Drittliga-Team des HCB überzeugt beim Spitzenreiter 30 Minuten, bricht dann jedoch ein

„Nahezu perfekte“ erste Halbzeit

Handball: Reserve der Burgenland-Männer feiert ersten Saisonsieg. Die Frauen jubeln bereits zum zweiten Mal.

Von Torsten Kühl 03.10.2021, 20:28
Die HCB-Reserve mit Spielertrainer Marcus Deibicht (Nummer 3) setzte sich am späten Sonntagnachmittag in der Sachsen-Anhalt-Liga nach einem irren Finale mit 33:32 gegen Wolfen durch.
Die HCB-Reserve mit Spielertrainer Marcus Deibicht (Nummer 3) setzte sich am späten Sonntagnachmittag in der Sachsen-Anhalt-Liga nach einem irren Finale mit 33:32 gegen Wolfen durch. (Foto: Torsten Biel)

Hannover/Plotha/Görlitz - Zumindest eine Halbzeit lang haben die Drittliga-Handballer des HC Burgenland an einer riesengroßen Überraschung geschnuppert. Beim haushohen Favoriten der Staffel C, TuS Vinnhorst, der sich den Aufstieg in die 2. Bundesliga vorgenommen hat und verlustpunktfrei die Tabelle anführt, lagen die Gäste am Sonntagabend beim Seitenwechsel mit 14:13 vorn. Sofort nach Wiederbeginn baute der Slowake Marek Hnidák den Vorsprung des Außenseiters auf zwei Tore aus, ehe Vinnhorst sechs Treffer in Folge erzielte.

Allerdings mussten die Burgenländer zu diesem Zeitpunkt bereits ohne ihren Kapitän Kenny Dober auskommen, der kurz vor der Pause nach einem Foul die Rote Karte gesehen hatte. Diese Entscheidung hielt Gästecoach Steffen Baumgart jedoch für völlig überzogen. „Natürlich war das auch für die Mannschaft ein Knackpunkt. Zum einen, weil Kenny zuvor eine Wurfquote von 100 Prozent gehabt hatte, zum anderen, weil wir in dieser Phase auch in doppelter Unterzahl waren“, so Baumgart, der stolz sei auf die „nahezu perfekte Vorstellung“ seiner Schützlinge in der ersten Halbzeit.

„Dieses Positive müssen wir mitnehmen in das Landesderby gegen den SC Magdeburg II. Über die Unkonzentriertheiten und Nachlässigkeiten in der zweiten Halbzeit werden wir freilich auch reden müssen.“ Da habe man auf einen doppelten Angriff-/Abwehrwechsel umstellen müssen und deshalb große Schwierigkeiten gegen die Offensivwucht der Gastgeber bekommen, die schließlich noch auf 33:22 davonzogen.

STATISTIK: TuS Vinnhorst - HC Burgenland 33:22 (13:14). HCB: Marius Göbner, Max Neuhäuser; Kenny Dober 3, David Heinig 2, Cornelius Lange 1, Marek Hnidák 3, Florian Pfeiffer 1, Mirco Fritzsche 2, Kevin Szep-Kis, Tom Hanner 2, Marcel Popa 3, Sascha Meiner 1/1, Miloje Dolic, Philipp Große 4, Janko Pesic - Siebenmeter: TuS 6/3, HCB 1/1; Zeitstrafen: TuS 3, HCB 3 (plus eine Rote Karte).

Weiter spielten in der Staffel C: SC Magdeburg II - Hannover-Burgwedel 27:23, Anhalt Bernburg - Eintracht Hildesheim 26:32, MTV Braunschweig - Northeimer HC 31:20, SC DHfK Leipzig II - HSV Hannover 33:24, TSV Burgdorf II - SV Plauen-Oberlosa 17:16.

Verrücktes Finale in Plotha

Ihren ersten Saisonsieg hat am Sonntag in der Sachsen-Anhalt-Liga die zweite Männermannschaft der Burgenländer gefeiert. Sie gewann in Plotha mit 33:32 gegen die HSG Wolfen. Zum Ende einer über weite Strecken ausgeglichenen ersten Halbzeit setzten sich die Gastgeber etwas ab; zur Pause lagen sie mit 16:13 vorn. Dieser Vorsprung wuchs dann phasenweise auf fünf Treffer. „Da hätten wir den Sack eigentlich zumachen müssen, aber das ist uns nicht gelungen, und deshalb ist es bis zum Schluss extrem spannend geblieben“, sagte Marcus Deibicht, Spielertrainer der HCB-Reserve.

Die Wolfener kamen wieder heran, und in der letzten Minute überschlugen sich die Ereignisse. Bastian Pohl brachte die Hausherren kurz vor Schluss mit 32:31 in Front. „Dann haben die Schiedsrichter irgendwie den Überblick verloren. Es war nicht ganz klar, ob sie ein Time-out anzeigten, die Gäste spielten einfach, weiter glichen aus, und plötzlich waren nur noch fünf Sekunden auf der Uhr“, versucht Marcus Deibicht die chaotischen Szenen in Worte zu fassen. Der Spielertrainer der Burgenländer nahm den Torwart vom Parkett und brachte dafür einen siebten Feldspieler. „Paul Zänker hat dann einen verrückten Pass gespielt, Laurenz Kröber fing den Ball irgendwie in der Luft und versenkte ihn zum umjubelten Siegtreffer - das war einfach nur Wahnsinn“, so Deibicht. Die Gäste legten anschließend Protest gegen die Spielwertung ein. Ob sie damit Erfolg haben, bleibt abzuwarten.

STATISTIK: HC Burgenland II - HSG Wolfen 33:32 (16:13). HCB II spielte mit: Max Knoblauch, Marwin Richter; Marcus Deibicht, Laurenz Kröber 7, Tom-Erik Röhrborn 1, Marcus Födisch 2/1, Erik Stepan 2, Christian Haufe 3, Alexander Nowak, Bastian Pohl 4, Henning Taube 5/1, Jakob Aumann, Paul Zänker 7/1, Martin Tillmann 2 - Siebenmeter: HCB II 4/3, HSG 8/ 7; Zeitstrafen: HCB II 8, HSG 5.

Steigerung nach der Pause

Die Frauen des HCB haben in der Mitteldeutschen Oberliga in ihrem zweiten Saisonspiel den zweiten Sieg gefeiert. Beim Görlitzer HC setzten sich die Schützlinge von Spielertrainerin Jessica Stiskall und Coach Sascha Meiner am Samstagabend dank einer Steigerung in der zweiten Halbzeit mit 34:29 durch. Beim Seitenwechsel hatten die Gäste noch mit 15:16 hinten gelegen, und erst nach knapp 40 Minuten konnten sie sich dann absetzen.

Danny Nas (v.l.) und Sascha Meiner - hier mit Torfrau Wiebke Detjen - konnten auch in Görlitz jubeln.
Danny Nas (v.l.) und Sascha Meiner - hier mit Torfrau Wiebke Detjen - konnten auch in Görlitz jubeln.
(Foto: Andreas Löffler)

„Zu Beginn hatte uns gegen das junge Team der Gastgeberinnen in der Abwehr der richtige Zugriff gefehlt. Dadurch kam Görlitz zu leichten Würfen und einfachen Toren“, berichtet Mannschaftsleiter Danny Nas. In der Halbzeitpause mahnte Sascha Meiner dann mehr Biss in der Defensive an, und eine Umstellung brachte auch den nötigen Erfolg: Patrizia Sturm agierte nun auf der halbrechten Abwehrposition, so dass Jessica Stiskall die nötige Luft für die Offensive hatte, und dies unterstrich sie auch mit insgesamt acht Torerfolgen. Damit war sie die erfolgreichste Werferin ihres Teams (siehe Statistik-Kasten). „Gefreut hat uns auch, dass Juliana Maul in der zweiten Halbzeit so gut traf“, spielt Nas auf die sechsfache Torschützin an, die ebenso oft erfolgreich war wie Sandra Kube. Wobei, so betont Danny Nas, die starke Mannschaftsleistung am Ende ausschlaggebend für den Auswärtserfolg an der Grenze zu Polen gewesen sei.

STATISTIK: Görlitzer HC - HC Burgenland 29:34 (16:15). HCB: Wiebke Detjen, Maria Pfüller; Jessica Stiskall 8, Lena John 2, Lea Guderian, Jasmin Heinz 1, Anne Löbnitz, Michelle Paluszkiewicz 4/2, Lea Schönefeld 2, Patrizia Sturm 3, Carmen Ringler 2, Juliana Maul 6, Celine Knorr, Sandra Kube 6 - Siebenmeter: Görlitz 5/4, HCB 2/2; Zeitstrafen: Görlitz 3, HCB 2.

Am kommenden Sonnabend wird es wieder einen Heimspiel-Doppelpack der beiden höchstklassigen HCB-Teams geben. Die Oberliga-Frauen empfangen dann ab 15 Uhr in Plotha den SV Aufbau Altenburg, und die Drittliga-Männer haben ab 19.30 Uhr in Hohenmölsen die Youngsters des Bundesligisten SCM zu Gast.