Heinrich-Schütz-Musikfest

Heinrich-Schütz-Musikfest Weißenfels: Abschluss mit Festgottesdienst und Konzertpremiere

Weißenfels - Mit einem musikalischen Festgottesdienst in der Marienkirche, ganz im Sinne des berühmten Komponisten der Stadt, und einer Konzertpremiere in der Schlosskirche ist das Heinrich-Schütz-Musikfest an der Saale in Weißenfels am Wochenende zu Ende gegangen.

Von Carmen Busch 16.10.2016, 19:26

Mit einem musikalischen Festgottesdienst in der Marienkirche, ganz im Sinne des berühmten Komponisten der Stadt, und einer Konzertpremiere in der Schlosskirche ist das Heinrich-Schütz-Musikfest an der Saale am Wochenende zu Ende gegangen. Sowohl im Gottesdienst als auch im Konzert stand das Thema des Festes „vom Besehn der fremden Länder“ im Mittelpunkt.

„Es ist mittlerweile eine feste Tradition geworden, dass der Festgottesdienst in der Marienkirche im Rahmen der Heinrich-Schütz-Tage stattfindet“, sagt Pfarrer Martin Schmelzer. Der Theologe begrüßte vor allem die gewachsene Verbundenheit zwischen dem hiesigen Heinrich-Schütz-Haus, der Stiftung der Mitteldeutschen Barockmusik und den verschiedenen Mitwirkenden des Festes.

Das diesjährige Thema sei für den Wahl-Weißenfelser besonders aktuell. „Jeder Mensch wird von dem stark beeinflusst, was um ihn herum passiert“, meint Schmelzer. Für ihn sei aber die Musik einer der besten Wege, Grenzen und innere Mauern zu überwinden. Durch die Musik, vor allem durch geistliche wie die von Heinrich Schütz, könne man sich mitteilen und Neugier wecken. „Denn Musik geht direkt in das Herz eines Menschen“, bemerkt der Pfarrer lächelnd zu den Gottesdienstbesuchern.

Eine ähnliche Intention hat auch der Musiker Michel Godard am Samstagabend mit der Konzertpremiere „A Journey to Splendor“ (in Deutsch: „Ein Aufbruch zur Herrlichkeit“) in der Schlosskirche St. Trinitatis verfolgt. Der bekannte Jazzmusiker hat mit seinem Programm versucht, verschiedene Musikepochen und -stile zu verbinden. Dabei hat er das Publikum indirekt aufgefordert, sich diesem Experiment zu stellen. Laut Godard sind sich Barock- und Jazzmusik weder im Inhalt noch in ihrer Aufführung fremd. Die Improvisation sei das verbindende Element der beiden Stile.

„Die Musik ist sich sehr ähnlich und lässt sich gut kombinieren“, erklärt Michel Godard dem Publikum. Daher hat er vor allem Arrangements für sein Ensemble gewählt, die den unberechenbaren Charakter der Jazzmusik und die erhabenen Klänge der Barockmusik zugleich aufzeigen können. „Zwei besondere Passacaglias haben wir extra für diese Art zu musizieren in das Konzertprojekt aufgenommen“, berichtet der 56-jährige Franzose.

Die beiden Musikstücke, die sich hauptsächlich durch ihre vielfältigen Variationen und durch ihre feste Basslinie charakterisieren, stellen sowohl die modernen als auch die Instrumente der Renaissance und des Frühbarocks gut in den Vordergrund. Auch Godard selbst bleibt nicht bei einem Instrument, sondern wechselt bewusst zwischen dem schlangenartigen Blechblasinstrument, dem Serpent, und greift auch bei Schütz zum E-Bass. Durch diese gemischte Spielweise hat selbst ein Werk von Heinrich Schütz den Charakter einer Jamsession erhalten.

Gerade die Vermischung und das Überwinden der musikalischen Stilgrenzen findet Manfred Hoyer, der Vorsitzende des Heinrich-Schütz-Musikvereins Weißenfels, sehr gelungen. „Die moderne Interpretation der Alten Musik bringt Abwechslung in ein Konzert“, sagt der Weißenfelser. Godards Musikinterpretation spreche ein breites Publikum an und locke ebenfalls Jazzliebhaber zum Heinrich-Schütz-Musikfest. „Das Zusammenspiel der unterschiedlichen neuen und alten Instrumente und der Dialog zwischen Gesang und Serpent hat mir persönlich sehr zu- gesagt“, lobt Hoyer das Konzert. Die große positive Resonanz des Publikums zeige ihm zudem, dass die Musik Heinrich Schütz’ keine Grenzen kenne. (mz)