Schönheiten des Meeres

Schönheiten des Meeres: Warum eine Alge nach dem Sangerhäuser Eberhard Raap benannt ist

Sangerhausen - Der 78-Jährige hat ein seltenes Hobby: Mikroskopieren und Mikrofotografie.

Von Helga Koch 23.12.2017, 09:00

Sie ist klitzeklein, oval, 16 bis 36 Mikrometer lang und zehn bis 16 Mikrometer breit: die Alge namens Diploneis raapii. Benannt ist der Winzling nach dem Sangerhäuser Eberhard Raap, der sich seit Jahrzehnten mit Mikroskopie und Mikrofotografie beschäftigt und zurzeit an einer Ausstellung im „Schlauen Haus“ in Oldenburg beteiligt ist.

Dort sind bis Ende Januar „Die kleinsten Schönheiten des Meeres in 3D: Diatomeen, Radiolarien und Foraminiferen“ zu sehen. Raap ist es gelungen, solche Lebewesen Schicht für Schicht zu fotografieren und mit Hilfe eines Computerprogramms 3D-Bilder von ihnen zu erzeugen.

Die Alge war bisher unbekannt und wurde im Lunzer Untersee in Niederösterreich gefunden

Die bisher unbekannte Alge ist im Lunzer Untersee in Niederösterreich gefunden worden. Mehrfach war Raap mit Forscherkollegen dort, um Kleinstlebewesen im Wasser „aufzustöbern“ und zu untersuchen. Dass seine Forscherkollegen sie ihm zu Ehren benannt und ihm die Alge gewidmet haben, freut den 78-Jährigen umso mehr, wie er gesteht.

Schließlich beschäftigt er sich schon mehr als vier Jahrzehnten mit dem kniffligen Problem, wie sich winzigste Dinge fürs menschliche Auge sichtbar machen lassen. Schon zu DDR-Zeiten, erzählt Raap, hat er Arbeitsgemeinschaften in der Pieckschule (jetzt Grundschule Südwest) und der Ökologiestation betreut. Denn er wollte Kinder ans Mikroskopieren heranführen und ihre Neugier wecken. „Wir haben beispielsweise Blut unterm Mikroskop untersucht.“

Eberhard Raap verbringt viel Zeit mit seinem Hobby, dem Mikroskopieren

Wie viel Zeit der Sangerhäuser mit dem Mikroskopieren und dem Computer verbringt, kann er selbst kaum sagen. Ehefrau Gudrun schmunzelt über das ausgeprägte Hobby und hat Verständnis dafür, zumal sie ihren Mann bei den Reisen und beim Sammeln von Probematerial meistens begleitet hat. „Die Reisen waren immer sehr schön, wir haben viele nette Leute aus Österreich und der Schweiz kennengelernt. Wir Frauen sind gewandert, und die Männer haben die Moore untersucht.“ Die Freundschaften haben über Jahrzehnte gehalten, der fachliche Austausch dauert bis heute an.

Dass Raap jetzt gemeinsam mit Heribert Cypionka in Oldenburg winzige Einzeller der Meere wie Diatomeen (Kieselalgen), Radiolarien (Strahlentierchen) und Foraminiferen (Kammerlinge) anschaulich machen kann, freut ihn. „Wir wollen Menschen diese Dinge nahebringen und die Schönheit zeigen, die man eben nur mit einem Mikroskop sehen kann.“

Eberhard Raap sucht hartnäckig nach Lösungen  und hat schon in der Sangerhäuser Maschinenfabrik 27 Patente mit entwickelt

Wie die Präparate im Einzelnen bearbeitet werden, ist allerdings eine Wissenschaft für sich. Raap hat darüber schon manchen Vortrag gehalten. Damit die Bilder plastisch wirken, werden diese schichtweise einzeln fotografiert und dann mit Hilfe von Cypionkas Computerprogramm „Picolay“ zu einem scharfen Endbild „zusammengerechnet“.

Mit Hilfe der dabei auch erzeugten Tiefenkarte wird ein linkes und rechtes Betrachtungsbild berechnet. Das wiederum ermöglicht eine dreidimensionale Darstellung. Cypionkas Programm ist übers Internet verfügbar und unentgeltlich zu nutzen, sagt Raap.

Das sei übrigens eine seiner Eigenschaften, sagt der Sangerhäuser und schmunzelt: „Ich beiße mich an einem Problem fest. Und wenn ich bei der Lösung vorankomme, freue ich mich, schlafe drüber und hinterfrage alles kritisch. Nur so kommt man weiter.“ Er hat früher in der Sangerhäuser Maschinenfabrik 27 Patente mit entwickelt. (mz)