Seit Sommer ohne Pfarrer

Seit Sommer ohne Pfarrer: Wie die Gemeinde mit der Situation umgeht

Weißenfels - Die katholische Gemeinde St. Elisabeth in Weißenfels hat seit letztem Jahr keinen Pastor mehr. Wie die Gemeinde mit der Situation umgeht.

Von Meike Ruppe-Schmidt 03.03.2019, 07:00

Muss ich bald auf meine geliebte Messe verzichten? Das fragen sich derzeit viele Mitglieder in kirchlichen Gemeinden. Eine Frage, die nicht unberechtigt ist. Denn es herrscht Pfarrermangel in Deutschland. Auch die katholische Gemeinde St. Elisabeth in Weißenfels ist davon betroffen. Seit der ehemalige Pfarrer Karl-Christoph Werner im letzten August unerwartet während einer Asienreise verstorben ist, hat die 2.000 Mitglieder zählende Gemeinde keinen eigenen Geistlichen mehr vor Ort.

„Der Schock über den Tod von Pfarrer Werner war für uns alle groß“, sagt Gemeinderatsvorsitzender Norbert Kübeck. Zu der Trauer gesellte sich zudem die Frage, wie es nun in der Gemeinde weitergeht. Das Problem: Ein Pfarrer ist nicht nur für die gesamte Seelsorge zuständig, zu der Beichte und Krankenbesuche gehören. Er hält auch die heilige Messe, steht der kirchlichen Kindertageseinrichtung vor. Und: Er übernimmt Sakramente wie die Taufe, Erstkommunion, Eheschließungen und Beerdigungen. Dazu kommen noch sämtliche administrative Aufgaben.

„Vieles wird nun von unseren Mitgliedern in Laienarbeit gestemmt“

„Vieles davon wird nun von unseren Mitgliedern in Laienarbeit gestemmt“, erklärt Kübeck. So hat Gemeindereferentin Johanna Böhne-Papke den Religionsunterricht und einen Teil der Seelsorge übernommen. Und Gerhard Ehspanner hält in den Kirchen in Teuchern und Hohenmölsen die Predigten - allerdings ohne die heilige Messe.

„Diese darf nur ein richtiger Pfarrer durchführen“, erklärt der Gottesdienstbeauftragte. „Wenn ich als Laie Hostien verteile, müssen diese zuvor von einem Pfarrer geweiht werden.“ Zum Beispiel von Pfarrer Thomas Friedrich aus Zeitz oder Pfarrer Bernhard Schelenz aus Naumburg. Mit den beiden Pfarreien hat Weißenfels ein Dekanat gebildet. So übernahm Schelenz die Rolle des Pfarr-Administrators in Weißenfels. Und Friedrich hält hier die Sonntagsmessen.

„Es macht uns betroffen, dass es nicht mehr genug Pfarrer gibt“

Eine Situation, die für viele Mitglieder nicht leicht ist: „Es macht uns betroffen, dass es nicht mehr genug Pfarrer gibt“, sagt Kirchenmitglied Peter Kungl. „Gewohnte Rituale gehen verloren. Man fragt sich stets, ob die Messe wirklich stattfindet, oder ob nur ein Wortgottesdienst gehalten wird. Und ich bin besorgt, ob der schöne Zusammenhalt in der Gemeinde erhalten bleibt.“ Um die familiäre Atmosphäre macht sich auch Andreas Lohner Gedanken. „Das Gemeindeleben ist nicht abgeflaut“, sagt er.

„Doch wir Älteren sind die Messe von Kindheit an gewöhnt und müssen uns nun umstellen.“ Und ein anderes Mitglied gesteht: „Der feierliche Rahmen fehlt ohne Pfarrer. Auch der persönliche Kontakt geht verloren. Wir müssen uns damit abfinden, dass es noch schlimmer wird.“

Momentan hat man bei den Katholiken in Weißenfels noch Glück

Momentan hat man bei den Katholiken in Weißenfels noch das Glück, dass auch Pfarrer Leo Nöhring im Ruhestand unter der Woche für Messen einspringen kann. „Doch er ist über 80“, sagt Vorsitzender Kübeck. „Und es ist fraglich, wie lange sein Gesundheitszustand das zulässt.“ Warum bei jungen Leuten kaum noch Interesse am Pfarramt besteht? Kübeck schließt aus, dass der strenge katholische Zölibat der Grund ist.

„Die evangelischen Gemeinden haben das gleiche Nachwuchsproblem - obwohl deren Pfarrer nicht keusch leben müssen.“ Er sieht einen anderen Grund im Nachwuchsproblem: „Ich denke, niemand will heute langfristig Verantwortung für andere Menschen übernehmen. Und: Glaube ist eine Wohlstandsfrage. Es geht uns einfach zu gut.“ Da hilft nur: Beten, dass mehr Pfarrer nachkommen. (mz)