Eine musikalische Zeitreise

So sind die Schütz-Tage in Weißenfels gelaufen

Innerhalb von zwei Stunden bekommen Teilnehmer im Rahmen der Schütz-Tage in Weißenfels Wissenswertes und Unterhaltsames geboten.

Von Martin Walter 11.10.2021, 14:00
Vor dem Heinrich-Schütz-Haus musizierten und tanzten die Mitglieder der Weißenfelser Hofkapelle.
Vor dem Heinrich-Schütz-Haus musizierten und tanzten die Mitglieder der Weißenfelser Hofkapelle. Fotos (5): Martin Walter

Weissenfels/MZ - Die reichhaltige Musik- und Literaturgeschichte von Weißenfels in zwei Stunden packen? Das scheint schlicht unmöglich, doch ist Maik Richter dieses Kunststück mit einem straffen Zeitplan und dank zahlreicher Unterstützer wieder einmal gelungen. Das Heinrich-Schütz-Haus, das er leitet, veranstaltete im Rahmen der Schütz-Festtage am Samstagvormittag das nunmehr 19. Wandelkonzert in der Weißenfelser Innenstadt.

Während der Schütz-Tage in Weißenfels wurde Wissenswertes und Unterhaltsames geboten

Dazu hatte sich geballte historische Prominenz gefunden. Natürlich ließ es sich der berühmte Komponist, verkörpert durch Veit Richter, nicht nehmen, den Rundgang selbst zu leiten. Maik Richter stand ihm dabei als Johann Theile, einem weiteren Komponisten und Kapellmeister der Region zur Seite. Ebenso wie die Malerin und Schriftstellerin Theres aus dem Winckel und der Goldschmied Heinrich Brembach, die von den beiden Weißenfelser Gästeführern Ute Koch und Uwe Zeigermann verkörpert wurden.

Mit rund 40 Teilnehmern ging es zu einem informativen und musikalischen Rundgang durch die Innenstadt. Nach der Begrüßung vor dem Rathaus führte der Weg zum ehemaligen Wohnhaus der Großeltern von Marie Louise von François am Markt und von dort zum eigenen Wohnhaus der Schriftstellerin in der Promenade. Dort sangen und musizierten Doreen Busch und Andreas Morys.

In der Großen Kalandstraße wurden die Teilnehmer vom evangelischen Posaunenchor begrüßt, unter anderem mit dem Schützlied „Wohl denen, die da wandeln“. Nach einem Zwischenstopp am Adolf-Müllner-Haus ging es weiter zum Novalis-Haus. Dort sang Marie Louise von François alias Barabara Döring vor der Rotunde „Es lohnt sich, hier zu sein“. Dem konnten wohl alle Teilnehmer zustimmen.

„Weißenfels hat nicht nur Industriekultur, sondern auch Musik und Literatur zu bieten“

Ebenso lohnte sich die weitere Station am Heinrich-Schütz-Haus. Dort spielte die Weißenfelser Hofkapelle nicht nur einige Lieder, sondern führte auch britische Tänze des 17. Jahrhunderts auf. Eine vorbeifahrende „moderne Kutsche“, die dem aus dem 17. Jahrhundert stammenden Heinrich Schütz sichtlich erstaunte, tat dem kein Abbruch. Den Abschluss fand das Wandelkonzert mit Orgelmusik in der St. Marienkirche.

„Weißenfels hat nicht nur Industriekultur, sondern auch Musik und Literatur zu bieten“, resümierte Maik Richter. Er finde es „wichtig, die Künstler in Erinnerung zu rufen“. Das ist den Organisatoren gelungen, wie die Teilnehmer des Wandelkonzerts bestätigten.

Zahlreiche Interessierte nahmen am Wandelkonzert teil.
Zahlreiche Interessierte nahmen am Wandelkonzert teil.
Martin Walter

Mehrfacher Besuch des Wandelkonzertes: „Und trotzdem lerne ich immer etwas Neues dazu“

Ulrike Krämer aus dem nordrhein-westfälischen Detmold etwa befindet sich gerade auf einer Reise den Saaleradweg entlang. Als sie vom Wandelkonzert erfahren hat, hat sie beschlossen, daran teilzunehmen - und war begeistert. „Es ist toll, mit wie viel Liebe das auf die Beine gestellt wurde“, sagte die kulturinteressierte Touristin, die die meisten der thematisierten Künstler kannte.

Erika Noack ist quasi Dauergast, wisse gar nicht, wie oft sie schon am Wandelkonzert teilgenommen hat. „Und trotzdem lerne ich immer etwas Neues dazu“, sagte sie und kündigte zugleich an, im nächsten Jahr „ganz sicher wieder dabei“ zu sein. Dann wird es nicht nur das 20. Wandelkonzert geben; zugleich jährt sich der Todestag von Heinrich Schütz 2022 zum 350. Mal.