Rückzug von der Feuerwehr-Spitze in Gernrode

„Ein Stück Wehmut ist schon dabei“

Peter Winter hat die freiwillige Feuerwehr in Gernrode 19 Jahre lang geleitet. Worauf er stolz ist.

Peter Winter hat 19 Jahre lang die freiwillige Feuerwehr in Gernrode geleitet.Dazu gehörte auch viel Arbeit in seinem Büro im Feuerwehrgerätehaus. Foto: Korn

Gernrode - Seit 19 Jahren ist Peter Winter Wehrleiter der freiwilligen Feuerwehr in Gernrode. Noch bis zum Freitag - dann endet seine dritte Amtszeit. Sich nicht für eine vierte zu bewerben, dafür hat sich Peter Winter ganz bewusst entschieden. Es sei einfach Zeit, das Amt in jüngere Hände zu legen, sagt der 52-Jährige. In der Feuerwehr gebe es eine neue, jüngere Generation von Einsatzkräften, die teils aus der Kinderfeuerwehr herangewachsen sei.

„Auch die Feuerwehrarbeit an sich ist mit Veränderungen behaftet, inzwischen mit viel moderner Technik verbunden.“ Nicht stehen zu bleiben, mit der Zeit zu gehen, bedeute auch, beizeiten loszulassen und der nachrückenden Generation Verantwortung zu übergeben, sagt Peter Winter, der bereits seit 29?Jahren bei der Feuerwehr mitarbeitet.

Personelle Probleme bei der Wehr nach der Wende

Das Feuerwehr-Gen und Helfersyndrom bekam er schon in die Wiege gelegt. Sein Vater und seine Mutter waren bei der Feuerwehr, er selbst begann als Siebenjähriger bei den „Jungen Brandschutzhelfern“. Später entschied er sich für das Hobby Pferdesport, wurde Schmied.

Als 23-Jähriger kehrte er zur Feuerwehr zurück: Sein Vater warb ihn damals, weil es in den Feuerwehren drei Jahre nach der Wende durch den Wegfall vieler Betriebe zu personellen Problemen kam. Er arbeitete zunächst im Technikbereich mit, war Maschinist, qualifizierte sich zum Feuerwehrgerätewart, wurde Verantwortlicher für Technik und Ausrüstung und so Mitglied der Wehrleitung in Gernorde. Die Ausbildung zum Gruppen- und zum Zugführer folgten, 2001 wurde Peter Winter stellvertretender Wehrleiter und übernahm schließlich am 2. Februar 2002 die Funktion des Stadtwehrleiters von seinem Vorgänger Horst Streich, der ihm noch viele Jahre als Mentor zur Seite stand.

Mitgliederzahl der Einsatzgruppe seit 15 Jahren stabil

Die drei vollen Amtszeiten und ein Jahr kommissarischer Leitung in den Wirren der Gemeindegebietsreform seien 19 erfolgreiche Jahre gewesen, sagt Peter Winter. „Ein bisschen stolz“ sei er darauf, dass die Mitgliederzahl der Einsatzgruppe seit rund 15 Jahren stabil sei - auch wenn für die festgelegte Sollstärke noch einige Aktive fehlten - und auf den relativ modernen Fuhrpark. Ebenso darauf, dass die Gernröder als eine der ersten Wehren im Landkreis eine Kinderfeuerwehr gründeten und sie seit 20 Jahren einen gut funktionierenden Feuerwehrförderverein hätten.

Und darauf, dass die Kameraden der Gernröder Wehr „ganz tolle Menschen sind“ und die Feuerwehr bei der Quedlinburger Stadtverwaltung und insbesondere bei Stadt- und Ortschaftsräten einen sehr hohen Stellenwert habe.

Schade finde er, dass die Akzeptanz und der Stellenwert der Feuerwehr bei der Bevölkerung immer weiter sänken und immer weniger bereit seien, selbst aktiv im Ehrenamt Feuerwehr mitzuarbeiten, sagt Peter Winter. Und dass durch die Einschränkungen in der Coronapandemie Zusammenhalt und Kameradschaft in der Wehr litten.

„Schlimm ist es immer dann, wenn Menschenleben zu beklagen sind“

Zu den 19 Jahren als Wehrleiter gehören auch viele Einsätze - schwere, wie schöne Momente. „Schlimm ist es immer dann, wenn Menschenleben zu beklagen sind, man machtlos ist und merkt, dass man nichts tun kann, meist bei Verkehrsunfällen“, sagt Peter Winter. „Das Schönste ist, wenn Leute zu uns kommen, die wir aus lebensbedrohlichen Situationen gerettet haben und sich bedanken“, so der Ortswehrleiter.

Aus diesem Amt geht er nun „mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, sagt Peter Winter. „Ein Stück Wehmut ist schon dabei.“ Auf der anderen Seite wisse er, dass die Gernröder mit seinem Nachfolger Florian Gesche eine gute Wahl getroffen hätten. Auch die Familientradition gehe weiter. Seine Tochter Celine und seine Nichten Carolin und Franziska seien ebenfalls bei der Feuerwehr: „Dass ist schön, dass man das so weitergeben kann.“ Und er selbst verlasse diese Wehr ja auch nicht. „Ich bin noch da und würde, wenn es gewünscht ist, meinem Nachfolger Hilfe anbieten, so wie es Horst Streich damals bei mir gemacht hat.“

19 Jahre Leitungsarbeit seien aber auch sehr zeitintensiv gewesen, „die Familie musste sehr oft zurückstecken.“ Er freue sich darauf, nun mehr Zeit für seine Frau, seine Familie und sein privates Leben zu haben. (mz/Petra Korn)