Neueröffnung

Was zwei Sangerhäuserinnen mit ihrem Pflegedienst anders machen wollen

Sophie Zettel und Jenny Birr eröffnen nächste Woche ihren eigenen Pflegedienst. Wie es zur Idee kam und was sie vorhaben.

Von Roman Fürst
Jenny Birr (links) und Sophie Zettel freuen sich auf die neue Herausforderung. (Foto: Maik Schumann)

Sangerhausen

Das Büro ist fertig eingerichtet, der Dienstwagen steht auch bereit: Sophie Zettel und Jenny Birr eröffnen nächste Woche ihren eigenen Pflegedienst in Sangerhausen. „Wir haben beide schon einige Jahre Berufserfahrung im stationären und ambulanten Bereich gesammelt. Dadurch haben wir viele Eindrücke gewonnen, wie die Arbeitsbedingungen sind und wie sich das in den letzten Jahren verändert hat“, sagt Zettel. Sie sei seit 15 Jahren in der ambulanten Pflege tätig. „Zwischendurch habe ich die Schulung zur Pflegedienstleiterin gemacht“, so die 31-Jährige.

Flexibles Arbeitszeitmodell im Pflegedienst

Für sie sei es wichtig, „dass wir genug Zeit haben für unsere Klienten und dass die Mitarbeiter sich wohlfühlen und gerne zur Arbeit kommen“. Zudem seien geregelte Dienstzeiten und Urlaubszeiten wichtig. „Das alles habe ich in den letzten Jahren so nicht erlebt“, sagt Zettel. Man wolle „jungen Müttern die Möglichkeit geben, dass sie in Ruhe zur Arbeit fahren können und trotzdem ihre Kinder versorgen können“, erläutert Zettel.

Daran müssten die Dienstzeiten entsprechend angepasst werden. Aufgrund des Personalmangels in der Pflege müssten sich Arbeitgeber auch an die Bedürfnisse der Mitarbeiter anpassen können. „Eine solche Kompromissbereitschaft habe ich jedoch bisher nicht erlebt“, sagt Birr. Dies wolle man mit dem eigenen Pflegedienst nun ändern und ein flexibles Arbeitszeitmodell anbieten. „Ich habe zunächst mit der stationären Pflege angefangen. Dort bin ich seit 2009 und Fachkraft seit 2015“, so die 28-Jährige. Ursprünglich sei die ambulante Pflege für sie nicht in Frage gekommen. „Ich habe später dann doch reingeschnuppert und ich würde jetzt nie wieder in den stationären Bereich zurückgehen. Die ambulante Pflege macht mir viel mehr Spaß“, erzählt Birr.

Beginn mit drei Pflegekräften

Neben dem flexiblen Arbeitszeitmodell sei auch die Wertschätzung für die Mitarbeiter sehr wichtig. Um ein gutes Vertrauensverhältnis aufbauen zu können, müsse man zudem immer ein offenes Ohr für die Mitarbeiter haben. „Wir haben jetzt schon drei Pflegefachkräfte, die mit uns nächste Woche anfangen“, so Birr. Man habe aber nicht das Ziel, so groß zu werden, dass man den Überblick verliere. Vielmehr solle der Pflegedienst noch so klein bleiben, „dass unsere Ziele, was Wertschätzung und Anerkennung angeht, auch umgesetzt werden können“, erläutert Birr. Deshalb plane man, künftig maximal bis zu 15 Mitarbeiter für die Bereiche medizinische Behandlungspflege, Grundpflege, Betreuungs- und Entlastungsleistungen und die Palliativpflege einzustellen.

Man könne jedoch kein Team bilden, wenn alle vier bis acht Wochen jemand aufgrund der Arbeitsbedingungen kündige, sagt Zettel. Wenn man die Grundbedingungen für ein gutes Arbeitsklima schaffe, dann blieben die Pflegekräfte auch. (mz)