Tag der Astronomie

Tag der Astronomie: Wer ist überhaupt Lunt?

Quedlinburg - Der Astronomie-Tag ermöglicht besondere Blicke in den Sternenhimmel. Auch die Quedlinburger Hobby-Astronomen öffneten ihre Sternwarte.

Von Bianca Müller 27.03.2017, 10:35

Wenn Hobbys witterungsabhängig sind, ist immer auch ein bisschen Glück im Spiel. Die Mitglieder des Vereins „Sternwarte Quedlinburg“ kennen das und wähnen Fortuna am Samstag mindestens in der Nähe des Strohbergs.

Es ist „Tag der Astronomie“, bis zu 200 Planetarien und Sternwarten laden zu Aktionen und öffentlichen Beobachtungen ein, auch die Quedlinburger. Die Vereinsmitglieder wollen Besuchern zeigen, wie nah man der Sonne sein kann.

„Das Wetter ist ein Traum“, freut sich Heike Kowalczyk. Sie ist Kassenwartin des 2010 gegründeten Vereins, der aus der Abteilung „Astronomie und Raumfahrt“ des Kultur- und Heimatvereins Quedlinburg hervorging, als „gute Seele“ begrüßt sie die Besucher, die sich hier auf einem der höchsten Punkte der Stadt befinden.

Teleskope wirken wie Fremdkörper

Inmitten der Bäume und Wiesen, die Sternwarte liegt immerhin noch ein paar Meter über den letzten Häusern des Münzenbergs, wirken die zwei großen Teleskope wie Fremdkörper. Vergessen von einem Raumschiff.

Das denkt man erst recht, wenn man einen Blick durch die teuren Apparaturen wirft, die die Vereinskollegen von Heike Kowalczyk geduldig erklären und immer wieder passgenau einstellen.

Einer von ihnen ist Lutz Brinkmann, er erzählt vom „Lunt“, als wäre das ein Vereinskamerad. Tatsächlich verbirgt sich dahinter der Name eines Sonnenteleskops, das mit einem Rotfilter einen Blick direkt in die Sonne ermöglicht, „damit kann man Protuberanzen sehen“.

Protube-was? „Man nennt das auch Sonnenfackeln, Materieströme, die auf der Sonne zu sehen sind.“

Ein kleiner Ausflug in die Astronomie

Die Besucher loben den Ausflug in die Astronomie, auch wenn es mal etwas fachlicher werden kann: „Das ist doch super“, sagt Elisabeth Gent lachend, „ich hab keine schlechten Erinnerungen an den Astronomieunterricht, nur weiter.“

Wenige Meter neben dem Lunt ist ein Cassegrain-Spiegelteleskop aufgebaut, das das Sonnenlicht durch einen weiteren Spiegel seitlich zum Auge führt. Hier ist es ein Weißlichtfilter, durch den man Sonnenflecken gut erkennen kann. Mit dem Sonnenuntergang verschwindet Lunt.

Kameras stehen bereit

Nun geht es ans Sternegucken. Weil im Verein auch ambitionierte Astrofotografen sind, stehen auch Kameras bereit, um die Sternbilder näher an den Stroherg zu holen. Inzwischen ist auch der Orionnebel zu erkennen – eine Art Gaswolke im Sternbild Orion.

Einige Amateurastronomen suchen bei dieser Gelegenheit den Austausch mit den Sternwarte-Mitgliedern, während ein anderer Besucher sich Ratschläge für seine neu erworbene Teleskoptechnik holt.

Bisher postierten sich die Astronomiefreunde zu diesem Anlass immer auf dem Marktplatz, „aber jetzt haben wir ja hier ein eigenes Zuhause“, sagt der Vereinsvorsitzende Hendrik Brücke.

Kinder fragen Löcher in den Bauch

Unter den insgesamt 100 Besuchern sind auch Kinder. „Einer hat uns richtige Löcher in den Bauch gefragt“, erzählt Brücke hocherfreut. Dass sich unter vielen Gesprächen „fünf potenzielle Mitglieder herauskristallisierten“, ist für ihn ein Highlight. Auch die Volks- und Schulsternwarte ist neben den Himmelsbeobachtungen immer wieder Thema.

Den Namenszusatz „Fritsch“ soll sie tragen, benannt nach dem Quedlinburger Pfarrer und Hobbyastronomen Johann-Heinrich Fritsch. „Anfangs dachten viele Menschen, hier wird eine Moschee gebaut“, erzählt Heike Kowalczyk von den ersten Tagen, nachdem die Kuppel auf den Berg gehoben wurde.

Als die letzten Sternengucker um 21 Uhr gehen, denken die Mitglieder schon an kommenden Freitag – im Rahmen des Bücherfrühlings findet auf der Sternwarte der Auftakt der Kinderlesenacht statt. Am 7. April gibt es einen öffentlichen Arbeitseinsatz mit kleinem Grillfest für die Helfer, bevor abends eine Mondbeobachtung stattfindet.

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Der Bau der Volks- und Schulsternwarte befindet sich nach über 1 500 Arbeitsstunden auf der Zielgeraden, im Sommer soll der Betrieb aufgenommen werden. Nachdem der Verein 2007 die Zeiss-Sternwartenkuppel einer Oscherslebener Schule vor dem Abriss bewahren konnte, ist man seit 2015 mit der Unterstützung regionaler Firmen mit dem Ausbau des alten Schieberhauses auf dem Strohberg beschäftigt. Im September 2017 soll das jetzige Pachtgelände offiziell in den Vereinsbesitz übergehen. Die Instandsetzung und der Neubau von Außenhaut, Decke, Dachstuhl und Dachhaut sowie Sanierung und Aufsetzen der Kuppel sind inzwischen abgeschlossen. In den nächsten Wochen wird im Kuppelraum noch eine Wand eingezogen, um Wärmestrahlung zu verhindern, und auch ein Podest für das Teleskop fehlt noch. Während der Vorbau des Hauses abgerissen werden soll, wird im Untergeschoss noch eine Zwischendecke eingezogen. (mz)