Zustand der Straßen und Wege ist großes Thema

Mit Naumburgs OB auf Rundgang durch Punschrau

30 Stadträte, Politiker, interessierte Bürger und Verwaltungsmitarbeiter begleiteten das Stadtoberhaupt.

Von Michael Heise
Idyllisch sieht es am Punschrauer Dorfteich aus. Das kleine Dorf zwischen Bad Kösen und Hassenhausen ist Auftakt für eine Reihe von Rundgängen, die  Oberbürgermeister Armin Müller in allen Naumburger Ortsteilen absolvieren will.
Idyllisch sieht es am Punschrauer Dorfteich aus. Das kleine Dorf zwischen Bad Kösen und Hassenhausen ist Auftakt für eine Reihe von Rundgängen, die Oberbürgermeister Armin Müller in allen Naumburger Ortsteilen absolvieren will. (Foto: Torsten Biel)

Punschrau - Lauschig sieht’s am Dorfteich aus. Die Sonne scheint - endlich wieder -, zusammen mit der schönen Kirche lädt der grüne Platz zum Verweilen ein. Punschrau, gerade einmal 176 Einwohner zählend, ist vor allem deshalb besonders, da hierher keine Durchgangsstraße führt. Die Gassen, die strahlenförmig von der Dorfmitte mit Teich, Kirche, Vereins- und Feuerwehrhaus sowie Pilgerherberge abzweigen, finden mehr oder weniger ein jähes Ende. Wer nach Punschrau kommt, der kommt, soviel ist klar, nicht zufällig - so wie jetzt Naumburgs Oberbürgermeister Armin Müller (CDU), der es sich mit seinem Amtsantritt im Juli vorgenommen hatte, alle 30 Ortsteile des großflächigen Stadtverbundes zu besuchen, diese besser kennenlernen zu wollen und zu erfahren, wo es Licht und Schatten gibt, den Menschen der Schuh drückt. Etwa 30 Stadträte, Politiker, interessierte Bürger und Verwaltungsmitarbeiter begleiteten Müller.

Auftakt also in Punschrau, wo der Tross aus Naumburg von vielen Einwohnern begrüßt wurde, so auch von Michael Hecklau, stellvertretender Heimatvereinsvorsitzender und Vorsitzender des Gemeindekirchrates. Er und Karin Schulze, die sich in der Dorfgeschichte besonders gut auskennt, führten Besucher und Einwohner in zwei Gruppen durch den Ort. Karin Schulze machte eingangs deutlich: „Punschrau ist deshalb besonders, weil es abseits liegt, die Menschen hier schon immer besonders aufeinander angewiesen waren. Was im Ort passiert und gewachsen ist, erlebt man immer noch.“

Heimatverereins-Vize Michael Hecklau (r.) führt Armin Müller (Mitte) und viele andere, so auch CDU-Landtagsabgeordneten Daniel Sturm, durch das Dorf.
Heimatverereins-Vize Michael Hecklau (r.) führt Armin Müller (Mitte) und viele andere, so auch CDU-Landtagsabgeordneten Daniel Sturm, durch das Dorf.
(Foto: Torsten Biel)

Will das auch heißen, dass hier die Zeit stehengeblieben ist? In vielerlei Hinsicht schon, ist aus der Runde nicht nur zu vernehmen, sondern an Ort und Stelle auch sichtbar. Wobei das alles bestimmende Thema der Zustand der Straßen, Gassen und Wege ist. Tatsächlich sehen sie erbärmlich aus. Risse, Schlaglöcher, tiefe Fahrrinnen, schräge oder fehlende Borde - es gibt nur wenige Stellen im Dorf, wo es nicht so ist. „Seit der Wende ist hier so gut wie nichts mehr passiert“, hieß es denn aus der Einwohnerschaft.

Ein Fakt, dem sich OB Müller nicht verschließen konnte und deshalb den Rat von Ute Steinberg, Geschäftsführerin des Abwasserzweckverbandes Naumburg, und Andreas Dorn, Leiter des städtischen Bauhofes, einholte. Tenor: Große Investitionen sind bis auf Weiteres finanziell nicht zu stemmen, kleinere Schadensbehebungen aber durchaus. Unter anderem die ramponierte Treppe zur Bushaltestelle und gefährliche Stolperfallen an Fußwegen sollen möglichst schnell der Vergangenheit angehören.

Punschrau ist deshalb besonders, weil es abseits liegt, die Menschen hier schon immer besonders aufeinander angewiesen waren. Was im Ort passiert und gewachsen ist, erlebt man immer noch.“

Karin Schulze, Einwohnerin

Andreas Dorn verdeutlichte auch, dass die Oberflächenentwässerung ein akutes Problem im Dorf wäre, Abläufe und Rinnen kaum vorhanden seien; Ute Steinberg wiederum verkündete, dass die Diskussion um eine Anbindung des Dorfes in die zentrale Abwasserentsorgung vom Tisch sei, es bei den dezentralen Lösungen bleibe. Michael Hecklau begrüßte das, immerhin hätten die Einwohner in der Vergangenheit viel in die Anlagen investiert.

Bei aller Abgelegenheit und offensichtlichen Defiziten im Ortsbild ist Punschrau durchaus ein begehrter Wohnstandort. Nur zwei Häuser, so konnte berichtetet werden, stünden leer, vor allem aus den Familien heraus würden die jüngeren Generationen in die Grundstücke investieren. Streckenweise ein schwieriges Unterfangen, da die Gehöfte meist groß und der Sanierungsbedarf erheblich sei und Banken sich mit Krediten an Kunden in einem strukturschwachen Ort schwertäten.

Der Zustand der Straßen und Wege ist ein großes Thema.
Der Zustand der Straßen und Wege ist ein großes Thema.
Torsten Biel

Neues entsteht trotzdem, und demnächst wohl auch in größerem Umfange, denn am Ortsrand sollen auf Privatland Bauplätze für drei Einfamilienhäuser geschaffen werden, die Verwaltung, so machte OB Müller deutlich, sei dabei, die Vorbereitungen für Baurecht zu schaffen. Gegenüber unserer Zeitung sagte Müller später, dass er bewusst Punschrau als Auftaktort für seine Begehungen ausgewählt habe: „Mir sind viele Probleme hier bekannt, und ich weiß, dass das Dorf in der Vergangenheit nicht nur wegen seiner Abgeschiedenheit ein wenig aus dem Blick geraten ist. Wir müssen jetzt sehen, dass möglichst viele der genannten Probleme im Zuge der Dorfentwicklungsplanung, die es ja gibt, abgearbeitet werden können. Klar ist aber, ohne Fördermittel geht das nicht.“ Das Treffen schätzte Müller als äußerst konstruktiv ein. Zum Abschluss des Rundgangs gab’s Gegrilltes und reichlich Gesprächsstoff - das Wetter spielte wie bestellt mit.