Gemeinschaftsschule am Standort Gernrode

„Hier ist unser zweites Zuhause“

Schüler und Lehrer fordern den Erhalt der Bildungseinrichtung. Was die für sie bedeutet und wer Unterstützung ankündigt.

Gernrode - „Hier lernen wir, hier bleiben wir“, steht in großen Buchstaben an den Fenstern der Gemeinschaftsschule Gernrode. „Weiter gemeinsam statt allein einsam“, „Hier ist unser zweites Zuhause“ oder „Nein zur Schulschließung“ ist auf den Plakaten zu lesen, die 25 Schüler der Gemeinschaftsschule Gernrode stellvertretend für alle 274 gefertigt haben. Sie eint mit ihren Lehrern ein gemeinsames Ziel, das der stellvertretende Schulleiter Olaf Graf deutlich macht: „Wir möchten den Schulstandort hier in Gernrode auf jeden Fall erhalten.“ Und er fügt hinzu: „Es lohnt sich, dafür zu streiten.“

Hintergrund sind Überlegungen des Landkreises Harz als Träger der Schule und Zuständiger für die Schulentwicklungsplanung, die Gemeinschaftsschulen in Gernrode und Harzgerode am Standort Harzgerode zu fusionieren. Das frei werdende Schulhaus in Gernrode könnte der benachbarten Sine-Cura-Schule zur Verfügung gestellt werden, in der es aufgrund gestiegener Schülerzahlen enorme Kapazitätsprobleme gibt und an Unterrichtsräumen fehlt. Das sei, betonte die Kreisverwaltung, nur eine Variante in den Überlegungen zur weiteren Schulentwicklungsplanung.

„Absolut undenkbar und einfach inakzeptabel“

Die ist aus Sicht der Ortsbürgermeister und Ortschaftsräte Gernrode und Bad Suderode „absolut undenkbar und einfach inakzeptabel“. Und Schüler, Eltern und Lehrer der Gemeinschaftsschule wollen ein Aus am Standort Gernrode nicht hinnehmen. Sie wollen, wie es Kreis- und Schulelternratsvorsitzende Simone Weniger in einer gemeinsamen Gesprächsrunde formuliert, dass der Beschluss zur Fortschreibung der Schulentwicklungsplanung, der voraussichtlich im Dezember im Kreistag gefasst werden soll, den Bestand der Gemeinschaftsschule am Hagenberg in Gernrode beinhaltet - wie bisher gemeinsam mit der Grund- und der Sine-Cura-Förderschule.

Die Schüler, die in der Gemeinschaftsschule lernen, kommen aus Gernrode, Bad Suderode, Quedlinburg, Ballenstedt, Rieder, Badeborn, Opperode, Radisleben, Thale, Friedrichsbrunn, Stecklenberg Neinstedt, Güntersberge, Weddersleben und Allrode - und haben sich bewusst für diese Schule entschieden, obwohl für manchen der Schulweg zu einer anderen Einrichtung kürzer gewesen wäre. Er habe, erklärt einer der Schüler, „sehr viele Probleme“ gehabt, als er vor vier Jahren an die Gemeinschaftsschule gewechselt sei. „Lehrer, Schüler und Eltern haben mich sehr gut hinbekommen“, findet er.

„Ich habe hier meine Freunde und eine supertolle Klasse“

Sie wolle auch die noch vor ihr liegenden vier Jahre Schulzeit in Gernrode verbringen, sagt eine Schülerin aus Thale. „Ich habe hier meine Freunde und eine supertolle Klasse“, erklärt sie. Eine andere Schülerin kann sich nicht vorstellen, dass alle Schüler dann nach Harzgerode führen. Sie befürchtet, „dass die Klassen aufgeteilt werden. Soziale Kontakte gehen auseinander, und man rutscht vielleicht auch ab bei den Noten.“

Schule, sagt auch Lehrerin Heidrun Henning, „ist ein soziales Miteinander, das über Jahre gewachsen ist, das sind Kontakte, die viel mit Vertrauen zu tun haben. Das kann man nicht einfach verpflanzen.“ Die Schule strahle nach außen aus, habe viele Partnerschaften, erfülle den erkämpften Status als Gemeinschaftsschule mit Leben.

Ihre Kollegin Hanka Rosenkranz verweist darauf, dass auch Kinder und Jugendliche aus mehreren Heimen in der Gemeinschaftsschule lernen, hier Inklusion gelebt wird - sowohl in der Gemeinschaftsschule selbst als auch in gemeinsamen Projekten mit der Sine-Cura-Förderschule.

„Wir sind stolz auf Schüler, Lehrer und Eltern, die für ihre Schule kämpfen“

Das betont auch Lutz Kaufhold, Leiter des Kinder- und Jugendheims Gernrode, für den die drei Schulen auf dem Hagenberg - Grund-, Gemeinschafts- und Förderschule - ein „inklusiver Schulpunkt“ sind. „Für unsere Kinder, die in allen drei Häusern lernen, wäre es fatal, wenn die Gemeinschaftsschule nicht mehr vorhanden wäre“, sagt er. Und mit einem Aus für die Gemeinschaftsschule auf dem Hagenberg „geht auch der Inklusionseffekt verloren“.

Die drei Säulen Grund-, Gemeinschafts- und Förderschule dürften nicht auseinandergerissen werden, macht Ulrich Thomas, Vorsitzender der CDU-Fraktion im Quedlinburger Stadtrat, deutlich. „Es ist eigentlich ein Campus, den wir hier haben“, sagt Thomas und unterstreicht, was schon die Ortsbürgermeister von Gernrode und Bad Suderode, Manfred Kaßebaum (CDU) und Gerd Adler (VGS), deutlich gemacht hatten: „Wir wollen den Standort nicht nur erhalten, wir wollen ihn weiterentwickeln, besser machen.“

Dafür müsse nun Unterstützung organisiert werden, sagt Ulrich Thomas. Wie er ankündigt, wollen CDU- und Ortschaftsfraktion in der nächsten Stadtratssitzung einen gemeinsamen Beschlussvorschlag einbringen, sich klar zu dem Standort zu bekennen. „Wir sind stolz auf Schüler, Lehrer und Eltern, die für ihre Schule kämpfen. Dieses Engagement ist nicht selbstverständlich“, so Thomas. (mz/pek)