St.-Nikolai-Kirche St.-Nikolai-Kirche : Steinsichtig oder farbig

Quedlinburg - Unter einem Großteil der Deckengewölbe in der St.-Nikolai-Kirche sind wegen erforderlicher Sanierungsarbeiten Netze gespannt.
Dort, wo die Sandstein-Gewölberippen zu sehen sind, zeigt sich: Sie sind steinsichtig. Auf der Empore ist das anders. Hier sind zwei Rippen farbig gestaltet worden. Grundlage dafür war eine frühere Farbfassung der Kirche, die es bis in die 1960er Jahre gab.
„Es ist ein erster Fußstapfen“, sagt Architekt Oliver Helff. Ein Fußstapfen als Grundlage für eine Diskussion, ob die Kirche wieder farblich gestaltet werden soll.
St.-Nikolai-Kirche in Quedlinburg: Untersuchung auf Farbbefunde
Ausgangspunkt dafür war, dass große Teile der Deckenkonstruktion saniert werden müssen. „Wenn Bauteile abgenommen werden müssen, werden sie immer auf Farbbefunde untersucht. Das ist auch hier passiert“, sagt Oliver Helff.
In den vier Jochen - Gewölbeabschnitten -, in denen bislang Sanierungsarbeiten erfolgten, seien Malschichten gefunden worden. „Sie haben einen Eindruck davon vermittelt, wie die Kirche in der Zeit, als die Rippen eingebaut wurden, farblich gestaltet war.“
St.-Nikolai-Kirche in Quedlinburg: Musterflächen wurden angelegt
Der Restaurator habe diese Ergebnisse aufgegriffen und zwei Rippen als Musterfläche angelegt.
Sie wurden mit Rot und Anthrazit gestaltet und haben vor dem Schlussstein an der Spitze des Gewölbes eine Quer-Bänderung erhalten.
„Eine solche wurde durch den Restaurator in Teilen gefunden“, erklärt der Architekt.
Neben den Rippen gibt es einige florale Elemente. Solche seien bei den Untersuchungen zwar nicht entdeckt worden,
„Es gibt aber ein altes Bild, das die Nikolaikirche in der damaligen Fassung zeigt. Dort war ein floraler Begleitstrich sehr gut erkennbar“, so Oliver Helff. Deshalb sei er bei den Muster-Rippen auch angedeutet worden.
St.-Nikolai-Kirche in Quedlinburg: Welche Resonanz diese Muster-Rippen bislang finden?
„Der Farbton, wie er jetzt angelegt ist, ist allen zu dunkel“, sagt der Architekt, der aber auch deutlich macht: „Wenn wir auf das historische Konzept zurückgehen, müssen es auch die Farben des Befundes sein.“
Der aber könnte durchaus ein nachgedunkelter sein: Viele Rippen wurden um 1890 eingebaut.
„Es war nicht unüblich, alle 20, 30 Jahre einen Renovierungsanstrich vorzunehmen. Und unter dieser Fast-Gewissheit kann man sagen, dass sich auch die Farbschichten verändert haben, durch Firnis nachgedunkelt sind.“
Ob es so gewesen sei, solle im nächsten Bauabschnitt der Gewölbesanierung herausgefunden werden. Hier seien Laboruntersuchungen von früheren Farbschichten vorgesehen.
St.-Nikolai-Kirche in Quedlinburg: Farbfolgen müssen festgelegt werden
Weitere Untersuchungen soll es auch in der Kirche geben. Denn eine Neugestaltung müsste in allen sandsteinsichtigen Bereichen im gesamten Kirchenschiff fortgesetzt werden.
„Sie hatten früher die anthrazit-rote Fassung“, so Oliver Helff.
Doch um die Farbfolgen genau festlegen zu können, müssten beispielsweise die Säulen und die Bereiche um die Fenster untersucht werden.
Neben diesen weiteren Untersuchungen soll auch ein Konzept erarbeitet werden. „Es soll zeigen, wie die gesamte Kirche aussehen könnte, wenn in kompletter Konsequenz eine Farbfassung angelegt wird“, so der Architekt.
Und dann gelte es zu entscheiden, ob das gewollt sei: durch die Kirchengemeinde selbst, die Denkmalbehörden von Land und Landkreis und die kirchliche Bauaufsicht.
St.-Nikolai-Kirche in Quedlinburg: Der Zeitrahmen steht fest
Der Zeitrahmen dafür steht: Mit dem Ende des zweiten Bauabschnitts, in dem die Gewölberippen im Landhaus saniert werden, sollen diese auch ihre Endfassung erhalten, erklärt der Architekt.
Auf der Empore sei es unproblematisch, noch einmal ein Gerüst zu stellen - „im Langhaus wäre das schon ein erheblicher Kostenfaktor“.
Sollte entschieden werden, dass der Sandstein steinsichtig bleibt, könnten die beiden farbigen Rippen als Muster für nachfolgende Generationen belassen werden.
„Auch das ist andiskutiert“, so Helff. „Es ist auf jeden Fall Diskussionspotential da.“ (mz)