Burg Querfurt

Burg Querfurt: Was an den gefundenen Skeletten besonders ist

Querfurt - Bei den Grabungen in Querfurt haben Experten zahlreiche Skelette entdeckt. Munition zeugt von Kämpfen während des Dreißigjährigen Kriegs.

Von Michael Bertram 25.07.2018, 07:52

Behutsam wischt Sven Taube immer wieder mit dem Pinsel über die Stirn des am Boden liegenden Menschen - oder zumindest dem, was von ihm noch übrig ist. Feiner Staub rieselt von der Stirn des Schädels, der zwischen der Kirche und dem Museum inmitten der Burg Querfurt neben vielen weiteren Knochen gefunden wurde. Gleich zehn solcher Bestattungen haben die Mitarbeiter des Landesamts für Archäologie seit Juni zu Tage gefördert. Hinzu kommen diverse andere Funde, wie Kacheln, Schmuck und Munition aus dem Dreißigjährigen Krieg.

„Es ist ein großer Vorteil, dass wir das Baugeschehen und die Grabungen auf der Burg entflechten konnten“, betont der Leiter des Grabungsprojekts, Matthias Becker. Bis zum Jahresende können die Archäologen den gesamten Innenhof der Burg untersuchen, bevor dann im kommenden Jahr der Landkreis die Sanierung alter Leitungen in Angriff nehmen wird. 3,5 Millionen Euro werden investiert, um die Zukunft der mittelalterlichen Festung als kulturhistorischen Erlebnisort nutzbar zu machen.

Grabungen in Querfurt: Archäologen bei der Arbeit über die Schulter schauen

Erleben können die Burgbesucher trotz der baulichen Einschränkungen derzeit viel. Denn am Rande der Grabungen, die von einem Zwingerweg aus problemlos erreichbar sind, können sie den Archäologen bei der Arbeit über die Schulter schauen. Zehn Mitarbeiter sind laut Angaben derzeit damit beschäftigt, eine möglichst große Fläche freizulegen und zu dokumentieren. Ein festes Grabungsziel habe man nicht. „Wir nehmen es so, wie es kommt“, meint Matthias Becker und lacht.

Die Bestattungen, von denen schon bei früheren Grabungen mehrere Dutzend entdeckt worden, sollen geborgen werden. „Dann beginnt die Datierung über die Bestimmung von Bodenproben und auch eine anthropologische Untersuchung der Skelette“, sagte der Archäologe. Dann könne unter anderem das Geschlecht und vielleicht auch eine Todesursache bestimmt werden. „Angesichts der großen Zahl von Bestattungen ist nicht davon auszugehen, dass es sich bei den Personen ausschließlich um die Honoratioren handelt“, betonte Becker.

Grabungen in Querfurt: Kacheln und Fragmente von mindestens drei unterschiedlichen Öfen

Neben den Skeletten konnte das Grabungsteam aber auch viele weitere Entdeckungen machen. Im Bereich der eindrucksvollen Westtoranlage wurde zwischen den Kasematten und der Umfassungsmauer des Dicken Heinrichs eine teils mehr als einen Meter dicke Verfüllschicht gefunden. „Offensichtlich wurde dort im 17. oder 18. Jahrhundert Bauschutt verklappt“, berichtete Becker. Darunter allerdings - aus heutiger Sicht - auch einige Schätze.

Das Grabungsteam buddelte nämlich zahlreiche Kacheln und Fragmente von mindestens drei unterschiedlichen Öfen aus. Neben glasierten Kacheln des 16. Jahrhunderts fanden sich auch deutlich ältere Topfkacheln. Zudem tauchte die Inschrift „Hans Bermann“ auf einer der Kacheln auf. Zu sehen sind auch Abbildungen, die drei stehende Apostel zeigen, wie es hieß.

Grabungen in Querfurt: Teile von Tonpfeifen, aber auch kleinere Glasfragmente mit Fadenauflagen sowie alltägliche Dinge

Weitere Kleinfunde aus diesem Bereich sind Teile von Tonpfeifen, aber auch kleinere Glasfragmente mit Fadenauflagen sowie alltägliche Dinge. Auf einem Tisch hatten die Archäologen unter anderem Murmeln, eine Jesusfigur, einen Bronzering sowie einen Gürtelbeschlag präsentiert. Letzteren zierte ein kleiner Löwe.

Doch auch aus den unruhigen Zeiten der spätestens im 9. Jahrhundert erbauten Burg fanden sich bei den Grabungen Zeugnisse: „Wir haben unter anderem das Fragment einer Mörsergranate und eine steinerne Kanonenkugel gefunden, mit denen womöglich im Dreißigjährigen Krieg das Westtor beschossen wurde.“ (mz)