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Survival-HacksÜberleben im Harz: Diese sechs Tipps für den Notfall retten Wanderer im Winter

Wanderer sind im Harz vor allem auf Tagestouren unterwegs. Doch mit kleinem Gepäck ausgestattet, kann ein Trip bei plötzlichem Wetterumschwung im Mittelgebirge schnell gefährlich werden. Überlebens-Trainer Rene Golz hat uns die sechs wichtigsten Tipps für eine unverhoffte Nacht in der Winterkälte verraten, die Wanderer wissen sollten.

Von Luise Schendel Aktualisiert: 22.11.2023, 16:01
Im Winter fällt das Überleben in der Wildnis schwerer als im Sommer. Der Survival-Trainer Rene Golz aus Benneckenstein/Oberharz hat uns die sechs wichtigsten Tipps für einen Wetterumschwung im Winter im Harz verraten. Bild:
Im Winter fällt das Überleben in der Wildnis schwerer als im Sommer. Der Survival-Trainer Rene Golz aus Benneckenstein/Oberharz hat uns die sechs wichtigsten Tipps für einen Wetterumschwung im Winter im Harz verraten. Bild: Rene Golz/Survivaltours Harz

Harz - Das Wetter im Harz kann launisch sein. Vor allem in der kalten Jahreszeit sind Wanderer und Tagestouristen kaum vor einem plötzlichen Umschwung des Wetters gefeit. Was zu tun ist, wenn plötzlicher Schneefall im Mittelgebirge die Sicht versperrt und die Nacht doch schneller hereinbricht als erwartet, hat uns Überlebens-Experte Rene Golz von Survivaltours aus Benneckenstein verraten. 

Der Survival-Trainer hat regelmäßig Gruppen auf seinem großen Grundstück im Harz. Dort lernen Menschen mit unterschiedlichen Vorstellungen vom Überlebenstraining, wie sie in der Wildnis überleben können. Vor allem handele es sich natürlich um Interessierte jeder Art, so Golz.

Wandern im Harz: Tipps von einem Survival-Experten

Nicht selten habe er Gruppen von Büro-Leuten da, die sich bei ihm eine Auszeit vom Alltag nehmen würden. Vereinzelt ziehe es aber auch so genannte Prepper in seine Trainings. Menschen also, die sich gezielt bevorraten und nicht selten auf apokalyptische Szenarien vorbereiten würden.

Gute Laune hat beim Überleben in der Wildnis des Harzes einen hohen Stellenwert.
Gute Laune hat beim Überleben in der Wildnis des Harzes einen hohen Stellenwert.
Bild: Rene Golz/Survivaltours Harz

"Das erfährt man manchmal durch Gespräche", erklärt Golz. Zwischen "viel Spaß und dummen Witzen", die er für jeden  Teilnehmer seiner Wochenend-Kurse bereit hält, komme es ab und zu auch mal zu ernsteren Themen. "Wenn ich merke, dass die Gedanken in eine bestimmte Richtung gehen, frage ich nicht weiter. Ich hänge keinen Extremen an." Bei Bedarf teile er lieber Broschüren des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe aus. "Da stehen viele nützliche Tipps drin."  

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Dennoch sei es auch immer ratsam, sich zu helfen zu wissen, würde ein Wanderer vom Wetter oder dem schnellen Einbruch der Nacht im Harz überrascht. Vor allem im Winter sei dies kniffelig, weil die Kälte schnell zur Auskühlung führen würde.

Dichtes Baumgrün ist wichtig, um sich selbst vor Unterkühlung zu bewahren.
Dichtes Baumgrün ist wichtig, um sich selbst vor Unterkühlung zu bewahren.
Bild Rene Golz/Survivaltours Harz

Überlebens-Tipp Nummer 1: "Sei vorbereitet!"

Generell rät Golz daher zu einem sorgsam gepackten Rucksack. "Immer mit dabei haben sollte ein Wanderer ein funktionierendes Feuerzeug und ein oder zwei Grillanzünder", so der Experte. Hinzu kämen eine Rettungsdecke, eine Wasserflasche, die mit dem trinkbaren Bachwasser aus dem Mittelgebirge befüllt werden könne, und ein Schokoriegel. Dann sei der Tageswanderer bereits gut vorbereitet für die Harz-Begehung. Außerdem seien ein Mobiltelefon und das Checken einer Wetterapp nicht verkehrt. 

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Überlebens-Tipp Nummer 2: "Schau dir was Lustiges an!"

Sei eine Gefahrensituation, wie etwa ein Schneesturm, erstmal erkannt, mache sich schnell Panik breit, erklärt Golz. Dann helfe es, erstmal zehn Minuten etwas anderes zu machen. Und das solle bestenfalls Spaß machen, weil Ablenkungen den "Adrenalin-Kick nach unten bringen" würden. Die Folge: Der Mensch hat wieder einen kühlen Kopf und kann besser handeln.

Ein Lager aufzuschlagen, ist insbesondere bei plötzlichem Einbruch der Nacht notwendig.
Ein Lager aufzuschlagen, ist insbesondere bei plötzlichem Einbruch der Nacht notwendig.
Bild: Rene Golz/Survivaltours Harz

Überlebens-Tipp Nummer 3: "Handy-Empfang überprüfen!"

Wenn das Handy funktioniert und Hilfe bei der Bergwacht geholt werden kann, ist das prima und macht alle weiteren Punkte beinahe überflüssig.

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Überlebens-Tipp Nummer 4: "Nicht bewegen!"

In der Dunkelheit oder bei dichtem Schneetreiben kann ein Schritt in die falsche Richtung zu Verletzungen führen, so Golz. Daher rät er, sich nicht weit weg von der Stelle zu bewegen. Trotzdem schade es nicht, sich in der direkten Umgebung nach hohen Bäumen umzuschauen.

Um auch in Schnee und Eis überleben zu können, muss ein Wanderer genau wissen, was er tun muss.
Um auch in Schnee und Eis überleben zu können, muss ein Wanderer genau wissen, was er tun muss.
Bild: Rene Golz/Survivaltours Harz

Überlebens-Tipp Nummer 5: "Bäume sind Freunde!"

Vor Wind, Schnee und Regen schützen große Bäume wie Fichten oder Tannen. "Sie wirken wie ein natürlicher Regenschirm. Die Äste fangen die Feuchtigkeit ab und bremsen von oben herunterfallende Äste oft ab." Außerdem würden insbesondere Tannen die Möglichkeit bieten, Zweige luftig zu stapeln, um "vom Boden wegzukommen, wenn keine Isomatte vorhanden ist", so Golz. Außerdem könne man sich mit den Zweigen auch zudecken, so es genug von ihnen gebe.

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Überlebens-Tipp Nummer 6: "Finde trockenes Holz!"

Gerade dieser Tipp lässt sich im Herbst und Winter nicht leicht umsetzen. Dennoch finde man unter hohen und dichten Bäumen immer wieder trockenes Holz oder Reißig, mit dem der im Harzer Wald Gestrandete Feuer machen könne. "Das ist nicht nur wichtig, weil man dann nicht erfriert, sondern auch, weil man vielleicht auch noch besser gesehen werden kann."

Ein Feuer hilft im Winter, die Kälte fernzuhalten und auf sich aufmerksam zu machen.
Ein Feuer hilft im Winter, die Kälte fernzuhalten und auf sich aufmerksam zu machen.
Bild: Rene Golz/Survivaltours Harz

Auf eines müsse man sich dabei aber einstellen: "Feuer bohren, also Holz auf Holz reiben, geht meist nicht im Herbst und Winter, wegen der Feuchtigkeit."

An dieser Stelle kommt das mitgebrachte Feuerzeug zum Einsatz.