Quedlinburger Musiksommer

„Eine Hymne auf das Leben“

Die Orgelsinfonie von Camille Saint-Saëns eröffnet die Veranstaltungsreihe. Welche Rolle eine Komposition für Quedlinburg spielt.

Von Rita Kunze
Domorganist Markus Kaufmann freut sich auf den Start des Quedlinburger Musiksommers in der Marktkirche.
Domorganist Markus Kaufmann freut sich auf den Start des Quedlinburger Musiksommers in der Marktkirche. Foto: Kunze

Quedlinburg - So etwas wie dieses Werk werde er nie wieder schreiben, sagte der französische Komponist Camille Saint-Saëns (1835-1921) über seine 3. Sinfonie in c-Moll, op. 78: Er habe alles gegeben, was er geben konnte. Das 1886 in London uraufgeführte Werk setzt der Domorganist Markus Kaufmann an den Beginn des 41. Quedlinburger Musiksommers. Am kommenden Samstag, dem 12. Juni, wird es um 17 und um 20 Uhr vom Festivalorchester Quedlinburg unter Leitung von Pascal Kaufmann im Rahmen einer musikalischen Andacht in der Marktkirche aufgeführt.

Das Werk für Orchester und Orgel wird auch „Orgelsinfonie“ genannt. „Ein wunderbares orchestrales Werk, die Orgel schleicht sich hinzu“, sagt Markus Kaufmann, der bei der Aufführung die Orgel spielen wird. Platz gebe es in dem Werk für jedes Instrument, von der Piccoloflöte bis zur Basstuba. „Die Orgel ist ganz sanft und im letzten Satz groß und majestätisch.“

Alle Facetten des Lebens

Eigentlich ist es eine Lebenssinfonie, sagt der Domorganist. Saint-Saëns greife darin alle Facetten auf, die das Leben mit sich bringt, „mit allen Anfechtungen und Kämpfen, die man ertragen muss, wie das Leben mit dem Tod ringt und am Ende siegt. Aus einem düsteren Motiv bildet er eine Hymne auf das Leben, in ganz mächtigen Noten.“ Markus Kaufmann freut sich auch darauf, dass diese Sinfonie vom Festivalorchester Quedlinburg aufgeführt wird. Es vereint Studenten der Musikhochschule Dresden und viele Musiker aus Quedlinburg und Umgebung. „Es ist toll, was unsere Stadt da aufbieten kann“, sagt er.

Bei der Programmzusammenstellung für den diesjährigen Musiksommer sei sehr zeitig entschieden worden, dass die ersten Veranstaltungen allesamt als musikalische Andachten stattfinden sollen. „Alle haben eine sehr große geistliche Dimension“, sagt der Domorganist.

Auch bei der zweiten musikalischen Andacht am 19. Juni mit Harmonic Brass München und Werken von Sigfrid Karg-Elert, Charles-Marie Widor und Edward Elgar könne man erleben, „wie machtvoll sich Musik entfalten kann“, sagt Kaufmann und spielt dabei auf das diesjährige Motto des Musiksommers - „Macht Musik!“ - an.

Rundfunkgottesdienst in der Marktkirche

Am Sonntag, dem 20. Juni, folgt um 10 Uhr morgens ein Rundfunkgottesdienst in der Marktkirche, übertragen vom MDR Kultur, mit Landesbischof Friedrich Kramer, der zugleich die Schirmherrschaft über den diesjährigen Quedlinburger Musiksommer übernommen hat. Mitwirkende sind auch hier die Musiker von Harmonic Brass und Markus Kaufmann an der Orgel.

Am Abend gibt es ein Wiederhören mit einem Werk, das eigens für Quedlinburg komponiert wurde: Douglas Coombes’ Missa Brevis Pro Urbis Quedlinburg. Der Dirigent und Komponist hatte sie für ein Gastspiel der Amici Singers aus Großbritannien 2012 in Quedlinburg und Gernrode geschrieben. Unter seiner Leitung führten die Sängerinnen aus dem englischen Biggleswade damals vom Quedlinburger Rotary Club organisierte Benefizkonzerte auf.

Das junge Kammerorchester spielt mit Magdalena Schmutzler an der Harfe

Coombes’ Messe für Quedlinburg wurde zuletzt im vergangenen Jahr während der Festveranstaltung zum Tag der Deutschen Einheit aufgeführt. Am 20. Juni erklingt sie beim liturgischen Abendsegen, Mitwirkende sind das Junge Kammerorchester der Kirchengemeinde Quedlinburg, Frauen des Quedlinburger Oratorienchores und Magdalena Schmutzler an der Harfe. Die Leitung hat Markus Kaufmann.

Anderthalb Jahre Vorlauf sind nötig, bis das Programm für den Musiksommer steht. Corona sorgt dabei für erschwerte Bedingungen. „Was die Künstler angeht, mussten wir erstaunlicherweise nichts ändern“, sagt der Domorganist. Aber der Programminhalt musste den aktuellen Bedingungen angepasst werden. Der Plan war, dass Camille Saint-Saëns’ Requiem beim Abschlusskonzert erklingt. In diesem Jahr soll mit der Aufführung mehrerer seiner Werke an den 100. Todestag des Komponisten erinnert werden - das Requiem wird nun aber nicht dazu gehören.

Vorher telefonisch an der Kasse des Domschatzes anmelden und registrieren.

Dafür wären Proben mit dem Oratorienchor nötig gewesen, am Ende hätten 200 Leute auf der Bühne stehen müssen - „in dieser Situation nicht denkbar“, sagt Kaufmann. Stattdessen werde das Sächsische Sinfonieorchester Chemnitz am 11. September an die Terrorakte in den USA 2001 erinnern - damals wurden mit entführten Flugzeugen die beiden Türme des World Trade Centers in New York zum Einsturz gebracht - und im Gedenken an die Opfer von Gewalt und Terror Musik von Wolfgang Amadeus Mozart, Guiseppe Verdi und Gabriel Fauré erklingen lassen. Der Quedlinburger Musiksommer soll unter einem starken Corona-Schutzkonzept stattfinden, betont Markus Kaufmann. Das bedeutet unter anderem auch, dass sich Zuhörer der musikalischen Andachten und des liturgischen Abendsegens vorher telefonisch an der Kasse des Domschatzes (03946/709900) anmelden und registrieren. (mz)