Im 17. Jahrhundert gesprengt

Im 17. Jahrhundert gesprengt: Alte Weißenfelser Burg soll wieder auferstehen

Weißenfels - Zum 400. Jahrestag des Beginns des Dreißigjährigen Krieges wird im Weißenfelser Schloss Sonderausstellung eröffnen. Dafür war Detektivarbeit notwendig.

Von Holger Zimmer 24.11.2018, 14:00

Noch ist die Ausstellung im Museum der Neu-Augustusburg unvollendet, doch bereits vor der Eröffnung am 28. November konnten sich Mitglieder des Fördervereins Museum Weißenfels schon mal umschauen. Vereinsvorsitzender Matthias Böttger sowie zehn Mitglieder zeigten sich danach überrascht. So konnten sie das Fragment der Ofenkachel mit einem Fürstenkopf ebenso begutachten wie Nachbildungen der Burg aus Ton und Kunststoff.

Dabei war es eine echte Sisyphusarbeit, alles an der richtigen Stelle einzuordnen. Die Frage nach dem Brunnen war geklärt, ist er doch im Schlosskeller zu sehen. Beim Zwinger samt Gefängnis war das schon schwieriger und die Kirche ließ sich gar nicht lokalisieren.

Neu-Augustusburg in Weißenfels wurde einst von den Schweden gesprengt

Anlass zur Ausstellung war der Untergang der Burg, die zuvor von den Wettinern bei ihren Reisen als Zwischenstopp genutzt wurde. Zum Jahreswechsel 1644/45 ist sie dann von den Schweden gesprengt worden. Ein Ereignis, das zum 400. Jahrestag des Beginns des Dreißigjährigen Krieges 1618 passt.

Die Schau trägt dann auch den Namen „demolirt“, ein Wort aus dem Entschuldigungsschreiben der Bürger, die gezwungen wurden, die Burg zunächst abzutragen. Dann wurde gesprengt. Museumsleiter Aiko Wulff sagte: „450 Kilogramm Schwarzpulver reichten nicht, um den Zwinger zum Einsturz zu bringen.“ Der wies danach lediglich einen Riss auf. Er informierte, dass dieser Sprengstoff für 105.000 Musketenschüsse gereicht hätte, so viele wie man sie in einer Schlacht abfeuert.

Um die Burg wieder auferstehen zu lassen, war echte Detektivarbeit nötig

Er sprach von echter Detektivarbeit und dass man sich die Köpfe heiß geredet habe. Von Archäologen und anderen Wissenschaftlern sei man belächelt worden, doch Wulff verteidigt das Projekt. Denn Reste der alten Burg würden sich unzugänglich unter den Mauern des heutigen Schlosses befinden. Frühere Ausgrabungen im Schlosshof hätten auch keine wesentlichen Ergebnisse gebracht.

Letztlich habe aber nur eine erhaltene Inventarliste geholfen und jene Stadtansicht mit der Burg von Wilhelm Dilich aus den Jahren 1628/30, die vielfach kopiert worden ist. Rätsel gab da die bildliche Darstellung auf, die nicht den Originalzustand widerspiegelte. Letztlich gelang mit Hilfe der Künstlerin und Architektin Viktoria Scholz und dem Programmierer Alim Feyzulayev eine Rekonstruktion, die nun gezeigt wird.

Eine 3-D-Variante wird per Bildwerfer an die Wand projiziert. Sie muss noch vollendet werden. Bis zur Eröffnung soll ihre farbliche Gestaltung erfolgen und nicht nur ein Um- und Überfliegen der Burg möglich sein. Die Besucher sollen außerdem einen Eindruck bekommen, wie die Anlage wirkt, wenn sie scheinbar zwischen den Gebäuden der Burg stehen.

Es war übrigens nicht die einzige Festung, die von den Schweden zerstört wurde. Laut Aiko Wulff geschah in Zeitz das Gleiche, um den Widerstand der kaiserlichen Truppen zu brechen. In der Weißenfelser Ausstellung ist dann auch ein Wappenstein der dortigen Burg zu sehen. (mz)