Großes Bauvorhaben

Großes Bauvorhaben: Intensiver Umbau am „Leipziger Loch" könnte Belastungsprobe werden

Grosskorbetha - Die Deutsche Bahn will eine Brücke in Großkorbetha erneuern. Anwohner sorgen sich um Lärmschutz.

Von Andreas Richter 21.03.2019, 06:00

Wenn Johannes Drewitz an seinem Arbeitsplatz ist, dann durchquert der erfahrene Lokführer in Großkorbetha mitunter auch das „Leipziger Loch“. „Über den Güterbahnhof in Richtung Leipzig fahren wir unten durch, da ist es mitunter feucht, die Strecke nach Halle verläuft darüber“, beschreibt der Großkorbethaer Ortsbürgermeister jene Schnittstelle zweier Bahnstrecken, die Eingeweihte umgangssprachlich eben als „Loch“ bezeichnen.

Große Pläne der Deutschen Bahn

Nun kann es gut sein, dass dieser Bahnknoten vor den Toren des Industriestandortes Leuna in den kommenden Jahren mehr als bisher ins Blickfeld der Öffentlichkeit rückt. Denn die Deutsche Bahn hat dort Großes vor: Ab September 2021 soll das im Jahr 1912 errichtete Kreuzungsbauwerk durch ein neues ersetzt werden. Was wie ferne Zukunftsmusik klingt, beschäftigt die Planer jedoch schon seit langem. Auf der jüngsten Sitzung des Großkorbethaer Ortschaftsrates wurden interessierte Bürger aus den umliegenden Orten zum ersten Mal über die Baupläne der Deutschen Bahn informiert.

„Wegen altersbedingter Schäden und schwindender Standsicherheit muss das alte Bauwerk ersetzt werden“, begründete Projektleiter Jens Brand-Gast von der DB Netz AG das Bauvorhaben. Die Dimensionen sind durchaus beachtlich: Mehr als 41 Millionen Euro will die Deutsche Bahn in die Erneuerung des Knotens nördlich von Weißenfels investieren. 3,8 Kilometer Gleise müssen erneuert, Gleise zum Teil angehoben, Oberleitungen, Signaltechnik und Energieanlagen angepasst werden.

Lärmintensive Baurabeiten

Bevor es soweit ist, müssen die Verantwortlichen jedoch durch ein langwieriges Planverfahren. „Das ist ein Kampf durch viele Instanzen“, sagte Brand-Gast. Vor der Genehmigung durch das Eisenbahnbundesamt stehe ein mindestens zwei Jahre langes Planfeststellungsverfahren. Eine Zeit, in der auch direkt oder indirekt Betroffene an mehreren Stellen Gelegenheit haben werden, ihre Interessen kundzutun.

Dass es dabei in den nächsten beiden Jahren ausreichend Gesprächsstoff geben wird, machte bereits die erste öffentliche Vorstellung der Baupläne deutlich. Für Reisende sollen sich die Einschränkungen in Grenzen halten, da die Strecken während der Bauarbeiten jeweils eingleisig befahrbar sein sollen. Für jene, die in der Nähe der Bahn-Schnittstelle wohnen, wird die Zeit, während der auch Baumaterial auf öffentlichen Straßen transportiert wird, allerdings zur Belastungsprobe. Daran dürfte auch die Zusage der Planer nichts ändern, dass lärmintensive Arbeiten in den Nachtstunden nicht vorgesehen sind.

Spezielle Lärmschutzmaßnahmen nicht erforderlich

Überrascht zeigte sich die Wengelsdorfer Ortsbürgermeisterin Sybille Reider, dass der Einsatz von Lärmschutzwänden während der Baumaßnahme nicht geplant ist. „Bei uns verursachen Güterzüge schon jetzt genug Lärm. Das werden wir so nicht hinnehmen“, kündigte sie im Ortschaftsrat des Nachbarortes Großkorbetha an.

Ist also schon jetzt mit einem Widerspruch zu rechnen? Die Planer berufen sich auf theoretische Berechnungen, nach denen spezielle Lärmschutzmaßnahmen nicht erforderlich seien. Ganz anders das tatsächliche Empfinden der Anwohner. „Rechnen kann man viel“, meinte Ortsbürgermeisterin Sybille Reider. Alles in allem sollen die Bauarbeiten am „Leipziger Loch“ knapp zwei Jahre dauern. Im August 2023 ist die Inbetriebnahme des neuen Kreuzungsbauwerkes geplant. (mz)