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Heinz Rudolf Kunze bis Rammstein - Wie Weißenfels jetzt im alten Kulturhaus durchstarten will

Weißenfels - Die Stadt Weißenfels hat die Veranstaltungsstätte in der Merseburger Straße in eigene Regie übernommen. Wie die Kommune jetzt durchstarten will.

Von Andreas Richter 06.03.2019, 11:00

„Wir werden schon in diesem Jahr ordentlich Gas geben“, kündigt Robert Brückner an. Der Leiter des städtischen Kulturamtes ist jetzt auch Chef des Kulturhauses. Denn mit Jahresbeginn 2019 hat die Kommune die Regie über das Haus in der Merseburger Straße vom Sport- und Freizeitbetrieb in die eigenen Hände genommen.

„Jetzt können wir nicht nur vermieten, sondern als Stadt viel öfter selbst als Veranstalter auftreten“, kündigt Brückner an. Schon in diesem Jahr will die Stadt mit mehr Veranstaltungen und einer höheren Qualität des Angebots beim Publikum punkten. Ein erstes Faltblatt, das an 15.000 Weißenfelser Haushalte sowie öffentliche Einrichtungen im ganzen Burgenlandkreis verteilt wurde, macht schon mal Appetit.

Kuturhaus Weißenfels: Von Heinz Rudolf Kunze bis Rammstein

Die bunte Palette reicht vom Auftritt der Schauspielerin Manon Straché am 9. März über einen Abend mit Comedian Markus Krebs im November bis hin zum neuen Soloprogramm von Heinz Rudolf Kunze im Dezember. Besonders stolz sind die Weißenfelser Programmmacher darauf, dass es gelungen ist, den Keyboarder von „Rammstein“ Flake Lorenz für eine Lesung in Weißenfels zu gewinnen. Am 28. September wird Lorenz sein Buch „Heute hat die Welt Geburtstag“ vorstellen.

„Wir wollen Neues anbieten und Bewährtes fortsetzen“, sagt Brückner. Selbstläufer wie die beiden jeweils schon lange vorher ausverkauften Travestieshows im Januar sollen auf jeden Fall weiter auf dem Spielplan des Kulturhauses bleiben. Künftig, so der Chef des Kulturamtes weiter, will die Stadt ihre Angebote im Kulturhaus, aber auch auf dem Schloss und an anderen Veranstaltungsorten noch offensiver gemeinsam vermarkten. Ab dem zweiten Quartal soll jeweils vierteljährlich ein Programmheft herausgegeben werden. Zudem ist geplant, die Präsentation im Internet zu überarbeiten.

Kulturhaus Weißenfels: Technische Ausstattung soll erneuert werden

Doch nicht nur in Sachen Marketing will die Stadt mit ihrem Kulturhaus durchstarten. Schrittweise soll die technische Ausstattung erneuert werden. In diesem Jahr sind zunächst rund 22.000 Euro für Investitionen im Regieraum eingeplant. Im kommenden Jahr, so informierte der städtische Veranstaltungsmanager Christian Endt, sollen rund 120.000 Euro in eine eigene Tonanlage im Kulturhaus investiert werden. Bisher musste die Stadt die Technik für bestimmte Veranstaltungen jeweils teuer mieten.

Das heutige Kulturhaus wird 1872 erstmals in einem Katasterauszug als Haus Merseburger Straße 14 erwähnt. 1933 wird es in „Haus der Nationalsozialisten“ umbenannt und in diesem Sinne betrieben. Während des Zweiten Weltkrieges werden die Bühnenräume Lazarett und zeitweise Notquartier für Flüchtlinge. 1945 wird der Spielbetrieb im „Haus des Volkes“ wieder aufgenommen. Erneut wechseln die Namen. 1950 bis 1952 heißt das heutige Kulturhaus „Klubhaus der Gewerkschaften“, danach bis 1957 „Klubhaus der Lederarbeiter“. Ab 1957 schließlich wird es zum „Klubhaus der Jugend“. 1966 wird der Rat des Kreises Rechtsträger des „Kreiskulturhauses“. Ein Brand zerstört in der Nacht vom 12. zum 13. März 1987 das Bühnenhaus. Nach der Wende wird das Kulturhaus 1992 von der Stadt Weißenfels übernommen. Zwischen 1993 und 1998 finden umfangreiche Sanierungs- und Baumaßnahmen statt. 2008 wird ein neuer Bühnenanbau eingeweiht. (ari)

Im vergangenen Jahr habe man allein für die Theatertage im November rund 15.000 Euro für Ton- und Lichttechnik ausgegeben, erinnert Robert Brückner. Da sei die Investition in eigene Technik auf längere Sicht sinnvoll. Und Christian Endt argumentiert: „Wenn das Kulturhaus technisch besser ausgestattet ist, dann kann ich es potenziellen Partnern viel besser als Veranstaltungsort anbieten.“

Kulturhaus Weißenfels: Defizit soll schrumpfen

Dabei soll sich mit der Übernahme durch die Stadt nicht alles ändern. „Beim Ticketverkauf bleibt alles beim Alten“, sagt Brückner. Auch die Konditionen für die Nutzung der Räume des Kulturhauses durch Dritte, etwa Vereine oder Organisationen, will die Stadt zunächst nicht anfassen.

Klar ist: Die Betreibung der Kulturstätte wird auch in städtischer Regie ein Minusgeschäft bleiben. „Als kommunaler Veranstalter haben wir eine gewisse Verantwortung, auch nicht Gewinn bringende Angebote, wie etwa Programme für Kinder, anzubieten“, sagt Brückner. Im Haushalt für dieses Jahr ist ein kommunaler Zuschuss in Höhe von rund 350.000 Euro für das Kulturhaus geplant. „Wir wollen das Defizit schrittweise reduzieren“, nennt Brückner als ehrgeiziges Ziel. Schon 2020 sollen es 30.000 Euro weniger sein. „Bei den Ausgaben können wir kaum noch etwas reduzieren“, schätzt Christian Endt ein. So bleiben allein die Einnahmen. Gut vermarktete und attraktive Veranstaltungen eben, die noch mehr Publikum in den Weißenfelser Kulturtempel locken. (mz)