Gefragte Praxis

So erfolgreich arbeitet das Zentrum für Wirtschaft, Technik und Hauswirtschaft in Weißenfels

Zentrum für Wirtschaft, Technik und Hauswirtschaft in Weißenfels feiert 30. Jubiläum. Wie erfolgreich das Konzept ist und welche Herausforderungen es gibt.

Von Meike Ruppe-Schmidt
Die Mitarbeiter des Zentrums für WTH Heidi Traue (l.)  und  Daniel Albin (r.)  führen Franziska Labitzke durch den renovierten Technikraum.
Die Mitarbeiter des Zentrums für WTH Heidi Traue (l.) und Daniel Albin (r.) führen Franziska Labitzke durch den renovierten Technikraum. (Foto: Meike Ruppe-Schmidt)

Weissenfels/MZ - In den Fluren riecht es nach frischer Farbe. Gerade hatten die Maler den Treppenaufgang im „Zentrum für Wirtschaft, Technik und Hauswirtschaft“ (WTH) gestrichen. In den vergangenen Jahren ist das Gebäude in der Weißenfelser Nordstraße Stück für Stück umfassend saniert worden, so dass man sich nun bestens für das kommende Schuljahr aufgestellt sieht.

Pilotprojekt vorgestellt

Das Besondere am Zentrum für WTH: In dem Gebäude werden die Schülerinnen und Schüler von gleich drei Weißenfelser Sekundarschulen - Beuditzschule, Neustadtschule und Ökowegschule - unterrichtet. Das Konzept: In einem 14-tägigen Durchlauf werden die Schülerinnen und Schüler von der fünften bis zur zehnten Klasse in den Fächern Wirtschaft, Technik und Hauswirtschaft unterrichtet. „Auf diese Weise nutzen insgesamt rund 44 Schulklassen unser Angebot“, sagt Heidi Traue, stellvertretende Koordinatorin der Einrichtung. Ihnen stehen insgesamt 13 modern eingerichtete Unterrichtsräume zur Verfügung, zu denen drei Computerkabinette, zwei Lehrküchen, eine Holz- und eine Metallwerkstatt, ein Nähkabinett, zwei Technikräume und drei Klassenräume für den Wirtschaftsunterricht gehören.

„Zehn Räume sind mit interaktiven Tafeln ausgestattet, die anderen Klassenzimmer werden in Kürze digital ausgerüstet“, so Traue. „Mit dieser sehr guten materiell-technischen Ausstattung ist es uns möglich, den Unterricht in den stark praxisorientierten Fächern auch handlungsorientiert umzusetzen.“

Alle 14 Tage ein Unterrichtstag in einem Unternehmen

Wie das Konzept funktioniert, davon konnten sich in der vergangenen Woche auch Annette Sprengel, Referentin des Bildungsministeriums Sachsen-Anhalt und Franziska Labitzke, Referentin des Landesinstituts für Schulqualität und Lehrerbildung ein Bild vor Ort machen. Sie waren im Rahmen des Pilotprojekts „Praxistage“ des Landes zu Besuch am Weißenfelser WTH. „Das Projekt sieht vor, dass Schülerinnen und Schüler der 8. und 9. Klassen ein halbes Jahr lang alle 14 Tage einen Unterrichtstag in einem Unternehmen ihrer Wahl verbringen und dort auf einen eventuell künftigen Beruf vorbereitet werden“, erklärt Labitzke.

Ziel sei es, so dem Fachkräftemangel in Sachsen-Anhalt entgegenzuwirken. „Durch Praxistage in Unternehmen soll die Motivation der Schüler insofern gesteigert werden, dass sie erleben, wo sie ihr Schulwissen später anwenden können“, erklärt Sprengel. „Unternehmen profitieren wiederum, da sie die Möglichkeit bekommen, sich künftige Fachkräfte heranzuziehen.“

Im WTH hatten die Referentinnen die Gelegenheit, den Direktoren der Beuditzschule und der Neustadtschule das Projekt vorzustellen und waren auf offene Ohren gestoßen. Inwiefern es an den jeweiligen Weißenfelser Schulen umgesetzt werden kann, das müsse allerdings intern im Kollegium besprochen werden. Sprengel sieht das Zentrum für WTH als Partner dieses Modellprojekts, da es die Schüler mit seinen praxisorientierten Fächern ergänzend auf die Berufspraxis vorbereiten kann.

Digital ausgerüstet

Ihre Wurzeln hat die Einrichtung übrigens im ehemaligen Polytechnischen Zentrum der Ketten- und Nagelwerke in Weißenfels. Nach der Wende wurde daraus 1991 das Zentrum für Wirtschaft, Technik und Hauswirtschaft gegründet, welches sich in Trägerschaft des Burgenlandkreises befindet. Im Mittelpunkt des Unterrichts stehen laut Traue nach wie vor Fertigungsaufgaben, wobei inzwischen zunehmend digitale Werkzeuge in den Unterricht einbezogen werden.

Die Einrichtung selbst sieht sie gut aufgestellt für die Vermittlung digitaler Lerninhalte. Allerdings kämen die Schülerinnen und Schüler mit sehr unterschiedlichen Vorkenntnissen über die digitale Welt zu uns. „Darum sehen wir eine unsere Aufgabe inzwischen darin, die drei Weißenfelser Sekundarschulen auch in Hinblick auf die digitale Bildung zu unterstützen.“ Damit die Schüler gerüstet sind für die stetige technische Modernisierung in ihrer späteren Berufspraxis.