Umstrittener Bau an der A9

Umstrittener Bau an der A9 : Dem Lärm an den Kragen

Weißenfels - Die Planung für eine Schutzwand an der Autobahn bei Borau hat begonnen. Derweil wird in Weißenfels über den Sinn eines Aktionsplans diskutiert.

Von Andreas Richter 17.07.2017, 07:13

Das Land Sachsen-Anhalt hat ein Planungsbüro aus Halle damit beauftragt, den Bau einer Lärmschutzwand an der Autobahn 9 bei Borau und Zorbau vorzubereiten. Darüber hat der Weißenfelser Oberbürgermeister Robby Risch (parteilos) informiert. Mit dem Bau der Lärmschutzwand würde eine seit vielen Jahren aktuelle Forderung der Bewohner der beiden Autobahn nahen Orte erfüllt.

Der Bund hatte Anfang dieses Jahres Geld für Lärmschutzmaßnahmen an der A9 in Aussicht gestellt. Zugleich war jedoch auf begrenzte Kapazitäten für die Planung durch das zuständige Land verwiesen worden. Nunmehr ist die Planung an ein Büro übertragen worden. Die Planer gehen von Gesamtkosten für eine drei Kilometer lange, fünf bis sieben Meter hohe Lärmschutzwand entlang der Fahrbahn in Richtung München von etwa 4,4 Millionen Euro aus. Die Zeit für die Planung schätzte OB Risch auf zwölf bis 18 Monate.

Planung und Bau einer Lärmschutzwand

Planung und Bau einer Lärmschutzwand an der Autobahn seien das Ergebnis der ersten Stufe einer sogenannten Lärmkartierung in den Kommunen, so Risch. Derweil hat die zweite Stufe dieses langwierigen, teils bürokratischen Prozesses in der Stadt Weißenfels für Diskussionsstoff gesorgt. Musste die Kommune doch Hausaufgaben nachholen und darüber entscheiden, ob aktuell ein sogenannter Lärmaktionsplan aufgestellt werden soll oder nicht.

Im Auftrag der Stadt hatte die Gesellschaft für Akustik und Fahrzeugmesswesen mbH (GAF) aus Zwickau ein Gutachten zur Lärmbelastung auf Bundesstraßen erstellt. Das Ergebnis: Auf der Bundesstraße 87 gibt es im Bereich der Naumburger Straße Überschreitungen von Lärm-Grenzwerten, so dass hier eigentlich ein Aktionsplan zur Minderung der Lärmbelastung aufgestellt werden müsste.

Lärmbelastung an der B87

Der Stadtrat entschied sich jedoch mit deutlicher Mehrheit dagegen. Und das hauptsächlich aus zwei Gründen. Zum einen ist der Bau einer südlichen Ortsumfahrung in Weißenfels im Bundesverkehrswegeplan bis 2030 im „vordringlichen Bedarf“ eingeordnet. Mit der Umgehung würde sich die Lärmbelastung an der B87 deutlich verringern. Zum anderen basiert das aktuelle GAF-Gutachten auf wenig aussagekräftigen Verkehrsdaten aus dem Jahr 2010.

Dennoch kritisierte Gunter Walther (Fraktion Bündnis für Gerechtigkeit/Grüne) die Entscheidung im Rat scharf: „Wir entlasten damit die Bundesbehörden von ihrer Pflicht, Lärmschutzmaßnahmen zu ergreifen.“ Unzufrieden mit dem Votum der Ratsmehrheit war auch Boraus Ortsbürgermeister Sigmar König. Es sei immerhin ein Lichtblick, dass nach 15 Jahren nun endlich die Planung für die Lärmschutzwand an der Autobahn beginnt, sagte er. Doch die Borauer seien auch besonderer Lärmbelastung durch die Bundesstraße 91 ausgesetzt.

„Es gibt keine besondere Betroffenheit in Borau.“

Die Wahrnehmungen sind hier allerdings offenbar verschieden. Oberbürgermeister Risch, der in Borau wohnt, meinte jedenfalls gegenüber der MZ: „Es gibt keine besondere Betroffenheit in Borau.“ Weil viele im Ort das anders sehen, hat der Ortsbürgermeister jetzt sogar für den kommenden Mittwoch zu einer Sondersitzung des Ortschaftsrates eingeladen. „Wir wollen uns später nicht vorwerfen lassen, dass wir nichts unternommen haben“, meinte König.

Für die meisten Stadträte war die jüngste Entscheidung zur Lärmkartierung allerdings eher eine notwendige Pflichtübung. Doch nun kann es bald konkreter werden. Wie Stadtplanerin Diana Wagner informierte, sollen aktuelle Verkehrszahlen im September dieses Jahres vorliegen. Anhand dieser muss die Stadt dann erneut prüfen, ob und wo Maßnahmen zur Lärmminderung vorgenommen werden sollen.

„In der dritten Stufe werden auch die Orte näher betrachtet“, kündigte OB Risch schon mal an. Und er trat Befürchtungen entgegen, dass die dritte Stufe, die schließlich konkrete Lärmschutzmaßnahmen für die Bürger zur Folge haben könnte, auch wieder sieben Jahre dauert. In einem Jahr sollen konkrete Ergebnisse vorliegen. (mz)

Ortschaftsrat Borau: Mittwoch, 19. Juli, 19 Uhr, Hinter den Gärten 3