Vom Suchen und Finden

Wie ein am Wildenstall verlorenes Portmonee zu seiner Besitzerin zurückfand

Von Grit Pommer
Uta Trinkaus in der Futterkammer von Gut Drebsdorf. Hier machte sie den Überraschungsfund im Heu. (Foto: Maik Schumann)

Morungen

Mit dem Waldtag am Wildenstall bei Grillenberg ist eine außergewöhnliche Geschichte verbunden. Eine Geschichte vom Verlieren und vom Finden - und davon, dass in Mansfeld-Südharz einfach nichts wegkommt. Ihren Anfang nahm sie im September 2018, als Birgit Reinicke aus Morungen mit ihren beiden Enkelinnen einen Ausflug zum ersten großen Waldtag am Jugendwaldheim Wildenstall unternahm. Die Drei hatten einen tollen Tag im Grünen mit Brause, Eis und vielen Erlebnissen. Doch tags darauf folgte der große Schreck: Birgit Meinicke musste feststellen, dass ihr Portmonee verschwunden war. Drinnen war nicht nur Geld, sondern auch Bankkarte, Führerschein und der gerade erst neu beantragte Personalausweis, ganze vier Wochen jung.

Verlorenes Portmonee: „Nach vier Wochen habe ich die Hoffnung aufgegeben“

Schnell war klar, dass das kleine, braune Portmonee im Wald verloren gegangen sein musste. Wie es der Zufall wollte, wohnt der damalige Chef des Jugendwaldheims, Harald Schreier, auch in Morungen, so dass Birgit Reinicke als erstes bei ihm nachfragte, ob etwas abgegeben wurde. Nein, wurde nicht. Auch das Polizeirevier in Sangerhausen und das Fundbüro mussten passen. Ein Besuch am Ort des Verlustes brauchte auch nichts ein. Die Wiese, die beim Waldtag als Parkplatz gedient hatte, lag riesig und verlassen da. Wo ihr Auto gestanden hatte, konnte Birgit Meinicke nur grob erahnen und einen Teil der Fläche absuchen. Gefunden hat sie nichts.

„Nach vier Wochen habe ich die Hoffnung aufgegeben“, erzählt Birgit Reinicke. Die Geldkarte war ohnehin längst gesperrt. Nun beantragte sie auch alle Ausweise neu. Und irgendwann hatte sie die Sache schließlich vergessen. Das Portmonee aber war noch da. Und über einen kleinen Umweg sollte es tatsächlich zu seiner Eigentümerin zurückkehren. Mehr als ein Jahr später, es muss in den ersten Monaten 2020 gewesen sein, öffnete Uta Trinkaus auf dem Reiterhof Gut Drebsdorf eine große Heurolle, die man von einem Landwirt als Futter für die Pferde gekauft und eingelagert hatte. Und aus dieser Rolle kam es zum Vorschein: Das kleine, braune Portmonee von Birgit Reinicke.

Freude über die Ehrlichkeit der Finder

Wem es gehörte war anhand der Ausweise schnell klar. Reiterhofchefin Alexandra Schatz brachte es zur Polizei nach Sangerhausen. Und dort - noch so ein Zufall - arbeitete damals Birgit Reinickes Sohn. Der rief seine Mutter an und fragte sie, ob sie was vermisse. „Und als er sagte, wir haben hier dein Portmonee, da bin ich bald umgefallen“, erzählt die 60-Jährige.

Der Landwirt, der die große Wiese am Wildenstall bewirtschaftet, hatte die Geldbörse offenbar beim maschinellen Heumachen unbemerkt mit in die Rolle eingewickelt. Feuchtigkeit und monatelange Lagerung hatten dem Leder übel mitgespielt und auch die Geldscheine - irgendwas zwischen 60 und 80 Euro - musste Birgit Reinicke auf der Sparkasse umtauschen. „Aber es war alles noch drin“, freut sie sich über die Ehrlichkeit, der Finder. Zwei Tage später ist sie zum Gut Drebsdorf rausgefahren und hat sich mit Blumen und einem guten Tropfen bedankt. Die Geschichte indes wird sie immer wieder daran erinnern, dass man die Hoffnung nie aufgeben soll. Und dass sie hier in der Region mit grundehrlichen Leuten zusammenwohnt. (mz/Grit Pommer)