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Handball: Beide Oberliga-Teams der Burgenländer siegen auswärts deutlich

Sieben Tore von Ex-HCB-Spieler Schindler reichen Apoldaern nicht

Gäste spielen ihre körperlichen und konditionellen Vorteile aus und setzen sich mit elf Toren Vorsprung souverän durch.

Von Torsten Kühl Aktualisiert: 19.09.2022, 10:01
Die besten Torschützen ihrer Teams: der Wahl-Apoldaer Jan Schindler (l.) und HCB-Kapitän Kenny Dober - einst langjährige Teammitglieder, am Samstag im Spiel Konkurrenten.
Die besten Torschützen ihrer Teams: der Wahl-Apoldaer Jan Schindler (l.) und HCB-Kapitän Kenny Dober - einst langjährige Teammitglieder, am Samstag im Spiel Konkurrenten. (Foto: Dober)

Apolda/Dessau/Spergau - Vielleicht musste ja der/die eine oder andere Handballinteressierte am Samstagabend auf dem Weg zur Halle „Am Sportpark“ in Apolda kurz überlegen, ob er/sie kurz vor dem Ziel nicht doch lieber nach links abbiegt. Schräg gegenüber von der Heimspielstätte der Oberliga-Handballer des gastgebenden HSV gegen jene vom HC Burgenland lief nämlich parallel eine Party zum Bockbieranstich der ortsansässigen Vereinsbrauerei. Und wer weiß, wie lange man Apoldaer Bier noch trinken kann? Schließlich musste der Betrieb seine Produktion vor einigen Tagen wegen Problemen bei der CO2-Anlieferung stoppen. Von den eklatanten Preiserhöhungen bei Energie und Zutaten ganz zu schweigen.

Hochzeit und Hausbau

Wer sich dann trotz der verlockenden Konkurrenzveranstaltung doch für das Handballspiel entschied, sollte nicht enttäuscht werden - zumindest, wenn er aus Naumburg, Prittitz oder Stößen kam und mit den HCB-Männern sympathisiert. Diese fegten nämlich die Einheimischen am Ende förmlich aus der Halle, siegten mehr als deutlich mit 37:26 und ballerten sich damit vorerst an die Tabellenspitze - vor fünf weiteren Teams, die nach zwei Runden 4:0 Punkte auf dem Konto haben.

Bis auf eine Phase fünf Minuten vor und zehn Minuten nach der Pause, als sie etwas unkonzentriert zu Werke gingen und den körperlich unterlegenen Gegner wieder ein wenig aufbauten, zeigten die Burgenländer eine sehr gute Leistung. Der Ex-HCBer Jan Schindler hatte mit einem seiner sieben Tore zum 17:21 verkürzt, und Apolda war drauf dran, weiter heranzukommen, da zogen die Gäste noch mal richtig an. Nun schwanden den Thüringern die Kräfte, und die daraus resultierenden Fehler des HSV nutzten die Schützlinge von Svajunas Kairis zu einer Serie von erfolgreichen Tempogegenstößen.

Der aus Ronneburg zum HCB gekommene Rechtsaußen Richard Vogel (hier beim Saisonauftakt gegen Bad Blankenburg) erzielte beim klaren Auswärtssieg in Apolda fünf Tore für seinen neuen Verein.
Der aus Ronneburg zum HCB gekommene Rechtsaußen Richard Vogel (hier beim Saisonauftakt gegen Bad Blankenburg) erzielte beim klaren Auswärtssieg in Apolda fünf Tore für seinen neuen Verein.
(Foto: Torsten Biel)

„Was vor allem in dieser Phase deutlich wurde, war, dass der HCB über die besser besetzte Bank verfügte. Sein breiter Kader wird ihm in dieser Saison sicher noch oft helfen“, sagte Schindler, der zusammen mit Norbert Ban bester Werfer der Gastgeber war. Vor zwei Jahren war Jan Schindler von den Burgenländern nach Apolda gewechselt. Mit seiner Freundin Jennifer Meißner („meiner zukünftigen Ehefrau, nächstes Jahr wird geheiratet“) hat er sich in Bad Kösen eine Immobilienfirma aufgebaut. Die Familie ist inzwischen um zwei Töchter (zwei Jahre sowie drei Monate alt) gewachsen, und derzeit baut sie in Kukulau ein Haus. „Handball ist meine Leidenschaft, aber ich werde demnächst 36 und muss die Zukunft planen“, blickt der Rückraumspieler voraus. Deshalb denke er im Sport nur noch von Saison zu Saison. „Weil ich so viel Zeit wie möglich mit meinen Lieben verbringen möchte, muss ich auch nur zwei der drei wöchentlichen Trainingseinheiten meines Teams absolvieren“, erzählt Jan Schindler, der am Samstag in Apolda von den zahlreichen mitgereisten HCB-Fans viel Beifall bekam.

Wie sehr sich sein Ex-Team in den zwei Jahren seit seinem Abschied vom HCB verändert hat, wurde am Samstag deutlich. „Mit Tom Hanner und Florian Pfeiffer habe ich noch eine Saison zusammengespielt. Ansonsten ist von meinen ehemaligen Teamkollegen nur noch Kenny Dober übrig geblieben.“ Klar, dass sich Oskar, wie Jan Schindler von seinen Kumpels nur genannt wird, mit dem Urgestein und Kapitän des HCB nach dem Spiel ein Bierchen genehmigte - natürlich ein Apoldaer.

Mitteldeutsche Oberliga, Männer: HSV Apolda - HC Burgenland 26:37 (12:17). HCB: Marius Göbner, Marian Voigt; Kenny Dober 9/2, Laurenz Kröber 1, Marcel Popa 2, Stefan Remke, Tim Bielzer 3, Niklas Seifert 2, Mirco Fritzsche, Florian Pfeiffer 2, Kevin Szep-Kis 4, Tom Hanner 6, Janko Pesic 3, Richard Vogel 5 - Siebenmeter: Apolda 2/1, HCB 3/2; Zeitstrafen: Apolda 4, HCB 4.

Erfolgreich in die neue Oberliga-Saison gestartet sind am Sonntagnachmittag die HCB-Frauen. Sie setzten sich beim Vizemeister des Vorjahres, dem Dessau-Roßlauer HV, klar mit 29:22 durch. „Das Ergebnis fällt aber sicher etwas zu hoch aus“, so Gästetrainer Sascha Meiner. „Es war nämlich über weite Strecken ein Duell zweier gleichwertiger Mannschaften.“ Die Anfangsphase sei, typisch für eine Auftaktpartie, von Unsicherheiten und Fehlern geprägt gewesen. Meiners Schützlinge holten bis zur Pause (12:12) einen Vier-Tore-Rückstand auf. „In der zweiten Halbzeit haben wir dann in der Abwehr viel disziplinierter gespielt, uns besser an den Matchplan gehalten. Und im Angriff wurde die Verantwortung auf viele Schultern verteilt“, freut sich der Coach der Burgenländerinnen, für die Marie Knappe (7), Neuzugang Julia Pöschel, Patrizia Sturm und Juliane Maul (je 5) die meisten Tore erzielten.

Mitteldeutsche Oberliga, Frauen: Dessau-Roßlauer HV - Burgenland 22:29 (12:12). HCB: Wiebke Detjen, Kira Barth; Julia Pöschel 5, Marie Knappe 7/4, Lena John 2, Sandra Kube 2, Lea Guderian 2, Jasmin Heinz, Lea Schönefeld 1, Patrizia Sturm 5, Juliane Maul 5, Johanna Stein, Celine Knorr - Siebenmeter: DRHV 6/5, HCB 6/4; Zeitstrafen: DRHV 3, HCB 0.

Zweite verliert in Spergau

Die zweite Männermannschaft der Burgenländer musste sich am Samstag in Spergau mit 22:27 geschlagen geben. Die Partie verlief bis zum 8:8 völlig ausgeglichen, und nachdem sich die Einheimischen zwischenzeitlich auf vier Treffer abgesetzt hatten, kamen die Gäste noch einmal heran. Beim 18:18 durch den besten HCB-Torschützen Paul Zänker schien eine Wende möglich, doch im Endspurt hatte das SGS-Team die Nase vorn. Für die Gastgeber spielten auch die Ex-HCBer David Heinig und Cornelius Lange, die zusammen auf zehn Treffer kamen.

Sachsen-Anhalt-Liga, Männer: SG Spergau - HC Burgenland II 27:22 (14:10). HCB II: Matthias Manz, Jakob Aumann; Marcus Deibicht, Jonas Hassenmeier 2, Marcus Födisch, Eric Emmerich, Tim Kurrat 3, Lucas Haucke 1, Stephan Fichtner 5/1, Paul Zänker 11, Martin Tillmann - Siebenmeter: SGS 2/1, HCB II 2/1; Zeitstrafen: SGS 4 (+ Rote Karte), HCB II 2.