Care Campus Harz

Schulverbund für Nachwuchs in Gesundheitsberufen

Vier Partner aus dem Kreis gründen Schulgesellschaft: den Care Campus Harz. Welche Gründe es dafür gibt und wie es weitergeht.

Von Petra Korn
Partner beim Care Campus Harz: Landrat Thomas Balcerowski, Hans Jaekel (Evangelische Stiftung Neinstedt), Peter Redemann (Harzklinikum), Martin Montowski (Diakonie-Krankenhaus), Reinhard Holmer (Diakonissen-Mutterhaus), Thomas Schilling (Care Campus Harz) (v.l.). Foto: T. Koch/Harzklinikum

Quedlinburg - Vier Partner aus dem Landkreis Harz wollen ihre Kompetenzen bei der Ausbildung in Gesundheits- und Sozialberufen bündeln. Dafür haben sie gemeinsam den Care Campus Harz gegründet, eine neue, gemeinnützige Schulgesellschaft mit Sitz in Quedlinburg, wo auch durch Neubau oder Sanierung eine neue Schule entstehen soll.

Zuletzt hatte der Kreistag im nichtöffentlichen Teil seiner jüngsten Sitzung mehrheitlich beschlossen, dass das Harzklinikum sich an der neuen Gesellschaft beteiligen kann und war damit dem Beschluss von Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung des Klinikums gefolgt. Der Care Campus ist ein Verbund des Diakonie-Krankenhauses und des Diakonissen-Mutterhauses - beide Elbingerode -, der Evangelischen Stiftung Neinstedt und des Harzklinikums, erste Details sind am Freitag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz vorgestellt worden.

„Wir müssen uns zusammenschließen, um die Gesundheitsversorgung im Landkreis sicherzustellen“, sagt Thomas Balcerowski (CDU), Landrat und Aufsichtsratsvorsitzender des Harzklinikums. Mit dem Campus „wollen wir im Wettbewerb um die jungen Menschen insgesamt attraktiver werden, denen, die sich für den Pflegeberuf entscheiden, ein verbessertes, größeres Angebot machen“.

Wobei Sitz der neuen Gesellschaft wie Standort der neuen Schule in Quedlinburg sein würden, der Landkreis aber ebenso nach Elbingerode und Neinstedt schaue. „Der Landkreis hat Interesse, dass sich auch dort die Dinge entwickeln“, erklärt Balcerowski.

„Wir müssen uns zusammenschließen, um die Gesundheitsversorgung im Landkreis sicherzustellen.“

Thomas Balcerowski (CDU), Landrat

Peter Redemann, Geschäftsführer des Harzklinikums, unterstreicht den der Campus-Idee zugrundeliegenden Aspekt der Ausbildung: „Das ist ganz wichtig, um unseren Nachwuchs zu sichern.“ In den Einrichtungen gebe es unterschiedliche Anforderungen, es gebe Assistenzberufe, wo es kaum noch Nachwuchs gebe, und eine zunehmende Spezialisierung im medizinischen Bereich. Die Krankenpflegeschule von früher gebe es nicht mehr, sagt Redemann. Es sei wichtig, diese Tradition zu pflegen, „wir müssen aber nach vorn schauen, die Potenziale unserer Schulen, die wir haben, erhalten und zusammenbringen“.

Hans Jaekel, Diakon der Evangelischen Stiftung Neinstedt, nennt es „eine Erweiterung dessen, was jeder für sich gemacht hat“, und sieht einen Vorteil darin, wenn eher pädagogisch und eher pflegerisch ausgerichtete Berufe eng aneinander gebracht würden und in Quedlinburg ein attraktiveres, größeres Ausbildungsangebot für bis zu 400 Menschen entstehe. „Ich bin fest davon überzeugt: Wer kooperiert, wird gewinnen“, sagt Jaekel.

Wobei die neue Schulgesellschaft auch ein „Stück weit eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe habe“, noch mehr als schon jetzt auch Vermittler für kleinere Pflegeeinrichtungen sein könne, wie Reinhard Holmer, Geschäftsführer des Diakonissen-Mutterhauses, und Martin Montowski, Geschäftsführer des Diakonie-Krankenhauses, erklären.

Sie und Peter Redemann haben die Struktur einer gemeinsamen Schule vorbereitet und zusammen mit Hans Jaekel weiterentwickelt. Zudem haben Mutterhaus und Diakonie-Krankenhaus im Mai vergangenen Jahres die Akademie für Gesundheits- und Sozialberufe gegründet, die von Geschäftsführer Thomas Schilling geleitet wird und bereits den Betrieb der Elbingeröder Pflegeschule übernommen hat.

„Wir wussten, das ist nicht das Ende. Wir wollten weitere Beteiligte gewinnen“, sagt Martin Montowski. Mit dem nun geplanten Übergang der Pflegeschulen in Neinstedt und Quedlinburg in die neue Care Campus Harz gGmbH wird diese Schulgesellschaft komplettiert werden.

Die einzelnen Schulstandorte bleiben vorerst weiter bestehen. „Wir werden eine Arbeitsgruppe bilden und die Schulstandorte genau analysieren“, sagt Thomas Schilling, der auch Geschäftsführer der Care Campus Harz gGmbH ist. Ob und wie schnell es an einem neuen Standort in Quedlinburg losgehen wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab.

„Wir werden eine Arbeitsgruppe bilden und die Schulstandorte genau analysieren.“

Thomas Schilling, Geschäftsführer der Care Campus Harz gGmbH

So müsse erst einmal klar sein, wie viele Schüler es geben solle und welche Ausbildungsgänge. „Dazu gibt es Ideen“, sagt Schilling. Es gebe eine Konzeptvorlage, die nun in die Diskussion mit den Schulleitungen gehen müsse. Thomas Schilling denkt dabei nicht nur an die Ausbildung junger Menschen, sondern auch an die von Quereinsteigern und daran, jenen, die schon in den Einrichtungen arbeiten, aber noch keine Ausbildung haben, ein Angebot zu machen. Ein weiterer Faktor: Fördergeld, um den neuen Schulstandort in Quedlinburg umsetzen zu können.

Quedlinburgs Oberbürgermeister Frank Ruch (CDU) freut sich über die Entscheidung, dass der Standort der neuen Schule für Gesundheits- und Sozialberufe in Quedlinburg sein wird. „Das ist eine große Wertschätzung der Welterbestadt“, sagte er. Die Stadt werde sich „sehr gern Gedanken machen, wo könnte ein solcher Schulcampus entstehen“.

„Für mich hat das, was wir hier machen, Beispiel- und Signalcharakter“, fasst Thomas Balcerowski mit Blick auf den Bildungsverbund Care Campus Harz zusammen. „Wir schaffen Strukturen für die nächsten 20, 30 und darüber hinausgehenden Jahre.“ Denen aus Sicht des Landrates bei einem Erfolg auch weitere Kooperationen der Beteiligten folgen könnten. (mz)