Teures Bauen in Weißenfels

Teures Bauen in Weißenfels: Schulsanierungen gehen richtig ins Geld

Weißenfels - Wenn Weißenfels seine Bildungsstätten saniert, dann geht das richtig ins Geld. Warum auch ein Vorhaben in West deutlich mehr kosten wird als anfangs geplant.

Von Andreas Richter 31.03.2018, 06:00

Wenn Weißenfels seine Grundschulen saniert, dann wird es am Ende richtig teuer. Jüngstes Beispiel ist die Albert-Einstein-Schule: Die geplante energetische und allgemeine Sanierung der Bildungsstätte im Kirschweg soll nach aktuellen Planungen rund vier Millionen Euro kosten. Am Anfang standen rund 1,65 Millionen.

Für die enorme Kostensteigerung sieht die Stadt drei wesentliche Gründe. Da ist zum einen die Kostensteigerung in der Baubranche. „Wir müssen mit Preisanstiegen pro Jahr zwischen drei und sieben Prozent rechnen. Das betrifft alle Gewerke“, sagte Carmen Rex, Abteilungsleiterin Hochbau bei der Stadt. Die Voranmeldung für das Bauvorhaben Einstein-Schule sei bereits im Jahr 2014 erfolgt. Allein aufgrund der gestiegenen Baupreise sei die erste Kostenkalkulation also nicht zu halten gewesen.

Teure Schulsanierungen in Weißenfels: Schärfere Auflagen der Energieeinsparverordnung

Als weiteren Grund nennt Rex die schärferen Auflagen der Energieeinsparverordnung. So müsse zum Beispiel eine qualitativ hochwertigere Dämmung eingebaut werden, ebenso würden höhere Ansprüche an die Qualität der technischen Anlagen gestellt. „Mehr Qualität bedeutet mehr Kosten“, so Carmen Rex.

Und schließlich der dritte Grund: Die Stadt hat sich im Laufe der Planungen dazu entschlossen, mit Geld aus dem eigenen Haushalt auch die komplette Außenfläche zu sanieren und das alte Heizhaus auf dem Gelände abzureißen. Über das Investitionsprogramm Stark III könnten nur die Kosten für die eigentliche Gebäudesanierung gefördert werden.

„Da wäre wohl ein Neubau fast günstiger gewesen.“

Ungeachtet der Kostenspirale haben der Ausschuss für Stadtentwicklung sowie der Sozialausschuss nach einer Vor-Ort-Begehung zugestimmt, dass die Stadt bis zum 28. April einen Antrag auf Förderung aus dem Stark III-Programm einreicht. Aus seinen Bauchschmerzen machte allerdings Clemens Wanzke (Fraktion Bürger für Weißenfels/Landgemeinden) im Ausschuss für Stadtentwicklung kein Hehl: „Da wäre wohl ein Neubau fast günstiger gewesen.“

Aufgrund der aktuellen Kriterien kann die Stadt mit einer maximalen Förderhöhe von rund 1,5 Millionen Euro zu rechnen. Somit müsste die Kommune also zwischen 2019 und 2021 rund 2,5 Millionen Euro Eigenmittel für die Einstein-Schule aufbringen.

Die Albert-Einstein-Schule wurde in den Jahren 1986/87 gebaut. In den Jahren 2009/2010 hatte bereits eine teilweise energetische Sanierung stattgefunden. So wurden unter anderem die Fassade gedämmt und Fenster erneuert. Nicht saniert wurde jedoch das Kellergeschoss. „Bei starkem Regen läuft immer wieder Wasser in die im Keller gelegenen Klassen- und Speiseräume“, erklärte Rex. Allein 2017 sei das drei Mal der Fall gewesen.

Albert-Einstein-Schule ist eine von drei Grundschulen in der Weißenfelser Kernstadt

Die Albert-Einstein-Schule ist eine von drei Grundschulen in der Weißenfelser Kernstadt. Im vergangenen Jahr hatte die Kommune ebenfalls über das Stark III-Programm einen Förderantrag für die Sanierung der Herder-Grundschule in der Neustadt gestellt. Auch dort dürften auf die Stadt hohe Kosten zukommen. Die Rede ist von rund sechs Millionen Euro, mehr als die Hälfte davon könnte bei der Stadt hängen bleiben. Knapp ein Jahr nach Einreichung des Förderantrags ist allerdings bis heute noch nicht darüber entschieden worden.

Die dritte Grundschule in der Weißenfelser Kernstadt, die Bergschule, ist bereits saniert worden. Dort gab es ein ähnliches Szenario wie jetzt in der Albert-Einstein-Schule. Die Kosten für die energetische Sanierung des mehr als hundert Jahre alten Backsteingebäudes schnellten im Laufe der Zeit immer mehr in die Höhe und landeten am Ende bei rund 6,4 Millionen Euro, 4,1 Millionen davon waren Fördermittel.

In der gesamten Stadt Weißenfels einschließlich der Ortsteile gibt es acht Grundschulen. Dort lernen in diesem Schuljahr rund 1.250 Mädchen und Jungen. (mz)