Schlossmuseum Weißenfels

Schlossmuseum Weißenfels : Alle Herzöge sind nun vereint

Weißenfels - Das Schloss Neu-Augustusburg ist um einen Schatz reicher: Am Dienstag konnte das Porträt des dritten Weißenfelser Herzogs, Johann Georg, im ehemaligen Thronsaal der Öffentlichkeit übergeben werden. Er regierte von 1697 bis 1712. Es ist eine Dauerleihgabe der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessens in Bad Homburg. Damit ist die Reihe der fünf Herzöge, die zwischen 1657 und 1746 an der Saale regiert haben, wieder vollständig. Oberbürgermeister Robby Risch (parteilos) und Museumsleiter Martin Schmager konnten um die Wette ...

Von Holger Zimmer 06.04.2016, 06:12

Das Schloss Neu-Augustusburg ist um einen Schatz reicher: Am Dienstag konnte das Porträt des dritten Weißenfelser Herzogs, Johann Georg, im ehemaligen Thronsaal der Öffentlichkeit übergeben werden. Er regierte von 1697 bis 1712. Es ist eine Dauerleihgabe der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessens in Bad Homburg. Damit ist die Reihe der fünf Herzöge, die zwischen 1657 und 1746 an der Saale regiert haben, wieder vollständig. Oberbürgermeister Robby Risch (parteilos) und Museumsleiter Martin Schmager konnten um die Wette strahlen.

Risch sprach von einer Verpflichtung, dieses Erbe aus der Glanzzeit der Stadt auch nach dem Erlöschen der Herzogslinie von Sachsen-Weißenfels vor 270 Jahren zu erhalten und der Öffentlichkeit zu zeigen. Seit der Wende sei viel Geld ins Schloss investiert worden. Millionen wurden da von Bund und Land bereitgestellt, aber auch Zuschüsse des Denkmalschutzes flossen für die Sanierung und zuletzt wurde von der Ernst-von-Siemens-Kunststiftung die Restaurierung einiger Gemälde gefördert.

Besondere Odyssee

Als vorletztes Bild war das von Johann Adolph II. Ende Februar aus der Zeitzer Restaurierungswerkstatt von Mirko Negwer an die Saale zurückgekehrt. Museumschef Schmager betonte: „Es war doppelt so schwer geschädigt wie das, das nun aus Bad Homburg gekommen ist.“ Da blätterte die Farbe ab und die Nähte der Leinwand begannen sich zu lösen. Zudem hat es eine ganz besondere Odyssee hinter sich. Es hing in Bad Langensalza, das einst zum Weißenfelser Herzogtum gehörte, und war in den 1950er Jahren von einem Hausmeister in die Bundesrepublik verkauft worden. Zuletzt wechselte es von einem holländischen Antiquitätenhändler zu einer deutschen Familie, von der es schließlich vom Museum erworben werden konnte. Im Dunkel der Geschichte liegt das Schicksal des Gemäldes von Herzog Christian, der im Jägergewand dargestellt ist. Es war in den 1920er Jahren auch mit Hilfe des Weißenfelser Schützenvereins gekauft und dem Museum übergeben worden.

Fakt ist, dass nach dem Erlöschen der Herzogslinie 1746 die sächsischen Beamten in Weißenfels wie die Heuschrecken einfielen, um das Erbe, das an den Dresdener Hof zurückfiel, zu inventarisieren. Silbernes Mobiliar, aber auch wertvolle Prunkwaffen kamen in die Rüstkammer der Elbestadt - insgesamt eine Anzahl von 300. Und Schmager gibt noch eine andere Anekdote preis. Unmittelbar vor der Schlacht von Roßbach 1757 im Siebenjährigen Krieg schlief Preußenkönig Friedrich II. im Thronsaal. „Er hat die Plünderung des Schlosses zwar nicht angeordnet, aber wissentlich in Kauf genommen.“ Damals verschwanden für immer kleinere Bilder aujf Nimmerwiedersehen.

Blüte der Herzogszeit

In der Blüte der Herzogszeit zählte die Neu-Augustusburg 800 Gemälde, heute sind es noch 20. Darunter befinden sich auch die der Herzöge August und Johann Adolph II. Sie waren 2014 im Rahmen der Ausstellung „Im Land der Palme“ in Halle zu sehen und kamen von dort als Dauerleihgabe der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten aus Potsdam nach Weißenfels zurück. Auch das jetzt aus Bad Homburg heimgekehrte Bild ist eine Dauerleihgabe der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessens. Wie die Gemälde der anderen Herzöge war es mit der Umwandlung des Weißenfelser Schlosses in eine Kaserne 1820 nach Potsdam gelangt, weil Weißenfels nach dem Befreiungskrieg gegen Napoleon von Sachsen an Preußen gefallen war.

Die Komplettierung der Herzogsporträts ist für Martin Schmager so etwas wie der i-Punkt seiner fast 30-jährigen Tätigkeit im Schlossmuseum. Er gibt aber bei aller Freude auch zu: „Die Schuhsammlung im neuen Gewand wäre mir lieber gewesen.“ (mz)