Lesestart auf Himmelreich nahe Freyburg

Ins Glas kommt Federweißer vom Solaris

Die Trauben der frühen Rebsorte werden zum beliebten süßen Getränk verarbeitet, das am Wochenende zum kleinen Winzerfest ausgeschenkt wird.

Von Constanze Matthes
Mit einem höhenverstellbaren Vollernter werden auf dem Freyburger Himmelreich die Trauben gelesen.
Mit einem höhenverstellbaren Vollernter werden auf dem Freyburger Himmelreich die Trauben gelesen. (Foto: Torsten Biel)

Müncheroda - Blau spannt sich das Firmament über dem Himmelreich bei Freyburg. Etwas Dunst hängt über dem Unstruttal. Hoch oben: ein Motorflugzeug mit einem Segelflieger im Schlepptau. Im satten Grün zeigen sich die Reben, die erzittern, als ein bulliger Traubenvollernter die Reihe abfährt. Die Winzervereinigung Freyburg setzt den Auftakt zur diesjährigen Lese. In dem Weinberg mit idyllischem Blick auf Zscheiplitz wächst auf gut einem halben Hektar die frühe Sorte Solaris. Michael Erfurt von der Agrargenossenschaft Gleina hat eine Traube abgenommen, um den Oechsle-Grad einer Beere zu bestimmen. „86, und sie schmecken“, sagt Erfurt.

Die Solaris-Trauben vom Himmelreich sowie ebenfalls in Höhnstedt gelesener Müller-Thurgau werden in den kommenden Tagen zu Federweißem verarbeitet, der zum kleinen Winzerfest im Herzoglichen Weinberg ausgeschenkt werden soll. „3.000 bis 3.500 Liter wird es wohl geben“, schätzt Hans Albrecht Zieger, Geschäftsführer der Winzervereinigung, ein und weist schmunzelnd zugleich auf die „tückischen“ Eigenschaften des frischen Tropfens hin: „Süß und mit Alkohol, und das vergessen viele.“

Wieder ein mageres Jahr für die Winzer

Die goldenen Septembertage können allerdings nicht die Wetter-Kapriolen des Jahres ausbügeln, die Kälte im Winter, ein zu nasser August. „Der Regen kam zu spät - und zu viel“, sagt Zieger. Der Chef der Winzervereinigung und zugleich Präsident des Weinbauverbandes Saale-Unstrut rechnet deshalb mit einem mageren Jahr, ähnlich dem vergangenen und nur mit rund 60 Prozent des Ertrages aus Durchschnittsjahren. Zieger: „Wir können mit der Situation nicht zufrieden sein, weil es einfach zu wenig ist. Wir hätten eine gute Menge gebrauchen können.“

Hans Albrecht Zieger misst mit einem  Refraktometer den Oechsle-Grad.
Hans Albrecht Zieger misst mit einem Refraktometer den Oechsle-Grad.
(Foto: Torsten Biel)

Im Anbaugebiet wird es in der kommenden Woche mit der Lese richtig losgehen. „Ich denke, es wird schnell gehen“, so der Weinbau-Präsident. Wichtig sei es indes, den richtigen Zeitpunkt zu treffen. „Durch den vielen Regen sind die Trauben zu voll, so dass es in einzelnen Lagen um deren Gesundheit gehen wird“, erklärt Zieger und spricht als Problem die Edelfäule an.

Neue Gebietsweinkönigin wird am Sonntag gekrönt

Doch vor der kommenden Ernte an Saale-Unstrut feiert Freyburg, wenngleich coronabedingt im Mini-Format. Weinbauverband und Winzervereinigung laden in den Herzoglichen Weinberg in den Ehraubergen ein. Die 3-G-Regel ist Pflicht. Pro Tag können nur 400 Besucher empfangen werden. Der Sonnabend ist bereits ausverkauft. Für Freitag sind laut Weinbaupräsident noch Tickets an der Abendkasse erhältlich. Und für den Sonntag, an dem am Vormittag die neue Gebietsweinkönigin gekrönt wird, gibt es auch nur noch Restkarten. Auch andere Freyburger Weingüter halten am Wochenende ihre Tore geöffnet. Die Rotkäppchen-Sektkellerei lädt zum Musiksommer mit Führungen und Live-Musik; auch hier ist die Kapazität begrenzt, teilt das Unternehmen auf seiner Internetseite mit. In der Stadt gibt es einen Markt mit Händlern.

Weitere Informationen unter: www.weinbauverband-saale-unstrut.de

Michael Erfurt von der Agrargenossenschaft Gleina begutachtet das Lesegut.
Michael Erfurt von der Agrargenossenschaft Gleina begutachtet das Lesegut.
(Foto: Torsten Biel)