Auszeichnung in Quedlinburg

Ehrenamtstaler der Stadt für engagierte Menschen

Frauen und Männer aus Vereinen und Verbänden, die sich für Kultur, Sport und Behinderte einsetzen, wurden im Palais Salfeld geehrt.

Quedlinburg - Die 85-jährige Irmgard Koch habe „einen großen Anteil daran, dass in der TSG GutsMuths Quedlinburg mehr als 400 Frauen Sport treiben“, sagt Quedlinburgs Stadtratspräsidentin Sylvia Marschner. „Unzähligen Kindern, Jugendlichen, Frauen und Männern hat Frau Koch als großes Vorbild die Liebe und den Spaß am Sport vermittelt, sie mit ihrer Sportbegeisterung angesteckt und inspiriert.

Sie hat einen Löwenanteil daran, dass die TSG GutsMuths so viele Mitglieder zählt.“ Für diesen Einsatz ist Irmgard Koch am Mittwoch mit dem Ehrenamtstaler der Stadt Quedlinburg geehrt worden.

Solche Würdigung findet üblicherweise im Neujahrsempfang der Stadt ihren Rahmen. Der ist in diesem Jahr coronabedingt ausgefallen. Auf die Vergabe der Ehrenamtstaler wollte die Stadt jedoch nicht verzichten und setzte stattdessen auf einen Kompromiss.

Weil auf der Stadtratssitzung mit Stadträten und Gästen bereits sehr viele Teilnehmer im Saal zu erwartet wurden, hatte Oberbürgermeister Frank Ruch im Vorfeld erklärt, dass die Ehrenamtstaler im Rahmen der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses übergeben werden sollten.

Und so sind am Mittwoch vier Ehrenamtstaler in der doch recht nüchternen Atmosphäre des großen Tagungssaals im Palais Salfeldt überreicht worden - mit Abstand und Maske. Und mit herzlichen Worten der Stadtratsvorsitzenden Sylvia Marschner und des Oberbürgermeisters.

Ein fünfter Taler wird noch übergeben. Mit ihm soll Maria Hufenreuther-Möhres gedankt werden, die sich für kulturelle und soziale Projekte, besonders aber für die Umgestaltung des jüdischen Friedhofs starkgemacht hat.

In der Laudatio wird das als ihre „bedeutendste Idee“ beschrieben, sei doch der Friedhof „über die Jahre eher eine Brache als ein Ort der Totenruhe und der Erinnerung“ gewesen. Dank des Einsatzes von Maria Hufenreuther sei er zu einem „bedeutenden Erinnerungsort“ geworden, wofür sie Verbündete gefunden habe:

Maria Hufenreuther-Möhres hat sich für die Umgestaltung des jüdischen Friedhofs starkgemacht

„Den Dachverein Reichenstraße als Träger, die Partnerschaft für Demokratie als Finanzier, die jüdische Landesgemeinde für alle Belange, die das jüdische Leben betreffen, und Jugendliche, die mit den Erwachsenen Hand anlegten, Künstler, die ihre Kreativität einbrachten.“

Sie habe „eine Unmenge an Ideen und Inspirationen in die Gespräche von Künstlern und Sozialpädagogen“ eingebracht, heißt es in der Laudatio weiter, Beispiele seien das Kurzfilmfestival „Harzmovienale“ und die Reihe „Zeitenwende“ im Rahmen der Festwoche zu 30 Jahren Friedlicher Revolution.

Maria Hufenreuther sei „ein Beispiel dafür, was engagiertes, kreatives Handeln für bleibende Veränderungen in der Welterbestadt Quedlinburg bewirken kann, und wir wünschen uns noch viel mehr solcher Menschen. Sie bringen unsere Stadt voran.“

Das wollen auch Astrid Staudenraus, Jeannette Schmidt und Klaus Stegmann von der Arbeitsgruppe „Design für alle“, die sich für ein barrierefreies Quedlinburg einsetzen. „Ihre ehrenamtliche Tätigkeit diesbezüglich ist in der heutigen Zeit leider nicht selbstverständlich“, sagt der Oberbürgermeister.

„Ihre Arbeit bildet eine entscheidende Grundlage für den weiteren Abbau von Barrieren und das Bewusstsein der Menschen zu schärfen, Dinge mit unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten.“ Das gelingt beispielsweise durch den jährlichen Rundgang für eine barrierefreie oder -ärmere Stadt, an dem neben dem Oberbürgermeister und der Gleichstellungsbeauftragten bei der Stadtverwaltung, Ulrike Döcke - sie engagiert sich ehrenamtlich in der Arbeitsgruppe - weitere Interessierte teilnehmen.

„Seine Perspektive auf den Abbau von Barrierefreiheit ist eine große Bereicherung für die Umsetzung.“

OB Ruch über Klaus Stegmann

Die Arbeitsgruppe werde „wesentlich mitgetragen“ von Astrid Staudenraus. Die Leiterin des Azurit-Seniorenzentrums sei Mitinitiatorin der Interessengemeinschaft (IG) „Quedlinburg barrierefrei“, packe mit an bei der Organisation des Europäischen Aktionstages für Menschen mit Handicap und organisiere jährlich ein Benefizkonzert für soziale Zwecke.

Die Anregung zu dem besonderen Stadtrundgang, der seit 2015 stattfindet, habe Jeanette Schmidt zur Wahl des Oberbürgermeisters gegeben, erinnert Frank Ruch. Durch ihre Arbeit als Betreuerin im Wohnbereich der Lebenshilfe habe sie einen großen Erfahrungsschatz und kenne die täglichen Schwierigkeiten der Rollstuhlfahrer in Quedlinburg.

Auch sie ist Mitinitiatorin der Interessengemeinschaft „Quedlinburg barrierefrei“, und „ihr Traum ist eine verkehrsberuhigende Innenstadt, mehr Möglichkeiten für Fahrradfahrer, somit auch für Rollifahrer, und eine Flaniermeile Heiligegeistraße, Pölkenstraße, Steinweg mit Bänken, Blumen und öffentlichen Räumen zum Verweilen für Kinder, Menschen mit Handicap, Senioren, für alle Quedlinburger und Touristen“, so der Oberbürgermeister.

Einer, der sehr genau weiß, was es bedeutet, im Alltag auf Barrieren zu stoßen, ist Klaus Stegmann. Auch er hat die Interessengemeinschaft mit ins Leben gerufen. Klaus Stegmann sitzt seit September 2000 im Rollstuhl; seit 2001 ist er in einem Behindertenverein aktiv und engagiert sich seit vielen Jahren für die Belange Behinderter.

„Seine Perspektive auf den Abbau beziehungsweise die Gestaltung von Barrierefreiheit in unserer Stadt ist uneigennützig und eine große Bereicherung für die Umsetzung“, sagt Frank Ruch. (mz/ku)