Historisches Anwesen soll wiederbelebt werden

Steinburger geben neuem Schlossherrn Starthilfe

Bei einem Arbeitseinsatz packen Einwohner an. Besitzer stellt seine Pläne vor.

Von Gisela Jäger 25.11.2021, 10:16 • Aktualisiert: 25.11.2021, 10:23
Daumen hoch:  Gruppenfoto mit allen Aktiven des Arbeitseinsatzes in und um Schloss Steinburg.
Daumen hoch: Gruppenfoto mit allen Aktiven des Arbeitseinsatzes in und um Schloss Steinburg. (Foto: Gisela Jäger)

Steinburg - Im wahrsten Sinne des Wortes wehte am Sonnabend ein frischer Wind durch die Räume und Flure des Steinburger Schlosses. Türen und Fenster waren weit geöffnet. 18 Frauen und Männer machten sich daran, dem alten Mauerwerk nach fast 30 Jahren Dornröschenschlaf langsam wieder neues Leben einzuhauchen. Obwohl es bis zur Sanierung und der neuen Nutzung des zweiflügeligen Anwesens mit seinem markanten Treppenturm noch ein Stück Weg sein wird - ein erster Anfang wurde gemacht.

Versteigerung im Spätsommer

Nachdem das Schloss Steinburg im Spätsommer im Zuge einer Versteigerung an den neuen Besitzer Axel Fingerhut gegangen war, knüpfte der Inhaber der Firma Consys Bauträger SL Niederlassung Österreich, die auch in Rathenow (Brandenburg) ein Büro unterhält, rasch Kontakte zu Finneland-Bürgermeister Rupert Schlosser und zum Förderverein Schloss Steinburg. Am Wochenende war nun Axel Fingerhut mit seinem Firmenbeauftragten für Sanierungsvorhaben, Thomas Schultz, in den Ort gekommen, um einerseits sich, seine Firma und seine Ziele für die Schloss-Neunutzung vorzustellen und andererseits im Zuge eines Arbeitseinsatzes mit Vereins- und Bürgerhilfe die Räume des historischen Gebäudes von Sperrmüll, Schutt und Unrat zu befreien.

Am Vorabend des Arbeitseinsatzes hatten Fingerhut, Schultz und der Vorstand des Fördervereins unter Vorsitz von Astrid Kupecz in die Fahrzeughalle der Ortsfeuerwehr Steinburg eingeladen. Hier wurde den Einwohnern erklärt, welche Nutzung für das einstige Herrenhaus der Familie von Münchhausen geplant ist. Auch galt es dabei, Fragen zu beantworten.

Referenzobjekt im Havelland

Der 63-jährige Unternehmer, der aus dem Havelland stammt und seit 30 Jahren seine Firma betreibt, schilderte zunächst seinen beruflichen Werdegang und verwies auf seine umfassenden Erfahrung im Bereich Bauwerkssanierung. Das spannende Kopf-an-Kopf-Rennen mit einem zweiten Bieter habe den Versteigerungspreis in zuvor nicht geplante Höhe getrieben, sagte Fingerhut.

Er berichtete von seinem Referenzobjekt, dem Rittergut Milow (Landkreis Havelland), das nach Sanierung und Modernisierung nun als Pflegeheim genutzt wird und sich nach Fingerhuts Aussage in einem weit schlechteren Bauzustand beim Kauf befand, als er es für das Schloss Steinburg mit seiner Raumnutzfläche von insgesamt 1.065 Quadratmetern einschätzt. Für ein Pflegeheim ist das Haus zwar zu klein, doch für eine Mischnutzung mit altersgerechtem und betreutem Wohnen in den beiden oberen Etagen sowie multifunktionalen Räumen für Vereins- und Veranstaltungszwecke im Erdgeschoss - das Ganze durch Fahrstuhleinbau auch barrierefrei - hält es der Investor für optimal geeignet.

Die zahlreichen Helfer beseitigten beim Arbeitseinsatz die im Schloss Steinburg zurückgelassenen Reste von vor 30 Jahren.
Die zahlreichen Helfer beseitigten beim Arbeitseinsatz die im Schloss Steinburg zurückgelassenen Reste von vor 30 Jahren.
(Foto: Gisela Jäger)

Er rechnet für die grundhafte Sanierung grob geschätzt mit Investitionen in Höhe von 1,5 Millionen Euro. Dieser Aufwand sei überschaubar, zumal nach erster Sichtung der Bausubstanz nicht von gravierenden oder die Statik gefährdenden Schäden auszugehen sei. Die Kosten plant der Eigentümer mit Hilfe von Fördermitteln sowie Abschreibungsmodellen zu finanzieren. Der Bereich für das betreute Wohnen soll in die Hand eines Betreibers gegeben werden, wovon die Nutzung des Erdgeschosses ausgenommen ist. Fingerhut versicherte den Steinburgern, dass die gewohnten Wege im Umfeld des Schlosses von der Allgemeinheit weiterhin genutzt werden können. Er habe bereits Kontakte zu Nachfahren der einstigen Besitzer-Familie von Münchhausen aufgenommen und erhielt von René Zubrodt Unterstützung, der ein Aufmaß der Räume vorgenommen hatte.

Anfrage an Denkmalschutz

Als nächste Schritte nannte Axel Fingerhut das Einholen der denkmalrechtlichen Genehmigung, das genaue Prüfen des Zustands von Bauwerk und allen Holzelementen sowie weitere behördliche Formalitäten, auch hinsichtlich möglicher Fördermittel. Im kommenden Jahr werden zunächst alle Weichen gestellt, bevor die ersten Baufirmen anrücken. Kerstin Panknin, Initiatorin des im November 2017 gegründeten und heute insgesamt 18 Mitglieder zählenden Vereins, erzählte, dass der Vorstand mit dem Bürgermeister der Gemeinde Finneland damals den Anstoß für das Versteigerungsverfahren gegeben hatte, nachdem der vormalige Eigentümer außerstande war, das Objekt zu erhalten.

Förderverein sieht Chance

Auch der Förderverein fand keine geeignete finanzielle Basis, selbst etwas für den Erhalt des Schlosses zu tun. „Wir wollten das historische Gebäude retten, die Substanz erhalten und eine neue Nutzung suchen und finden. Mit Axel Fingerhut sehen wir nun eine Chance, dass es für unser aller Interesse eine Zukunft für Schloss Steinburg gibt“, sagte Kerstin Panknin.

Der neue Eigentümer Axel Fingerhut (r.) bespricht mit Finneland-Bürgermeister Rupert Schlosser und Kerstin Panknin  das Aufmaß der Räume.
Der neue Eigentümer Axel Fingerhut (r.) bespricht mit Finneland-Bürgermeister Rupert Schlosser und Kerstin Panknin das Aufmaß der Räume.
(Foto: Gisela Jäger)

Am Sonnabend waren zwei große Container randvoll gefüllt und die Räume grob gesäubert worden. Zwischendurch gab es zur Mittagspause warmes Essen und Getränke sowie rundum zufriedene Gesichter der Helfer aus dem Verein sowie der Einwohner schaft der Orte Steinburg und Borgau. Axel Fingerhut und Thomas Schultz, die selbst mit anpackten, dankten den Frauen und Männern für ihren fleißigen Einsatz und die Unterstützung.