgerissen sein. Denn ursprünglich war vorgesehen, dort bis zur offiziellen Einweihung der neuen Wache Ende September einen großen Parkplatz für die Feuerwehrleute herzurichten.

Abriss des Technischen Rathauses verzögert sich

Doch daraus wird vorerst nichts, die Arbeiten wurden bis auf weiteres verschoben. Bei Untersuchungen hatte sich herausgestellt, dass das Gelände mit Teeröl, Ascherückständen und Benzinen belastet ist. Die Schadstoffe stammen offenbar von einem alten Gaswerk, das sich früher auf dem Gelände befand. Um die Altlasten zu entsorgen, hat die Stadt Weißenfels bereits vor Monaten Fördergelder beantragt. Bis zu 200.000 Euro könnte das Land zuschießen. Doch eine Antwort aus Magdeburg steht noch aus. „Wir hoffen, dass die Abrissarbeiten noch in diesem Jahr beginnen können“, teilte Stadtsprecherin Katharina Vokoun auf Nachfrage der MZ mit.

Was die Feuerwehr Weißenfels in dem Alten Rathaus noch üben will

Bis dahin planen die Feuerwehrleute weitere Übungen in dem leeren Gebäude, in dem während des Neubaus der Wache fast zwei Jahre lang ihre Umkleiden untergebracht waren. Allerdings wollen sie damit nicht den Abriss des Hauses übernehmen, sondern machen vielmehr aus der Not eine Tugend.

„Wir werden den Ausbau von Türen und von Fachwerk trainieren“, sagt Homberg. Auch das Abstützen von Decken könnten die Einsatzkräfte in den alten Gebäude noch üben. Nur eins wollen die Helfer ganz bestimmt nicht machen: „Wir werden das Haus für unsere Übungen natürlich nicht anzünden“, versichert Steve Homberg.

››Freiwillige Feuerwehr Weißenfels. Tag der offenen Tür und Vorstellung der neuen Feuerwache. 24. September, 10 bis 16 Uhr. Leopold-Kell-Straße 14. (mz)