Bauvorhaben in Gefahr?

Bauvorhaben in Gefahr?: Welches Personal bei der Stadt Weißenfels knapp wird

Weißenfels - Weißenfels braucht mehr Ingenieure, um seine Bauvorhaben vorzubereiten. Warum die Gewinnung von Fachkräften jedoch ein Problem ist.

Von Andreas Richter 23.01.2019, 09:27

Die Stadt Weißenfels wird die Vorbereitung ihrer Bauvorhaben der nächsten Jahre nur mit zusätzlichen Fachkräften stemmen können. Darauf hat Sven Hantscher, Fachbereichsleiter bei der Stadt, auf der jüngsten Sitzung des Hauptausschusses verwiesen. „Wir brauchen mehr qualifiziertes Personal im Ingenieurbereich“, sagte Hantscher gegenüber der MZ und nannte eine Größenordnung von drei Fachkräften im Hoch- beziehungsweise Tiefbau der Stadt.

Bei der Suche nach Fachkräften stößt die Kommune allerdings auf ein Problem: Es wird nicht nur im Ingenieurbereich immer schwieriger, geeignetes Personal zu finden beziehungsweise zu halten. „Das Ringen um Fachkräfte hat längst begonnen“, sagte Hantscher während der Diskussion zum Stellenplan der Stadt für dieses Jahr. Das betreffe die zunehmende Konkurrenz unter den öffentlichen Arbeitgebern ebenso wie den Wettbewerb mit den privaten Arbeitgebern.

„Wenn die Stadt zu wenig zahlt, gehen die Leute eben zu anderen, die besser zahlen“

Mitunter sei die Stadt hier in einer schwierigen Verhandlungsposition. „Wenn die Stadt zu wenig zahlt, gehen die Leute eben zu anderen, die besser zahlen“, sagte Hantscher.

Dass das Problem nicht mehr von der Hand zu weisen ist, zeigt eine Richtlinie des kommunalen Arbeitgeberverbandes. Danach können kommunale Arbeitgeber einen außertariflichen Zuschlag von bis zu zwanzig Prozent einer bestimmten Entgeltgruppe zahlen, um einen Mitarbeiter für eine bestimmte Stelle zu bekommen. Das könne bis zu 800 Euro im Monat ausmachen, so Hantscher.

Fachkräftemangel: Modell Altersteilzeit gerät in die Diskussion

Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels gerät indes das Modell Altersteilzeit in die Diskussion. Im Hauptausschuss wollte Stadtrat Ekkart Günther (CDU/FDP-Fraktion) wissen, ob das Modell nach Ansicht der Stadt noch zeitgemäß ist. An Teilzeitmodellen will die Kommune laut Personalchef auch künftig festhalten. Zugleich plädierte er für eine differenzierte Herangehensweise.

Unter den vielen städtischen Beschäftigten in Altersteilzeit seien Mitarbeiter, die problemlos noch länger arbeiten könnten. Auf der anderen Seite gebe es Beschäftigte, die ab einem bestimmten Alter die hohen körperlichen oder psychischen Belastungen ihrer Tätigkeit nur noch schwer verkraften können.

Weißenfels: Zwischen Einnahmen und Ausgaben klafft Defizit von rund 2,7 Millionen Euro

Indes ist unklar, ob der Weißenfelser Stadtrat der Verwaltung überhaupt zusätzliches Ingenieurpersonal genehmigen würde. Der Hintergrund: Der Haushalt dieses Jahres, in dem auch Weichen für Investitionen in kommenden Jahren gestellt werden, dürfte lange eine Hängepartie bleiben. Derzeit klafft zwischen Einnahmen und Ausgaben ein Defizit von rund 2,7 Millionen Euro.

Für einen Ausgleich des Haushalts müssten Ausgaben gestrichen werden. Dafür konkrete Vorschläge zu bringen, dürfte den Stadträten Monate vor der Kommunalwahl am 26. Mai jedoch schwerfallen. So bleibt die Kommune in einer Zwickmühle: „Wir könnten erst einstellen, wenn der Haushalt steht und wir wissen, dass wir bauen können“, sagte Hantscher gegenüber der MZ.

Stadt Weißenfels: Eine Hängepartie bleibt der Stellenplan

Eine Hängepartie bleibt so auch der Stellenplan. Weil vieles noch unklar ist, wurde der Punkt von der Tagesordnung der Stadtratssitzung am Donnerstag genommen. Eine am Samstag geplante Klausurtagung des Stadtrates zum Haushalt wurde am Dienstag abgesagt.

Bei der Stadt Weißenfels sind zurzeit rund 540 Mitarbeiter beschäftigt, rund die Hälfte davon in Teilzeit - mit einer wöchentlichen Arbeitszeit zwischen zwei und 38 Stunden.

Sitzung des Weißenfelser Stadtrates: Donnerstag, 24. Januar, 17 Uhr, Ratssaal am Kloster. (mz)