Weinbauverband Saale-Unstrut fehlen Einnahmen

Freyburger Winzerfest fällt wieder aus

Geschäftsführer hält Veranstaltung in normalem Umfang für ausgeschlossen und hat nach Kündigung seiner Mitarbeiterinnen weitere Probleme.

Von Harald Boltze

Freyburg - „Was ist denn da los beim Weinbauverband?“, fragte man sich in den vergangenen Tagen in den Kreisen der Saale-Unstrut-Winzer. Die beiden verbliebenen Mitarbeiterinnen haben gekündigt, der Verband ist damit praktisch arbeitsunfähig - so wabert es durch die Gerüchteküche.

Und in der wurde ausnahmsweise gar nicht so komplett falsch gekocht. Denn wie ein Tageblatt/MZ-Anruf beim Präsidenten des Weinbauverbandes, Hans Albrecht Zieger, zeigte, hat dieser derzeit tatsächlich alle Hände voll zu tun. „Es ist richtig, dass unsere beiden Mitarbeiterinnen unabhängig voneinander von sich aus gekündigt haben“, so Zieger. Dass dies mit atmosphärischen Störungen im Verband zu tun habe, verneinte er jedoch. Der Grund liege vielmehr in der Corona-Pandemie.

Durch die Absage des Winzerfestes 2020 und dem drohenden Ausfall der 2021er-Veranstaltung, dazu gleich mehr, fehlt dem Verband momentan die wichtigste Einnahmequelle. „Um zahlungsfähig zu bleiben“, wie Zieger sagt, habe man die beiden Angestellten Anfang dieses Jahres in Kurzarbeit schicken müssen. Und dass man sich da in so unsicheren Zeiten als junger Mensch nach Alternativen umschaue, sei nur natürlich. Bis zum Sommer wolle man die Arbeit im Beirat und Vorstand durch eigene Ressourcen irgendwie abdecken. Dann aber soll eine neue Vollzeitstelle besetzt sein. Wenigstens die eine Stelle könne man durch die Mitgliedsbeiträge finanzieren. „Wir arbeiten gerade an der Ausschreibung“, so Zieger. Erfahrung in der Verbandsarbeit und eine Verbundenheit zum Wein soll ein geeigneter Bewerber mitbringen. Eine Weinkönigin oder Weinprinzessin, die in der Vergangenheit oft im Verband angestellt waren, muss man jedoch nicht gewesen sein.

Wir arbeiten gerade an der Ausschreibung.

Geschäftsführer Hans Albrecht Zieger

Zwar warte dann viel Arbeit auf die neue Mitarbeiterin, doch das Budget für Werbung und Marketing, was sich die Winzer vom Verband für die Saale-Unstrut-Region erhoffen, wird begrenzt bleiben. Die Einnahmen geben es nicht her. „Und auch 2021 wird es definitiv kein Winzerfest geben, so wie wir es einmal gewohnt waren“, sagt Hans Albrecht Zieger. Dafür hätte man mit den Planungen bereits im März beginnen müssen, was aufgrund der Pandemie-Unsicherheit aber unsinnig gewesen wäre. Eine Ersatz-Veranstaltung in überschaubarem Rahmen sei jedoch im September nicht ausgeschlossen. Da dies dann aber ohne Eintritt ablaufen würde, ändere dies nichts an den fehlenden Einnahmen.

Eine einfache Möglichkeit, die finanzielle Situation etwas zu entspannen, wäre die Erhöhung der Mitgliedsbeiträge. „Eine Verdopplung wäre sicherlich der leichteste Weg aus der Krise“, sagt Zieger scherzhaft, „denn das wäre sehr schwierig zu vermitteln, zumal wir erst kurz vor der Pandemie die Beiträge erhöht haben.“ Zudem wäre Zieger in einer Doppelrolle gefangen, denn die große Winzervereinigung, der Zieger als Geschäftsführer vorsteht, wäre von einer Beitragserhöhung massiv betroffen, was deren Beteiligte sicherlich auch nicht so einfach hinnehmen würden. „Wir werden unser weiteres Vorgehen wie bisher in Vorstand und Beirat intensiv diskutieren“, so Zieger.