Toni und Nils Richter

Zwei Fußballer halten ihrem Verein Askania Ballenstedt die Treue

„Wenn es knifflige Situationen gibt, dann ist eine andere Emotionalität da“, sagt Stürmer Nils. Sein jüngerer Bruder agiert im Mittelfeld.

Von Thomas Baake
Toni (links) und Nils Richter spielen beim FSV Askania Ballenstedt.
Toni (links) und Nils Richter spielen beim FSV Askania Ballenstedt. Foto: Thomas Baake

Ballenstedt - Brüderpaare im Sport, und speziell im Fußball, sind keine Seltenheit. So kickt auch beim Harzoberligisten FSV Askania Ballenstedt das Duo Nils und Toni Richter zusammen in Gelb-Schwarz. Nils (27) ist für die Tore zuständig, Toni (24) agiert im Mittelfeld.

„So viele sportliche Angebote gibt es in Ballenstedt nicht. Ich habe ziemlich spät mit dem Fußball angefangen. Das war in der C-Jugend. Die ganzen Freunde haben gespielt, da hat man mitgemacht“, erinnert sich Nils Richter. Bruder Toni legte schon eher am runden Leder los.

„Ich habe schon mit sechs, sieben Jahren mit dem Fußball zusammen mit einem Kumpel, den ich noch aus dem Kindergarten kenne, angefangen. Es ging nach und nach immer weiter. In der C-Jugend habe ich bei Germania Halberstadt und in der A-Jugend beim QSV gespielt, bevor ich wieder zu Askania zurückgekommen bin.“

Die Vereinstreue ist bei beiden vorhanden, auch wenn der Jüngere aktuell ein Studium für Sozialmanagement in Nordhausen absolviert. „Ich muss es so arrangieren, dass ich zum Spiel da bin. Ansonsten betätige ich mich auch in Nordhausen sportlich“, so der 24-Jährige über den terminlichen Spagat.

Etwas leichter hat es da Stürmer Nils Richter als Versicherungsfachmann im Innendienst. „Man kann Sport und den Beruf gut miteinander vereinen. Zum Training kann ich immer gehen. Bei Verletzungen fragen die Arbeitskollegen aber schon mal nach, ob der Fußball das richtige Hobby sei“, so Nils Richter weiter.

„Bei Verletzungen fragen die Arbeitskollegen aber schon mal nach, ob der Fußball das richtige Hobby sei.“

Nils Richter, Versicherungskaufmann und Fußballer

Apropos Verletzungen: Da hat er sich schon einige Blessuren zugezogen, ob ein gebrochenes Sprunggelenk oder einen gebrochenen Arm. Fußballer sind hart im Nehmen, können aber auch sehr sensibel sein. „Der Armbruch von Nils im Spiel war für mich schwierig. Ich wusste nicht, wo es da mit mir hingeht und ob ich weiterspielen kann. Das hat mich schon emotional mitgenommen“, erinnert sich Mittelfeldakteur Toni Richter.

Beide standen schon zusammen auf dem Spielfeld und auch beim Training. Wie fühlen sich die Brüder Richter dabei? „Grundsätzlich ist es auf dem Platz so, wie mit jedem anderen Mitspieler auch. Es ist aber auch so, wenn es knifflige Situationen gibt, dann ist eine andere Emotionalität da“, sagt der gelernte Versicherungskaufmann.

Im Training sporne man sich mehr an und wolle den anderen übertrumpfen. „Gerade wenn der Bruder schneller läuft, da packt man sich auch mal an die eigene Nase und zieht die Laufrunde schneller durch“, sagt Toni Richter. Beide seien stark beim Laufen auf dem Feld. In der Corona-Pandemie mit der Amateursportpause haben sich die beiden mit Steigerungsläufen am Berg fit gehalten.

Für sie steht fest: Toni ist der bessere Fußballer und Nils hat die höhere Emotionalität. Speziell gefördert wurden sie durch ihr privates Umfeld. „Unsere Eltern sind stolz auf uns und sie sind große Förderer, wie unser Opa, der leider schon verstorben ist, einer war. Sie stehen hinter uns und kommen auch zum Spiel“, berichtet der 27-jährige Nils Richter und fügt hinzu: „Man hat eine andere Bindung zum Spiel und strengt sich mehr an, wenn man weiß, dass die Eltern zuschauen.“

„Wenn der Bruder schneller läuft, da packt man sich auch mal an die eigene Nase und zieht die Laufrunde schneller durch.“

Toni Richter, Student und Fußballer

Gerade in Jugendzeiten haben die Eltern ihre Söhne zu jedem Heim- und Auswärtsspiel sowie Training gefahren. Das Gefährt war ein VW T4 – ihr Party-Bus. Man könne sich glücklich schätzen, solche Eltern zu haben, sind sich beide einig. So ging es beispielsweise für Toni Richter in der Jugend viermal pro Woche zum Training nach Halberstadt. Aber zum Glück war die Verwandtschaft da und Fahrservice mit Wartezeiten im Einsatz.

„Unser Opa stand mit seinem Auto bei den Heimspielen meist unten auf dem Repo-Parkplatz, und sobald er uns auf dem Feld sah oder wir ein Tor erzielten, drückte er kräftig auf die Hupe“, erinnert sich der 24-jährige Student. Einen Blick in die fußballerische Zukunft darf natürlich nicht fehlen, gerade weil die Amateursportpause sich so langsam dem Ende zuneigt.

„Jetzt wird es bei Askania interessant. Wir haben die A-Jugend hochgezogen und somit eine größere Spielerdecke. Zudem haben wir auch einen neuen Trainer. Mal schauen, was mit frischem Blut so möglich ist“, sagt Nils Richter optimistisch und ergänzt: „Ich möchte verletzungsfrei spielen. Mal sehen, wie sich alles nach der Sprunggelenkverletzung weiterentwickelt.“

Die Schrauben und Platten wurden während der Amateursport-Pause bereits entfernt. Man habe ein ungefähres Ziel, wie lange die Richters dem Ball noch hinterherjagen wollen. Es komme aber auch auf die Entwicklung des Privatlebens an. Stichwort: Familie gründen sowie auf den eigenen Körper hören. (mz)