Fußgängerzonen im Landkreis Harz

„Radfahrer nehmen das Bußgeld in Kauf“

Landespolizei startet neue Kampagne, um die Sicherheit von Radfahrern zu erhöhen. Welche Mängel bei Kontrollen festgestellt wurden.

Bärbel Arndt lässt sich am Infostand der Polizei in Quedlinburg von Polizeikommissar Sebastian Fabich zur Sicherheit auf dem Rad beraten. Foto: A. Hartung

Quedlinburg - Der Quedlinburger Marktplatz wirkt wie leer gefegt. Gerade dieser Umstand scheint viele Fahrradfahrer kurzzeitig vergessen zu lassen, dass das Radfahren hier von 10 bis 18 Uhr verboten ist. Erst als sie Polizeikommissar Sebastian Fabich und seine Kollegen sehen, die an einem Infostand an der Ecke zur Steinbrücke stehen, steigen die meisten ab. Sie wissen offensichtlich, dass sie etwas Falsches getan haben.

Die Polizeibeamten kontrollieren an diesem Donnerstag Radfahrer, nicht nur um Verwarnungen auszusprechen, sondern um für die Gefahren im Straßenverkehr zu sensibilisieren. Damit beteiligen sie sich an der landesweiten Präventionskampagne „#MenschaufmRad – Sicher durch den Verkehr“.

Am Donnerstag startete die Aktion auch im Harzkreis mit präventiven Angeboten, Informationsständen und Kontrollen in den Innenstädten. „Die Verbesserung der Sicherheit der Radfahrerinnen und Radfahrer ist ein wichtiger Baustein, um die Sicherheit auf Sachsen-Anhalts Straßen insgesamt zu erhöhen“, erklärt Sachsen-Anhalts Innenminister Michael Richter.

Bei Kontrollen von Radfahrern in den Innenstädten gibt es einiges zu beanstanden

Für die Polizeibeamten im Harz hat der Tag bereits um 7 Uhr an den Schulwegen in der Region begonnen, wo sie neongelbe Warnwesten verteilten und die Verkehrssicherheit der Kinderräder prüften. Nach Angaben des Polizeireviers Harz stellten die Beamten ein Fahrrad im Weißen Garten in Harzgerode sowie zwei Fahrräder in der Konradsburger Straße in Ermsleben fest, die nicht verkehrssicher waren.

In Quedlinburg habe es bei keinem der Räder etwas zu beanstanden gegeben, erklärt Polizeikommissar Sebastian Fabich. „Alle Kinder haben einen Helm getragen.“ Ein gutes Ergebnis, denn eine Helmpflicht gibt es in Deutschland bislang nicht. Anders sieht es da aus bei Beleuchtung, Klingel, Reflektoren und Bremsen. Die müssen vorhanden und in gutem Zustand sein, damit ein Fahrrad als verkehrssicher eingestuft werden kann.

Bei den anschließenden Kontrollen in den Innenstädten gibt es einiges zu beanstanden. Nach Angaben des Polizeireviers Harz kontrollierten die Beamten im Harzkreis insgesamt 139 Radfahrer und leiteten 24 Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen Radfahrer ein, die widerrechtlich Fußgängerzonen in den Innenstädten befuhren.

Dass das Fahren in Fußgängerzonen auf dem Fußweg verboten ist, wüssten die meisten der kontrollierten Personen, erklärt Fabich. „Aber die Gleichgültigkeit ist auch groß. Die Leute nehmen das Bußgeld in Kauf.“ So wie der junge Mann, der kurz nach 11 Uhr über die Steinbrücke auf die Polizisten zugefahren kommt. Er wird von den Beamten angehalten und über sein Fehlverhalten aufgeklärt.

„Alle Kinder auf Fahrrädern haben einen Helm getragen.“

Sebastian Fabich, Polizeikommissar

15 Euro Bußgeld drohen ihm für das Fahren in einer Fußgängerzone. Er zeigt sich einsichtig. „Ich bin vorsichtig gefahren, aber das durfte ich dort nicht. Von daher ist das schon richtig.“ Beim näheren Hinsehen fällt den Beamten auf: An seinem Rad fehlen Scheinwerfer und Reflektoren an Pedalen und Speichen. Das wären noch einmal mindestens 20 Euro Strafe. Diesmal kommt der Mann mit einer mündlichen Verwarnung davon und setzt seinen Weg schiebend fort.

Bärbel Arndt aus Quedlinburg ist ohne Fahrrad an den Informationsstand gekommen und blättert durch die Broschüren. Sie findet den Aktionstag interessant, „weil man sich mal informieren kann“. Sie habe als Radfahrerin weniger Probleme mit Autofahrern, berichtet sie. Aber auch sie gibt zu, mit dem Rad durch die Fußgängerzone zu fahren, wenn diese leer sei.

Dass präventive Maßnahmen wie der Aktionstag, Fahrtraining und Kontrollen ihre Wirkung nicht verfehlen, zeigt ein Blick auf die Unfallzahlen. So gab es im Jahr 2020 187 Verkehrsunfälle mit Fahrradfahrern im Landkreis Harz. Im Vorjahr waren es noch 214.

Knapp die Hälfte der Unfälle sei von den Fahrradfahrern selbst verursacht worden. Laut der vorläufigen Unfallstatistik des Landes gehören zu den Hauptursachen für Unfälle mit Fahrradfahrern zum Beispiel das „Geisterradeln“, das Fahren auf dem Fußweg, und die Missachtung von Ampeln. Unfallschwerpunkte im Harz seien die innerörtlichen Gemeindestraßen, erklärt Polizeisprecher Uwe Becker.

Um Unfälle zu vermeiden, die Verkehrssicherheit zu erhöhen und um für ein besseres Miteinander im Straßenverkehr zu werben, werden die Beamten um Sebastian Fabich ihre Kontrollen fortsetzen. (mz/har)