Direktkandidaten Wahlkreis 30

Direktkandidaten Wahlkreis 30: Susan Sziborra-Seidlitz tritt für Die Grünen an

Quedlinburg - Susan Sziborra-Seidlitz wird gelegentlich unterschätzt. Für viele ist sie in erster Linie die Frau mit einer Blume im Haar. Anderen fällt sie dadurch auf, dass sie stets Röcke trägt oder nur mit altmodischen Fahrrädern unterwegs ist. Tatsächlich hat die 38-Jährige aber eine Bilderbuchkarriere bei den Harzer Grünen hingelegt: Nachdem sie 2010 eingetreten ist, ist sie jetzt schon Kreisvorsitzende und sitzt für ihre Partei in Kreistag und Quedlinburger Stadtrat. Und nun tritt sie auch noch zur Landtagswahl an. Die Frau mit der Blume im Haar als Berufspolitikerin? Kann sich Susan Sziborra-Seidlitz das vorstellen? „Das ist Plan A“, sagt sie trocken und saugt an ihrer Winter-Latte-Macchiato. Und die Chancen stehen nicht schlecht: Susan Sziborra-Seidlitz ist auf Platz 7 der grünen ...

Von Ingo Kugenbuch 23.02.2016, 13:30

Susan Sziborra-Seidlitz wird gelegentlich unterschätzt. Für viele ist sie in erster Linie die Frau mit einer Blume im Haar. Anderen fällt sie dadurch auf, dass sie stets Röcke trägt oder nur mit altmodischen Fahrrädern unterwegs ist. Tatsächlich hat die 38-Jährige aber eine Bilderbuchkarriere bei den Harzer Grünen hingelegt: Nachdem sie 2010 eingetreten ist, ist sie jetzt schon Kreisvorsitzende und sitzt für ihre Partei in Kreistag und Quedlinburger Stadtrat. Und nun tritt sie auch noch zur Landtagswahl an. Die Frau mit der Blume im Haar als Berufspolitikerin? Kann sich Susan Sziborra-Seidlitz das vorstellen? „Das ist Plan A“, sagt sie trocken und saugt an ihrer Winter-Latte-Macchiato. Und die Chancen stehen nicht schlecht: Susan Sziborra-Seidlitz ist auf Platz 7 der grünen Landesliste.

Von Berlin in den Harz

„Ich wurde politisch sozialisiert“, sagt Susan Sziborra-Seidlitz. Schon mit 18 ging sie auf das Ticket der PDS in die Kommunalpolitik. Damals wohnte sie noch in Berlin. „Ich war jung und hatte bunte Haare.“ Und bald auch eine kleine Tochter. Dadurch war erst mal Schluss mit der parlamentarischen Arbeit. In Berlin lernte sie ihren Mann, einen Quedlinburger, kennen. Mit ihm zog sie später in den Harz. Sie konnte die Partygänger nicht mehr ertragen, die morgens in Prenzlauer Berg noch feierten, wenn sie zur Frühschicht als Krankenschwester musste.

Politische Heimat bei den Grünen

Ihre politische Heimat fand Susan Sziborra-Seidlitz schließlich bei Bündnis 90/Die Grünen. „Ich glaube, die meisten Parteien verlieren die globalen Themen aus dem Blick“, sagt sie. Die Grünen dagegen kümmerten sich um beides: lokale Probleme wie Schulqualität oder Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) und das große Ganze - von Klimaschutz bis Weltfrieden. „Wenn man politisch was bewegen will, geht das am besten in Parteien“, sagt Susan Sziborra-Seidlitz. „Und da sind die Grünen am breitesten aufgestellt.“ Im Landtag will sie sich um die Gesundheitspolitik kümmern. „Das ist eine der großen unterschätzten Herausforderungen der nächsten Jahre“, sagt sie. Und es kümmerten sich Ärzte, Apotheker und Politiker darum - aber keine Krankenschwestern wie sie. Außerdem will sich Susan Sziborra-Seidlitz für den Ausbau des ÖPNV und ein längeres gemeinsames Lernen in der Schule einsetzen.

Alter: 38, Familienstand: verheiratet, drei Kinder im Alter (3, 12 und 18)

Beruf: Krankenschwester

Hobbys: Lesen, Kneipenquiz, Living History

Zuletzt gelesene Bücher: „Das schwarze Pferd“ von Christian Amling und „Lists of Note - Aufzeichnungen, die die Welt bedeuten“ von Shaun Usher

Zuletzt gesehener Kinofilm: „Janis: Little Girl Blue“, Doku über das Leben der Rocklegende Janis Joplin

Trotz Schichten auf der Inneren des Harzklinikums, dreier Kinder und ihrer politischen Ämter findet Susan Sziborra-Seidlitz hin und wieder Zeit für ihr Hobby: Living History. Sie spielt mit einigen Gleichgesinnten aus ganz Deutschland das Leben um 1910 nach.

Rund 1,9 Millionen Menschen sind wahlberechtigt. Bei der Landtagswahl 2011 lag die Wahlbeteiligung bei 51,2 Prozent. Es treten landesweit 15 Parteien zur Wahl an. Insgesamt 423 Kandidaten wollen ins Parlament einziehen. Sachsen-Anhalts Landtag hat künftig nach einer Parlamentsreform mindestens 87 Abgeordnete.

Jeder Wähler hat zwei Stimmen. In den 43 Wahlkreisen wird per Erststimme je ein Abgeordneter direkt gewählt. Die übrigen Mandate werden entsprechend der Zweitstimmen über die Landeslisten verteilt.

Bislang sind vier Parteien im Landtag. Zuletzt gehörten 68 Abgeordnete der Regierungskoalition (CDU 42, SPD 26) an. Die Linke stellte 28 und die Grünen 9 Abgeordnete. Zu Beginn der Wahlperiode war die Sitzverteilung noch leicht anders, weil eine Linke-Abgeordnete zwischenzeitlich zur CDU wechselte.

Spitzenkandidat der CDU ist Ministerpräsident Reiner Haseloff (61). Die Linkspartei stellte ihren Fraktionsvorsitzenden Wulf Gallert (52) auf Platz eins. Die SPD zieht mit Fraktions- und Parteichefin Katrin Budde (50) in den Wahlkampf. Bei den Grünen ist Fraktionschefin Claudia Dalbert (61) das Aushängeschild. Die Alternative für Deutschland (AfD) tritt mit Landeschef André Poggenburg (40) an, die FDP mit Frank Sitta (37).

Das Flüchtlingsthema dominiert zahlreiche Debatten. Aber auch die Wirtschaftslage, die Personalausstattung bei der Polizei oder Kosten für die Kinderbetreuung sind wichtige Themen.

Das letzte ZDF-„Politbarometer“ sah die CDU bei 33 Prozent, Linke und SPD jeweils bei 19 Prozent. Die AfD käme auf 15 Prozent, die Grünen müssten mit 5 Prozent um den Wiedereinzug in den Landtag bangen, die FDP würde scheitern.

Keine Partei will mit der rechtspopulistischen AfD zusammengehen. Daher wäre eigentlich nur die Fortsetzung der schwarz-roten Koalition möglich. Linke, SPD und Grüne zusammen hätten keine Mehrheit im Landtag.

„Des Kaisers alte Kleider“ heißt die Gruppe, die zum Beispiel ein- oder zweimal im Jahr im Freilichtmuseum Schwerin auftritt. „Und zwischendurch forscht man ein bisschen und stellt neue Kleidung her.“ Oder neue Blumen für das Haar. Mittlerweile hat sie eine große Kiste mit etwa 30 Stück zusammen. „Das hat eigentlich gar keinen tieferen Grund“, sagt Susan Sziborra-Seidlitz über ihre Blüten-Marotte. „Am Anfang fand ich es schick - jetzt ist es mein Markenzeichen.“ Ihre Patienten protestieren schon mal, wenn sie „oben ohne“ arbeitet. (mz)